Logo

Weihnachtszeit - Tannengrün ein christliches Symbol?

Weihnachtszeit - Ist das Grün des Baumes ein christliches Symbol?

Jetzt ist sie wieder da, die Vorweihnachtszeit mit dem Adventskranz aus Tannengrün und den vier Kerzen, deren Licht den sonntäglichen Frühstückstisch so romantisch verzaubert.

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier..... so heißt es treffender weise im Volksmund. Und schon ist auch die Zeit des Tannenbaums gekommen, der je nach persönlichem Geschmack mit Kugeln und Lametta behängt die kommenden Wochen die Wohnzimmer verziert. Und schon schwärmen alle aus, auf der Suche nach dem passenden Baum. Kein Wunder, denn neben den immer noch aktuellen, echten "Tannenbäumen" gibt es eine breite Palette von Arten und Sorten, die heute angeboten werden. Selbst die Variante Kunststoff ist weit verbreitet. Bleibt die Frage, woher stammt dieses Brauchtum eigentlich.

Die Recherche ergibt keine wirklich historisch belegbare Anfänge oder Ursprünge, klar wird eigentlich nur, das schon früheste Kulturen sich "Grün" ins Haus geholt haben. Immergrüne Pflanzen vermitteln den Eindruck von Lebenskraft, Gesundheit und Energie. Schon im Mithras-Kult schmückten Menschen zur Wintersonnenwende Bäume mit Bändern und Fähnchen zur Huldigung des Sonnengottes. Die alten Römer nutzten Lorbeerzweige nicht zur zur "Krönung" eines sportlichen Siegers sondern auch um damit zum Jahreswechsel ihre Häuser zu schmücken. Weiter im Norden wurden Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen zu erschweren und gleichzeitig der Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings mehr Ausdruckskraft zu verleihen.

Aus dem Mittelalter sind Gebräuche bekannt, die in unserer modernen Zeit teilweise noch immer ausgeführt werden oder die neu belebt worden sind, so zum Beispiel das Schmücken des Maibaums oder das Errichten des Richtbaumes. Zu Weihnachten wurden in der Kirche Paradiesspiele aufgeführt, weil der 24. Dezember früher der liturgische Gedenktag Adam und Evas war, an dem ein Paradiesbaum, der durchaus auch ein Laubbaum sein konnte, mit Äpfeln behängt wurde. Der Apfel diente dabei als Zeichen der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis und erinnerte an den Sündenfall und an die Befreiung des Menschen von der Erbsünde durch Jesus Christus. Noch bis ins 19. Jahrhundert schmückte man in Norddeutschland seinen Christbaum mit Adam und Eva und einer Schlange aus Holz oder Gebäck.

Vom Tannengrün zum Christbaum

In Aufzeichnungen findet man häufiger ein Datum aus dem Jahr 1419, als die Freiburger Bäckernschaft einen Baum mit verschiedenartigem Naschwerk, Früchten und Nüssen behängt haben soll, der dann den Kindern zum Abschütteln an Neujahr zur Plünderung freigegeben wurde. Quellen, die hier als eindeutige Belege genutzt werden könnten, existieren allerdings nicht. Von 1521 datiert ein Eintrag in einem Rechnungsbuch der Humanistischen Bibliothek in Schlettstadt: „Item IIII schillinge dem foerster die meyen an sanct Thomas tag zu hieten.“ („Ebenso vier Schillinge dem Förster, damit er ab dem St.-Thomastag die Bäume bewacht.“). Ob dies allerdings als Nachweis zum Schutz vor illegalem Abholzen von Tannenbäumen gesehen werden kann, bleibt zumindest fragwürdig.

Von 1539 gibt es wieder einen urkundlichen Beleg, dass im Straßburger Münster ein Weihnachtsbaum aufgestellt wurde. Die Zünfte und Vereine waren es schließlich, die ein immergrünes Bäumchen in die Zunfthäuser stellten. In einer Lohnabrechnung der Reichsstadt Gengenbach von 1576 wird erwähnt, dass der Förster „ime Strohbach“ einen „Wiehnachtsbaum uf die Ratsstuben“ gebracht habe.

Die ersten Aufzeichnungen über den Christbaum als einen allgemein üblichen Gebrauch stammen aus dem Jahre 1605, wiederum aus dem Elsass: „Auff Weihnachten richtet man Dannenbäume zu Straßburg in den Stuben auf. Daran henket man Roßen auß vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgold [dünne, geformte Flitterplättchen aus Metall] und Zucker“. 1611 schmückte Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen. Auch die nächste Nachricht über den Weihnachtsbaum stammt aus Straßburg. In einer zwischen 1642 und 1646 verfassten Schrift ereiferte sich der Prediger am Münster Johann Conrad Dannhauer gegen den Brauch, in den Häusern Weihnachtsbäume aufzustellen: „Unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begehet, ist auch der Weihnachts- oder Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Puppen und Zucker behängt, und ihn hernach abschüttelt und abblühen (abräumen) lässt. Wo die Gewohnheit herkommt, weiß ich nicht; ist ein Kinderspiel“.

Seit dem 18. Jahrhundert zieht der Christbaum in die Wohnungen ein

Erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden die Nachrichten über den Weihnachtsbaum häufiger. Johann Heinrich Jung-Stilling, 1740 im Nassauischen geboren, scheint eine Erinnerung an seine Kindheit zu beschreiben, wenn er in seinem 1793 veröffentlichten "Das Heimweh" von dem hell erleuchtenden Lebensbaum mit vergoldeten Nüssen, zu dem das Kind am Morgen des Christtages geführt wird, spricht.

Von Johann Wolfgang von Goethe stammt eine der ersten Erwähnungen des Weihnachtsbaums in der deutschen Literatur. In den Leiden des jungen Werther (1774) besucht der Protagonist am Sonntag vor Weihnachten die von ihm verehrte Lotte und spricht von den Zeiten, da einen die unerwartete Öffnung der Türe und die Erscheinung eines „aufgeputzten Baumes“ mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln in paradiesisches Entzücken versetzte.

Friedrich Schiller hat in seinen Werken zwar keine Weihnachtsszene geschildert, aber er liebte das Fest unter dem Baum. 1789 schrieb er an Lotte, dass er zu Weihnachten nach Weimar komme und meinte: „Ihr werdet mir hoffentlich einen grünen Baum im Zimmer aufrichten.“

Im Jahre 1805 wurde der Weihnachtsbaum einem großen Leserkreis dadurch bekannt, dass ihn Johann Peter Hebel in dem Lied Die Mutter am Christabend aus seinen Alemannischen Gedichten erwähnte.

E. T. A. Hoffmanns Märchen Nussknacker und Mausekönig aus dem Jahre 1816 ist das erste Berliner Literaturdenkmal, in dem der Lichter glänzende, mit goldenen Äpfeln und Bonbons geschmückte Tannenbaum in der Mitte der Weihnachtsbescherung erscheint.

Da Tannenbäume in Mitteleuropa selten waren, konnten sich diese zunächst nur die begüterten Schichten leisten, und die Stadtbevölkerung musste mit Zweigen und anfallendem Grün auskommen. Erst als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, konnte der städtische Bedarf gedeckt werden.

Die Kirche, der große Waldgebiete gehörten, schritt gegen das Plündern des Waldes zur Weihnachtszeit ein. Mit der Zeit übernahm sie den Brauch. Als in evangelischen Kreisen der Christbaum ins Brauchtum übernommen wurde, trat der Christbaum seinen wirklichen Siegeszug an. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist der Weihnachtsbaum auch in den katholischen Regionen Deutschlands und Österreich bezeugt.

Der erste Weihnachtsbaum in Wien wurde 1814 von Fanny von Arnstein, einer aus Berlin stammenden angesehenen jüdischen Gesellschaftsdame, aufgestellt, in deren Hause auch Vertreter des Hochadels ein und aus gingen. Bereits 1816, anderen Quellen zufolge 1823, wurde diese Tradition von Henriette von Nassau-Weilburg, der Gattin Erzherzog Karls, aufgegriffen und breitete sich von da an in allen Gesellschaftsschichten Österreichs aus. 1815 verbot die niederösterreichische Landesregierung „das Abstämmeln und Ausgraben der Bäume zum Behuf der Fronleichnams-Prozessionen, Kirchenfeste, Weihnachtsbäume und dergleichen“. Mit „dergleichen“ waren vermutlich die Nikolausbäumchen gemeint, die 1782 als „grüner Baum mit brennenden Kerzchen bestekket, auf welchem etwelche Pfunde candirtes Zuckerbacht ebenso glänzen wie der vom Reife candirte Kirschenbaum zur Winterszeit schimmert“ beschrieben wurden.

1832 stellte der deutschstämmige Harvard-Professor Karl Follen als erster einen Weihnachtsbaum in seinem Haus in Cambridge (Massachusetts) auf und führte so diesen Brauch in Neuengland ein.

Als sich die englische Königin Viktoria 1840 mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha vermählte, kam der Weihnachtsbaum nach London. Auch die Niederlande, Russland, besonders Petersburg und Moskau, wo er allerdings nur in den höchsten Kreisen üblich war, und Italien verdanken ihren Weihnachtsbaum den Deutschen. 1837 führte die Herzogin Helene von Orleans den Weihnachtsbaum in die Tuilerien ein, später machte sich die Kaiserin Eugenie um seine Verbreitung verdient. Zwei Jahrzehnte später wurden in Paris bereits 35.000 Christbäume verkauft.

Nach Nordamerika gelangte der Christbaum durch deutsche Auswanderer und Matrosen. Alte US-Zeitungen berichten, Gustav Körner habe die typisch deutsche Sitte des beleuchteten und geschmückten Weihnachtsbaums in den USA eingeführt – und dies schon bald nach Ankunft im Bundesstaat Illinois zu seinem ersten Weihnachtsfest in den USA im Jahr 1833. In den USA wurden schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts Christbäume aus Eisen hergestellt. Diese Wunderwerke der Technik waren teilweise schon mit Gas beleuchtet: „Durch die hohlen Äste flutet das Gas und wo sonst Kerzen erstrahlen, zuckt aus schmaler Ritze die Gasflamme empor“.

Auf dem Petersplatz in der Vatikanstadt wurde 1982 erstmals ein Weihnachtsbaum aufgestellt. Desgleichen wird jedes Jahr mit Beginn des Weihnachtsmarktes ein Tannenbaum auf dem Hamburger Rathausmarkt aufgestellt, der ein Geschenk eines nordischen Staates an den Stadtstaat ist.

Der Weihnachts- oder Christbaum hat sich etabliert.

Alaturka.Info © Alle Rechte vorbehalten.
Designed by GavickPro | Powered by DeSe Design Web Tasarım Turizm Ltd. Sti.
Deutschland: Dorfstrasse 15, 06647 Finne / OT Billroda - Türkei: Çıplaklı Kasabası Oba Pk 4, 07400 Alanya, Antalya, Türkei