Als Sohn wohlhabender Eltern aus Patara hat er es schon früh zum Wohltäter der Armen und Unterdrückten gebracht. Seine wohl bekannteste und in vielen Kirchenbildern festgehaltene Wohltat war, dass er drei Schwestern, die zu arm waren, eine angemessene Aussteuer vorweisen zu können und deshalb wohl auch nicht geheiratet worden wären, je einen Sack voll Goldmünzen ins Fenster gelegt hat und dadurch ihr irdisches Glück ermöglichte. St. Nikolaus mit den drei goldenen Äpfeln ist ein verbreitetes Motiv der abendländischen Malerei geworden.
Die Zahl drei, ein Symbol der Vollendung, z.B. der Dreieinigkeit, begegnet in der Wundervita des Heiligen des Öfteren. So hat er der Legende nach drei byzantinischen Beamten, die zu Unrecht angeklagt und zum Tode verurteilt wurden, das Leben gerettet und drei Kinder, die von eine grausamen Gastwirt zerstückelt worden waren und eingepökelt werden sollten (wie grässlich!!) wieder zum Leben erweckt. So wurde er zum Patron der Kinder, der heiratsfähigen und aller in Gefahr schwebender Mädchen, der Unterdrückten und Armen überhaupt.
Seeleuten habe er aus Seenot gerettet. Deshalb ist er auch Patron der Seeleute, der Zimmerer und aller, die im Schiffsbau beschäftigt sind.
Und nicht nur das: Wegen des Pökelfasses, in dem die Kinder lagen, beschützt er die Küfner, die Weinhändler und alle, die mit dem Transport von Wein zu tun haben; wegen des Manna (aus seinen Reliquien habe Manna, eine harzige Substanz, getropft) ist er Patron der Ölproduzenten, der Parfümeure und Pharmazeuten, außerdem der Drogisten; wegen der drei zu Unrecht Verurteilten jungen Männer ist er Patron der Häftlinge, der Opfer von Justizirrtümern, der Rechts- und Staatsanwälte; wegen der drei in Stücke geschnittenen Kinder ist er Patron der Metzger, weil die drei Beutel mit Gold an Brotlaibe erinnert haben sollen, ist er auch Patron der Bäcker, wegen des Getreidewunders ist er Patron der Dockarbeiter und der Kornhändler.
Was war geschehen? Myra war von einer Hungersnot bedroht, als drei (!) mit Korn beladene Schiffe auf ihrem Weg nach Konstantinopel festmachten. Alles Bitten und Flehen half nichts, die Seeleute gaben kein Getreide heraus, fürchteten sie doch und zwar berechtigt, dass sie bei ihrer Ankunft in Konstantinopel hart bestraft würden, wenn die Ladung nicht vollständig wäre.
Da erschien Nikolaus und verhandelte. Er sicherte den Seeleuten zu, dass sie keinen Verlust erleiden müssten, wenn sie einen Teil des Korns ausladen würden. Man markierte die Wasserlinie mit einem Strich an der Bordwand und entlud Sack um Sack. Und siehe, das Schiff hob sich nicht, es wurde nicht leichter. Als genug Getreide an der Hafenmole zusammen gekommen war, gebot Nikolaus Einhalt. Alle waren sprachlos ob des Wunders, das sich da zugetragen hatte. Die Seeleute fuhren weiter, das Getreide reichte aus, um die Hungersnot zu überstehen, und die Wundertaten um den Hl. Nikolaus waren um eine reicher.
Wolfgang Dorn






