Türkische Teppiche
die hohe türkische Kunst
Türkische Teppiche genießen weltweiten Ruhm. Ihre Ausführungen und Muster sind derart vielgestaltig, dass man erst nach langjähriger Erfahrung und Kenntnissen auf einen Blick ihre Herkunft zu bestimmen vermag.
Der Kilim
Bei den meisten türkischen Teppichen handelt es sich um kilim (wörtlich: "flach gewebt"), kleinere, als Vorleger oder Brücken gewebte Teppiche, die kaum Flor aufweisen. Traditionell von Frauen als häuslicher Schmuck hergestellt,spiegelten Muster und Form nicht den Marktgeschmack, sondern Herkunft und Geschmack der Künstlerinnen wieder. Die nomadischen Seldschuken - Teppiche zählten zur Zelteinrichtung - führten im 11. Jahrhundert die Kunst des Webens dieser aufwendig gemustertenTeppiche ein. In der Regel verwebte man Schafwolle, zuweilen Baumwolle oder Ziegenhaar. In der Osttürkei, um Hakkari und Malatya, schoss man Silber- oder Goldfäden ein, um Übel oder den "bösen Blick" abzuwehren. Kilim dienten nicht nur als Bodenbelag, sondern auch als Wandteppiche, Türvorhänge, Zelttrennwände und Gebetsbrücken, in Beutelform als Kissen oder Satteltaschen und zum Aufbewahren von Salz, Brot, Getreide oder Kleidung.
Natürliche und chemische Färbetechniken
Traditionell färbte man die Schur-, Baumwolle oder Seide mit aus Wurzeln, Rinden, Beeren, Pflanzen und Mineralien - in oft zeit- und arbeitsaufwendigen Verfahren - gewonnenen Naturstoffen. Diese wurden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich fast vollständig von chemischen Anilinfarben verdrängt. Preist man Ihnen rosa- oder orangefarbene Brücken als "alt" an, seien Sie auf der Hut: Diese Farbtöne lassen sich nicht aus Naturstoffen herstellen. Die inzwischen wesentlich verbesserten chemischen Färbetechniken können Natürlichkeit vortäuschen. Hinweis auf die Echtheit von Naturfarben liefern Farbnuancen im Gewebe; bei natürlichen Färbeverfahren sind leichte Farbveränderungen wischen Musterflächen unvermeidlich.
Der Kauf eines Teppich
Lassen Sie sich stets Zeit für ein Gespräch mit dem Händler. Plaudern Sie bei einem Glas Tee oder einem Kaffee über die Teppichmotive und ihre Symbolik. So können Sie seine Kennerschaft prüfen und Ihr Wissen vertiefen. Und Sie erheben das Interesse des Händlers über schnöde Gewinnsucht, was nach dem Kauf beide Seiten nicht nur finanziell, sondern auch innerlich zufriedenstellt. Da die zunehmend seltenen älteren kilim höhere Preise erzielen, haben die Händler beizeiten Techniken ersonnen, um Neu auf Alt zu trimmen. Ein beliebter Trick besteht im Sonnenbleichen mit oftmals gefälligen, sanften Farbergebnissen, die überzeugend die Jugend von Teppichen vertuschen, ihren Wert jedoch nicht steigern. Um sonnengebleichte Teppiche erkennen zu können, vergleichen Sie die Farbtöne der Oberseite sorgfältig mit der Farbkraft der unteren Gewebeschicht oder - auch dies kann Indizien liefern - jener der Teppichrückseite.
Manchmal unterzieht man die Teppiche einem künstlichen alterungsprozess durch Waschen in Bleiche, unter dem Fasern und Haltbarkeit eines Kilim leiden. Kurzes, kräftiges Schnuppern verrät Ihnen, ob Bleichlauge verwendet worden ist. Da kleinere Teppiche schneller den Besitzer wechseln, schneidet man größere Teppiche häufig in Teile, die man als originale Einzelstücke anbietet. Aufschluss geben die neu gefertigten Saumkanten, die den Eindruck von Geschlossenheit vermitteln sollen. Nachträgliches Kaschieren defekter oder ausgeblichener Stellen mir Filzstift- oder Schuhfarbe können Sie aufspüren, wenn Sie mit einem feuchten Taschentuch - manchmal genügt auch die bloße Hand - über die Oberfläche reiben. Auch absichtlich zugefügte Schmutz- und Brandflecken sollen Alter vorspiegeln. Je dichter das Gewebe eines Kilim und je dichter und kleiner die Knoten eines Knüpfteppichs, desto hochwertiger und dauerhafter ist ein Teppich.
Gebetsteppiche
Gebetsteppiche (seccade) ziert ein geschlossenes, bogenförmiges Farbmotiv, das die Gebetsnische (mihrab) einer Moschee darstellt. Diese Brücken wurden ausschließlich beim Gebet verwendet. Zu Schmucksymbolen solcher Teppiche zählen betende Hände, Moscheenlampe, Lebensbaum, Wasserkanne, Vase mit Blumen, Medaillons, achtzackige Sterne.






