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Die Johanniter – Ausweitung und Folgen auf Europa

Im ersten Teil unseres Artikels „Die Johanniter – vom Pilgerspital in Jerusalem bis zur Eroberung von Rhodos“ hatten wir deren Entstehungsgeschichte als Hilfsorganisation für Pilger bis zum Verlust des „heiligen Landes“ beschrieben.

In kleinen Schritten, während der Blütezeit des Johanniter-Ordens im Mittelmeerraum, hatten die Ordensritter auch die Verwaltung des Ordensbesitzes im restlichen Europa übernommen. Erwirtschaftete Gewinne aus den Besitzungen standen somit dem Orden selbst zur Verfügung, teilweise war es sogar möglich, nicht erbberechtigten Söhnen von Rittern, die über kein eigenes Vermögen verfügten, materiell zu versorgen. Zum Teil erfolgte die Versorgung der Ritter vor Ort auf der Basis von Pfründen, wodurch diese nicht mehr gezwungen waren, sich für eine militärische oder kirchliche Laufbahn zu entscheiden. Schnell zeigte sich nun allerdings ein Interessenkonflikt, denn das in den Pfründen erwirtschaftete Vermögen sollte möglichst in den Pfründen verbleiben und nicht mehr an die Ordenszentrale abgeführt werden.

Schon im Jahr 1206 wurden durch nationale Zusammenschlüsse von Rittern in vielen europäischen Staaten sogenannte „Zungen“ gebildet, die wiederum in Priorate, Balleien und Kommenden unterteilt waren. So konnte eine Ballei mehrere Kommenden umfassen, die wiederum zu einem Priorat gehörte, eine Organisationsform, die bis in das 18. Jahrhundert hinein Bestand hatte. Für einen gewissen Zeitraum waren der Deutschen Zunge nebenDeutschland, Österreich und Böhmen auch Dänemark, Norwegen, Schweden, Ungarn und Polen zugeordnet. Eine Neuordnung der Zungen erfolgte im Jahr 1301, wodurch auch eine geänderte Hierarchie entstand.

Französische Zunge:

-    Groß-Priorat Frankreich mit Nord- und Westfrankreich; 1317 geteilt in die Groß-Priorate Aquitanien (Poitiers), Champagne und Frankreich
-    Provence: umfasst den Süden Frankreichs mit zwei Groß-Prioraten in Toulouse und Saint-Gilles
-    Auvergne: Zentralfrankreich mit dem Groß-Priorat Bourganeuf

Spanische Zunge:

-    Umfasst die Iberische Halbinsel mit Groß-Prioraten für Aragon (Amposta), Katalonien, Kastilien und León, Navarra und Portugal
-    Teilung 1462: die Groß-Priorate Amposta, Katalonien und Navarra bilden die Zunge von Aragon;
-    die Groß-Priorate Kastilien-León und Portugal bilden die Zunge von Kastilien

Italienische Zunge:

-    Umfasst mit den Groß-Prioraten Messina, Barletta, Capua, Rom, Pisa, Lombardei und Venedig

Englische Zunge:

-    Umfasst mit den Groß-Prioraten England, Schottland und Irland

Deutsche Zunge:

-    Umfasst mit den Groß-Prioraten Böhmen, Ober- und Niedergermanien, Dacien (= Dänemark), Schweden, Polen und Ungarn

Entwicklung des Johanniterordens in Deutschland

Bereits um 1154 hatten Johanniter außerhalb der Stadtmauern von Duisburg eine erste Niederlassung auf deutschem Boden gegründet. Nur wenig später errichteten sie die Duisburger  Marienkirche. Allerdings waren und blieben die Besitzungen des Johanniterordens in Deutschland immer erheblicher geringer als im benachbarten Ausland. Eines der ältesten Ordenshäuser wurde 1162 in der Eifelstadt Adenau gegründet. Wenig später schenkte Albrecht der Bär dem Johanniter-Orden die Kirche zu Werben sowie dazu gehörige 6 Hufen Land. In der Folge war Werben etwa 250 Jahre lang Sitz der Ordensregierung für Brandenburg, Pommern und die Wendenlande. Während der nun folgenden Expansion des Johanniter-Ordens im westlichen Mecklenburg konnten die Priorei Sülsdorf bis zur Komturei Kraak hinzugewonnen werden. Mit dem Verbot und der damit einhergehenden Enteignung des Templerordens im Jahr 1312 wurden die Besitzungen der Templer in Brandenburg den Johannitern übertragen. Die Übertragungsregelungen wurden per sogenannten Cremmen-Vertrag am 23. Januar 1318 durch den Markgrafen Waldemar von Brandenburg festgelegt. In diesem Vertrag wurde auch die Komturei Tempelhof übertragen, die jedoch von den Johannitern bereits 1435 an die Städte Berlin / Cölln verkauft wurde. In der Zeit von 1505 bis 1806 war der Sitz des deutschen Grosspriorats der Johanniter in Heitersheim etabliert und noch heute sind in Duisburg Maltesereinrichtungen vertreten.

Rhodos und Malta

Um 1300 spitzten sich die Auseinandersetzungen zwischen dem Johanniter-Orden und dem König von Zypern zu. So war wenig später der Großmeister Fulko de Villaret überzeugt und bereit, das von Byzanz nur wenig ausgebaute und damit schlecht zu verteidigende Rhodos zu erobern. Nach ersten Planungen im Jahr 1306 konnte de Villaret seinen Plan im Jahr 1309 umsetzen. Nach der Eroberung wurde umgehend mit dem starken Ausbau und dem Bau riesiger Befestigungsanlagen begonnen, auch ein Großmeisterpalast wurde errichtet. Mehr als 200 Jahre konnten die Ritter des Johanniter-Ordens die Insel erfolgreich gegen Angriffe der Ägypter verteidigen. Der Ausbau Rhodos zur Festung verschlang Unsummen, so dass jetzt hohe Kreditforderungen im Raum standen. Interne Streitigkeiten und Probleme bei der Rekrutierung neuer Ritter führten in der Folge dazu, dass die Johanniter ihre Aktivitäten hinsichtlich der Wiedereroberung Jerusalems oder neuer Kreuzzugsaktivitäten aufgeben bzw. vernachlässigen mussten. Jetzt rückte die Verteidigung des Mittelmeerraums gegen vorrückende islamische Truppen in den Vordergrund der Tätigkeiten der Johanniter als neue Aufgabe. Mit dem Schwerpunkt Kriegshafen Rhodos baute man jetzt eine starke Mittelmeerflotte auf, die zum bedeutenden Machtfaktor im östlichen Mittelmeer wurde.

Der Heimbacher Vergleich aufgrund des Baus der Festung Rhodos

Wie schon erwähnt, hatte der Bau der Festung Rhodos zu hohen Kreditforderungen geführt, die nur durch den Verkauf von Besitz abgelöst werden konnten. Dies führte zu harten wirtschaftlichen Einbußen der Ordensbrüder, die durch die Verkäufe der Besitztümer betroffen waren. In der Folge gab es vor allem Befürchtungen norddeutscher Ritterbrüder, weitere Einschränkungen nicht verkraften zu können. Ihr Protest führte letztendlich 1382 zum sogenannten Vergleich von Heimbach, der das Generalkapital des Johanniterordens bestätigte und wodurch die Ballei Brandenburg weitestgehende Autonomie erhielt. Wohl wichtigster weiterer Vergleichspunkt war die Verringerung der zu zahlenden Leistungen an die Ordenszentrale auf Rhodos und später an Malta.

Weitere Angriffe auf Rhodos

In den Jahren 1440 und 1444 wurde Rhodos von ägyptischen Truppen und Flottenverbänden belagert. Sehr erfolgreich konnte der derzeitige Großmeister Johann von Lastic selbst die Belagerung der Hauptstadt überstehen. Im Jahr 1480 versuchte der osmanische Sultan Mohammed II die Belagerung und Eroberung der Stadt Rhodos mit über 70.000 Mann, diesmal hieß der Verteidiger Großmeister Pierre dÁubusson. Erst als unter der Führung SultanSüleymans des Prächtigen die Stadt 6 Monate belagert wurde, mussten die Ritter des Ordens ihren Verteidigungskampf aufgeben und kapitulierten am 22. Dezember 1522. Der zu diesem Zeitpunkt anwesende Großmeister Philippe de Villiers de lÍsle-Adam erhielt, wie auch alle überlebenden Ritter freien Abzug von Rhodos.

Übersiedlung nach Malta

Nach der Aufgabe der Festung Rhodos war die Basis der Johanniter entzogen. Die flüchtenden Ritter gelangten teils nach Kreta oder zogen sich auf sonstige Besitzungen des Ordens in Europa zurück. Die ursprüngliche Aufgabe im Heiligen Land war nicht mehr zu erfüllen. Im Jahr 1530 übergab Kaiser Karl V die Inseln Malta und Gozo den Rittern als Lehen, wenig später auch das von ihm eroberte Tripolis. Der Name Johanniter wandelte sich jetzt mehr und mehr in die Bezeichnung Malteser Orden um.

Wie schon auf Rhodos wurde auch die Insel Malta zunächst stark befestigt. Wichtigste Geldquelle waren die Angriffe und Plünderungen der Schifffahrt in den muslimischen Staaten. Die Malteser bauten mit dem Erlös eine Flotte von Kriegsgaleeren auf, verstärkten die Inselbefestigung weiter und entwickelten auch die Seeoperationen fort, womit sie sich natürlich neue Feinde schafften. Als im Jahr 1551 Tripolis an den türkischen Korsaren Turgut Reis verloren ging, begann der Sitz Malta ebenfalls zu wackeln. 1565 wurde Malta von den Osmanen angegriffen und belagert, konnte sich allerdings trotz massiver Verluste, halten.

Die Verteidigung der Besitztümer im Mittelmeerraum sowie auch das Umsiedeln von Rhodos nach Malta und der Schutz der christlichen Handelsschifffahrt hatten das Vermögen des Johanniter-Ordens stark in Mitleidenschaft gezogen. Fortschreitende Reformation in Europa taten aufgrund von personellen Schwächungen ein Übriges hinzu. Als sich im Jahr 1534 auch noch die Anglikanische Kirche abspaltete war damit auch die Zunge in England weg. Auch die deutsche Zunge wurde schwächer, da die Ballei Brandenburg im Zuge der Reformation die evangelische Konfession annahm.

Ein weiterer Artikel zur Geschichte des Malteserordens sowie zum dann protestantischen Johanniter-Ordens folgt in Kürze.

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