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Schnäppchenangebote versüßen die Fastenzeit / Von Steffen Wurzel

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karagoz_hacivat_1Strenggläubige Muslime gibt es immer weniger in der Türkei, vor allem in Städten wie Istanbul. Auch beim Fasten während des Ramadan sind die Menschen nicht mehr so ehrlich. Schnapsverkäufer machen sich denn auch keine Sorgen ums Geschäft. Für die Werbung ist der Ramadan aber allemal gut.
Es ist ein bisschen wie in der Vorweihnachtszeit bei uns in Deutschland. Das Thema Ramadan ist überall präsent, auch und vor allem im Fernsehen. Das, was in Deutschland während der Adventszeit der Weihnachtsmann ist, ist in der Türkei der Ramadan-Trommler. Er wird auch gern für Werbeaktionen eingespannt. Zum Beispiel wirbt er für einen Kühlschrank-Hersteller: "Bring Deinen alten Kühlschrank zu uns, dann bekommst Du beim Kauf eines neuen Kühlschranks 750 Lira Rabatt!"

Normalerweise ist es nicht die Aufgabe des Ramadan-Trommlers, für Kühlschrank-Hersteller Werbung zu machen. Vielmehr soll er darauf aufmerksam machen, dass bald die Sonne aufgeht. Traditionell geht er früh morgens durch die Straßen. Er trommelt die Leute noch vor Sonnenaufgang wach, damit sie die Chance haben, noch schnell etwas zu essen und zu trinken. Ist die Sonne erstmal aufgegangen, fasten strenggläubige Muslime. Kein Essen und kein Trinken, den ganzen Tag über bis die Sonne wieder untergeht. Allerdings: Strenggläubige Muslime gibt es immer weniger in der Türkei, vor allem in Großstädten wie Istanbul.

Auch tagsüber für hungrige Kunden geöffnet

"Die Leute sind nicht mehr so aufrichtig und ehrlich mit dem Fasten wie früher", sagt Mustafa Demir, Juniorchef eines kleinen Restaurants im Istanbuler Stadtteil Ortaköy. "Der Zusammenhalt ist nicht mehr so wie früher. Noch vor wenigen Jahren haben viel mehr Leute beim Fasten mitgemacht. Das hat sich geändert, zumindest in meinem persönlichen Umfeld."

Demir selbst wird in den kommenden Wochen fasten. Sein kleines Restaurant, dessen Spezialität Bohnen sind, bleibt aber geöffnet, Tagsüber für jene, die sich nicht um die Ramadan-Regeln kümmern, abends für die Kunden, die den ganzen Tag über gehungert haben und mit extra viel Kohldampf in den Laden kommen.


Verständnis für ungeduldige Fastende

"Weil viele Kunden während des Ramadan abends besonders hungrig sind, sind sie oft ungeduldig und genervt. Das springt auch auf uns über. Wir versuchen, dafür Verständnis aufzubringen und sagen dann besonders oft: in Ordnung, natürlich, gerne doch! Natürlich sind wir oft auch selbst genervt und aggressiv, aber wir versuchen, das irgendwie auszugleichen", beschreibt Demir seine Arbeit während des Ramadan.

Die Regel, tagsüber nichts zu essen und zu trinken während des Ramadan, ist eine Sache. Strenggläubige Muslime sollen während des Fastenmonats allerdings auch nicht rauchen und keinen Alkohol trinken. Wer’s doch tut, wird vielerorts schief angeschaut.

Schnaps wird trotzdem gekauft

Der Verkäufer eines Schnaps- und Zigarettenladens in Istanbul macht sich allerdings keine Sorgen ums Geschäft. "In den ersten zwei Wochen kaufen viel weniger Leute ein. In diesen zwei Wochen werden die meisten unserer Kunden den Schnaps einfach woanders einkaufen. Sie wollen das vor ihren Freunden und Verwandten verheimlichen. Die dürfen das nicht sehen! Aus benachbarten Stadtteilen kommen dafür andere Kunden zu uns und kaufen hier ein. Nach 14 Tagen geben es unsere Stammkunden sowieso auf und kommen zu uns zurück."


Kreditkarten-Extrapunkte für die Fastenzeit

In türkischen Großstädten, allen voran in Istanbul, gehen die meisten recht pragmatisch mit dem Thema Ramadan um. Allgegenwärtig ist der Fastenmonat allerdings trotzdem - auf folkloristische Art und Weise. Überall hängen Plakate und Werbebanner, auf denen romantisch-kitschige Szenen aus dem Osmanischen Reich abgebildet sind. Oft zu sehen sind auch die typischen Figuren des traditionellen türkischen Schattenspiels. Diese Figuren tauchen auch in einigen Fernsehwerbespots auf. In denen geht’s aber nicht um Religion, sondern ums Geschäft: "Bezahlen Sie Ihre Einkäufe über Ramadan mit der Maxi-Kreditkarte und kassieren Sie wertvolle Extrapunkte!"

Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

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