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Das Freilandmuseum in Bad Windsheim

Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim

Unser Aufenthalt in Kitzingen sollte auch noch zu einem Tagesausflug führen, den Brita und ihre Freundin Gerda vorbereitet hatten. Schon am frühen Morgen ging es los.

Zunächst am Main entlang, bogen wir dann in Marktbreit in Richtung Autobahn A7, die wir allerdings schon bei Gollhofen wieder verließen um wenig später unser Ziel in Bad Windsheim zu erreichen: das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim.

Am Stadtrand von Bad Windsheim ist in den letzten 35 Jahren ein Museumsgelände von etwa 45 Hektar Fläche entstanden, das mittlerweile mehr als einhundert historische Gebäude umfasst. Erste Schritte hinsichtlich der Trägerschaft des Museumsgeländes waren bereits 1976 vorgenommen worden, erste Gebäude, die von ihren Ursprungsstandorten in das Museum versetzt wurden, wurden im Frühjahr 1979 errichtet. Heute werden jährlich ein bis zwei Häuser hinzugefügt, so das es auch lohnt, sich das Fränkische Freilandmuseum wiederholt anzuschauen. Aber dazu später mehr.

Nach Erreichen der großzügigen Parkplatzanlegen, die auch auf Camper ausgerichtet sind, gingen wir die wenigen Meter zu den Eingangs- und Infogebäuden, einem ehemaliges Wirtshaus, das ursprünglich in Oberampfrach stand, sowie einem Korbhaus, das einst in Knittelsbach seinen Standort hatte. Bei der Größe der Fläche sowie der Gliederung der Häuser zu zusammengehörenden Hausgruppen, macht es durchaus Sinn, auf den angebotenen Geländeplan zurück zu greifen. Gleich nach dem Eingang nutzten wir das Frühstücksangebot der historischen "Schänke" in deren Außenbereich zum Studium des Lageplans der einzelnen Hausgruppen. Schnell war unser Rundweg festgelegt und so sollte es zunächst zur Baugruppe Bauernhäuser aus Regnitzfranken / Frankenalb gehen.

Diese Baugruppe historischer Bauernhäuser setzt sich aus einigen Gehöften unterschiedlicher Größe sowie einer Mühle und einem Hopfengarten zusammen. Dazu gehört auch ein Scheunengebäude, das am ursprünglichen Standort der Lagerung und Bearbeitung bei der Hopfenernte gedient hatte. Auf Schautafeln und an Hand alter Geräten wird ausführlich und anschaulich gezeigt, wie früher Hopfen geerntet und weiterbearbeitet wurde. Überhaupt ist es, manchmal fast unerwartet, äußerst lebendig um den Besucher herum, da kreuzen gackernde Hühner den Weg, der Hahn kräht auf dem Mist, selbst die Kühe im Stall dösen am Heu mampfend vor sich hin, kurz das Freilandmuseum lebt.

Wir treffen auf einen der vielen Bauerngärten, wo ein Mitarbeiter den Gemüsegarten versorgt. Unsere Nachfrage nach den Gemüsesorten wird prompt mit einer frisch geernteten Möhre beantwortet. Überhaupt gibt es neben den historischen Gebäuden, großzügig angelegte Flächen von Gemüse und Obst, Grün- und Ackerland, wo ein zumindest ein Teil des Eigenbedarfs geerntet werden kann. So dient der Garten- und Ackerbau nicht nur der Anschauung der Besucher sondern erfüllt auch den Zweck der Versorgung. Uns hat diese Konzeption begeistert, zumal man Einblicke auch in die Pflanzenwelt erhält, die es längst nicht mehr weit verbreitet gibt. Kennen Sie noch Flächen wo Hirse angebaut wird?

Wir setzen den Weg fort und kommen zur Baugruppe der historischen Gebäude aus dem Altmühlgebiet. Hier ist es die besondere Art der Dacheindeckung aus Kalkplatten, die so außergewöhnlich erscheint. Ein in der Gruppe der Jurahäuser befindliches Taglöhnerhaus entstammt dem 14. Jahrhundert. Allein die Konstruktion des Dachtragwerks ist bei dem Gewicht der Eindeckung schon bewundernswert.

Interessant und lebendig sind auch die Schauvorführungen, bei denen Handwerker ihre Fähigkeiten zeigen. So stößt man auf Zimmerleute, Steinmetze und Büttner, die am Material zeigen, wie früher gearbeitet wurde. Glaser, Schreiner und Schmiede zeigen ihr Können, selbst ein Maler zeigt, wie vor Jahrhunderten kahle Wände mit Strukturrollen und Naturfarben die Räume verschönert und wohnlich gestaltet wurden. Auch hier überall Leben und Aktion. Klar werden all diese Aktivitäten zum Aufbau und der Pflege des Museumsdorfes sowieso benötigt. Aber es ist ein äußerst cleveres Konzept, dies auch all den Besuchern vorzustellen und mit einzubinden. Das auf dem Gelände dann auch Brot aus dem Steinofen und Honig, Marmelade aus Eigenproduktion angeboten wird, erscheint dann schon selbstverständlich.

Wir kommen zur Baugruppe Mainfranken / Frankenhöhe und stoßen neben einigen Bauernhäusern auch auf ein Kommunbrauhaus, das ursprünglich aus Schlüsselfeld stammte. Auch hier handelt es sich nicht um ein reines Schauobjekt, ganz im Gegenteil. Regelmäßig wird in Schauvorführungen Bier gebraut, das nebenan im Wirtshaus auch ausgeschenkt wird und da sowieso längst Zeit zum Mittagessen ist, nutzen wir auch diese Gelegenheit: es gibt hausgemachte fränkische Bratwürste mit Kraut und Püree.

Nach dem Essen kommen wir zum Schulhaus aus Pfaffenhofen, einer kleinen Hofkapelle aus Rodheim, dem Jagdschlösschen aus Eyerlohe, das auch eine Dauerausstellung zum Thema Jagd aufweisen kann.

In der Baugruppe Industrie & Technik aus der Moderne ist u.a. eine funktionstüchtige Ziegelei eingerichtet mit einem Derrickkran eingerichtet, wo nicht nur Ziegel hergestellt werden.

An vielen Tagen im Jahr werden Theaterstücke in dem Gelände aufgeführt, regelmäßig Lesungen verschiedenster Themenbereiche veranstaltet und Führungen zu Spezialthemen angeboten. Darüber hinaus gibt es umfangreiche Seminarprogramme, das sich sowohl an Laien als auch an Fachleute wendet. Schulklassen können aus 30 verschiedenen Aktionen zu unterschiedlichen Themengebieten für verschiedene Altersgruppen auswählen. Ein umfassendes und komplexes Angebot, was uns in seiner Komplexität erst während des Rundgangs so richtig klar wird.

Ebenfalls zum Museum gehört ein Ensemble, das sich nicht auf dem eigentlichen Museumsgelände befindet, sondern einige hundert Meter davon entfernt in der Stadt Bad Windsheim. Das wichtigstes Gebäude ist hier der historische Bauhof aus dem Jahr 1441 mit seinem imposanten, freitragenden Dachstuhl. Ein Nebengebäude wird als historische Baustelle präsentiert, auf der die verschiedenen alten Bauberufe vorgestellt werden.

Unser Tag im Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim neigt sich dem Ende zu. Und einmal mehr gilt auch hier, wir kommen wieder. Nach den ersten Eindrücken vom heutigen Tag werden wir uns dann mit einem Spezialthema befassen: vielleicht dem historischen Bierbrauen?

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