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Die Kelten – Volksgruppen auf Wanderschaft durch Europa und Kleinasien

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kelten_wanderungenZu Zeiten der Griechen und Römer, die ihren Handlungsspielraum vorrangig in der Mittelmeerregion sahen, konnten sich auch im Norden Europas ursprünglich indogermanische Volksstämme ausbreiten, die von den gebildeten Mittelmeerkulturen der  Griechen und Römer kaum zugeordnet werden konnten.

Selbst Jahrhunderte später waren zwar Kenntnisse über diese Volksgruppen vorhanden, eine wirkliche Zuordnung dieser Volksgruppen findet erst heute in unserer modernen Zeit statt. Meist nur aufgrund sprachlicher Verwandtschaft wurden sie damals mit „Kelten“ bezeichnet, was nach heutiger Sichtweise entweder eine Siedlungsgemeinschaft mit ähnlicher materieller Kultur, denselben Gebräuchen und Glaubensvorstellungen entspricht oder lediglich eine westeuropäische Sprachengemeinschaft beschreibt.


Zwar versuchten die griechischen und römischen Historiker und Schriftsteller auch eine Zuordnung der Kelten vorzunehmen, doch dazu waren sie aufgrund von Unkenntnis zeitlich wie auch räumlich kaum in der Lage. Viel zu wenig war über die keltische Sprache, ihre archäologische Kultur sowie die keltischen Glaubens- und Kulturgemeinschaften bekannt. Schriftliche Aufzeichnungen fehlen fast komplett. Erst mit der Romanisierung ehemals keltischer Siedlungsgebiete sind Aufzeichnungen vorhanden. Moderne Erkenntnisse der frühen keltischen Kulturen basieren also in der Regel auf archäologischen Funden oder den allgemein gehaltenen Berichten griechischer und römischer Chronisten.


Heutiger Kenntnisstand ist, das die mit Kelten bezeichneten Gruppen nie ein in sich geschlossenes Volk bildeten, sondern man bestenfalls von unterschiedlichen ethnischen Gruppen mit ähnlicher Kultur sprechen kann. Dabei weiß man durch die heute bekannt gewordenen Funde, das sich die keltischen Stämme vom Norden Spaniens bis nach Böhmen und weiter sogar bis nach Anatolien ausgebreitet haben, da die kulturellen Gemeinsamkeiten besonders während der mittleren und jüngeren Eisenzeit eine eindeutige Sprache sprechen. Man ist heute in der Lage, recht genau die Spuren der Wanderungen und Neuansiedlungen auch zeitlich einzugrenzen, die Spanne reicht von 800 bis etwa 50 vor Christus.




Aufgrund von zahlreichen Funden, die in den jeweiligen Gräberfeldern etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gemacht wurden, ist man sogar in der Lage, in zwei klassisch keltische Epochen einzuteilen. Fundort des älteren Gräberfeldes ist Hallstatt am Hallstätter See in Österreich, etwa 650 – 475 vor Christus, weshalb man diese Epoche mit Hallstatt-Kultur bezeichnet. Der zweite Fundort liegt in  La Tène am Neuenburgersee in der Schweiz, etwa 475 – 50 vor Christus, einer Epoche, die mit Latène-Kultur bezeichnet wird. Mit den Ausgrabungen der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkulturen sind die zeitlichen Epochen eindeutig belegt.


Mit den einsetzenden Wanderungen der keltischen Stämme im 4. Jahrhundert vor Christus erfolgen dann die Ausweitungen der keltischen Kultur von Südostengland, Nordspanien und Frankreich, nach Westungarn, Slowenien und Nordkroatien, von Oberitalien bis in die deutschen Mittelgebirge. Archäologische Funde auf dem gesamten Balkan bis nach Anatolien hinein belegen auch die Ausbreitung der keltischen Kultur während der Latène-Epoche. Natürlich weisen in einigen Regionen auch weitere Funde auf Vermischungen mit bereits ansässigen Volksgruppen hin, so in Südostengland, wo sich die Gelehrten bis heute streiten, ob die Funde der mittleren und späten Eisenzeit rein keltischen Ursprungs sind. Auch werden die Volksgruppen häufig anders bezeichnet, so auch in Anatolien, wohin keltische Gruppen wanderten, die mit Galater bezeichnet werden und aus ursprünglich angeheuerten Soldaten mit ihren Familien bestanden. Gleiches gilt auch für die Region im nordspanischen Galizien.




Überall waren bereits Volksstämme ansässig, die sich dann im Laufe der Zeit mit den zugewanderten keltischen Gruppen mischten. Waren es im Süden etruskische Volksstämme, so waren es im Norden meist germanische Stämme, im Südosten thrakische, skythische und griechische Volksgruppen. Dies wurde besonders durch die intensiven kulturellen wie auch wirtschaftlichen Beziehungen der Kelten gefördert.


Bis heute lässt sich die keltische Sprache von der iberischen Halbinsel über Irland im Westen, auf dem Balkan im Südosten, ja sogar in Anatolien im Raum Ankara, dem Siedlungsgebiet der Galater, nachweisen:


- Das durch antike Quellen belegte ehemalige größte Verbreitungsgebiet keltischer Stämme – zum Beispiel die durch antike Autoren bezeugte Einwanderung keltischer (und thrakischer Stämme) nach Anatolien, vgl. den „Galaterbrief“ des Paulus;


- Spätantike Belege, wonach in Anatolien ein Dialekt ähnlich wie in der Gegend um Trier gesprochen wurde;


- Wenige sprachwissenschaftliche Belege keltischer Wörter in modernen mittel- und osteuropäischen Sprachen. Diese spiegeln sich zum Beispiel in der Benennung einzelner Stämme oder Gebiete als Gallier in Frankreich, Galicien in Spanien und Galater in Kleinasien wider; Entlehnungen ins Baskische wie iskos ‚Fisch‘.


- Charakteristische keltische Sprachelemente in topographischen Bezeichnungen wie beispielsweise Ortsnamen auf -briga und -durum mit den je nach Sprachgegend bewirkten Veränderungen;


- Funde von steinernen Inschriften, Tonscherben-Graffiti, Münzinschriften und Bleitäfelchen in keltiberischer, lepontischer und gallischer Sprache ab dem 6. Jahrhundert v. Chr., zum Teil in eigenen (zum Beispiel lepontisches Alphabet von Lugano) oder fremden Schriften wie der iberischen, etruskischen oder später lateinischen Schrift sowie Namen und einzelne Wörter zum Beispiel in galatischer Sprache bei antiken griechischen und römischen Schriftstellern.

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