Natürlich ist uns der Kangal als anatolischer Hirtenhund nicht nur dem Namen nach bekannt, so sind zwei Familie in unserem Bekanntenkreis auf der Yaila stolze Besitzer von Kangals, die einen „tollen“ Job als Hirtenhunde übernehmen und von gesamten Dorf als Beschützer der Herden hoch geschätzt und im Dorf akzeptiert werden.
Während unseres Streifzugs durch die Ruinenfelder der antiken Stadt Tripolis waren wir dann doch überrascht und auch etwas erschrocken, als wir plötzlich vor uns auf dem Hügel drei dieser mächtigen Tiere auftauchen sahen. Den Kangals mag es ähnlich ergangen sein, denn im Gegensatz zu ihrem sonstigen Verhalten kamen sie zunächst in mächtigen Sätzen und aufgeregtem Gekläffe direkt auf uns zu gerannt.
Das ganze Geschehen machte doch schon mächtig Eindruck auf uns, so das wir sehr erleichtert waren als sie uns als Zweibeiner und damit ohne Gefahr für ihre Herde erkannten und den Spurt abbrachen. Kein Hirte war irgendwo zu sehen, so das die Hunde auf sich gestellt allein die Entscheidung zwischen gut und böse zu treffen hatten. Gut entschieden, dachten wir uns im Stillen, als die Hunde dann kehrtmachten.
Uns hat zunächst die bloße Größe und die Schnelligkeit im Heraneilen imponiert, denn oftmals denkt man ja an die Masse des Körpers, die erst einmal in Bewegung gesetzt werden muss. Auch das die Hunde ohne Hirten zur Betreuung der Herde vor Ort anwesend waren und konsequent ihrer Aufgabe folgten, war schon interessant zu beobachten. Jahrelange Zucht und Vererbung muss hier wohl der Grund sein, das diese Hunde ihrer Aufgabe so konzentriert nachgehen.
Unsere Recherche brachte uns schnell auf den Namensgeber für diesen Hirtenhund, die einflussreiche Familie Kangal, denn nach wie vor existiert die Familie Kangal als ehemals aristokratische Familie im Osten der Türkei bei Sivas im Anti-Taurus, wo sie über große Ländereien verfügt. Angeblich hat es nie so etwas wie Zuchtbücher für den Kangal gegeben, jedoch wurde immer planvoll und gezielt die Paarung der Hunde beobachtet. Nach ihren Auskünften sind die Hunde von ihren Vorfahren, die noch echte Nomaden waren, vor etwa 1.000 Jahren aus dem heutigen Turkmenistan mitgebracht worden, als sich die Nomaden auf der anatolischen Hochebene niederließen. Auch hier war ein Schutzhund für die Schaf- und Ziegenherden dringend notwendig, denn Wolf und Bär bedrohten den Bestand. Noch heute wird in der Familie sehr sorgfältig darauf geachtet, das nur eine reine Fortpflanzung betrieben wird, damit die Reinrassigkeit erhalten bleibt. Angeblich entstammt auch der Karabaş dieser Familie, rein optisch durchaus möglich, denn es gibt kaum Unterschied.






