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Spaziergang entlang der Donau und seiner Altarme

Spaziergang entlang der Donau und seiner Altarme

Während unseres Rundgangs durch Wien waren wir mit der U-Bahn bis zur Station auf der Donauinsel gefahren, um den seltenen Sonnenschein der doch überwiegend trüben Tage im Februar zu nutzen.

Ein Spaziergang entlang der Seiten- und Altarme der Donau sowie des Donaukanals hatte neben uns viele weitere Besucher und Bewohner ins Freie gelockt, so auch eine große Gruppe von Freizeitsportlern, die sich im Uferbereich gymnastischen Übungen und diverser Sprungtechniken bemühte. Wir waren zunächst entlang des heutigen Donaukanals gegangen, der im Hoch-Mittelalter als das Hauptgerinne der Donau in etwa in diesem Bereich verlief.

Da die Donau immer viel Sand und Geröll mit sich führte, sich die Strömungsgeschwindigkeit wegen des geringeren Gefälles im Wiener Becken jedoch stark verringert, kam es zu beträchtlichen Ablagerungen des Geschiebes im Wiener Raum. Dies führte nicht nur zu Versandungen, sondern auch zu einem charakteristischen Drang der Donau, ihr Bett weiter ins Marchfeld hinauszuverlegen; eine stete Verschiebung des ursprünglichen Hauptverlaufs nach Niederösterreich wurde erst später durch die Donauregulierung unterbunden. Die Donau trat immer wieder über die Ufer, was zu Katastrophen in den tief gelegenen Vorstädten wie Roßau, Leopoldstadt und Weißgerber, vor allem aber auch in den links der Donau gelegenen Orten führte; aus der älteren Zeit sind das Hochwasser von 1501 und das "Allerheiligen-Hochwasser" von 1787 hervorzuheben.

Die Donau hatte in historischer Zeit fünf Hauptarme.

Salzgriesarm oder Nußdorfer Arm: Dieser südlichste Arm nahm seinen Lauf zwischen Nußdorf und Heiligenstadt, floss an der Höhe von Döbling vorbei zur Nußdorfer Linie, von dort weiter entlang des Fußes der Schottenpoint zur Stadt und in dieser neben dem Salzgries, um sich beim heutigen Morzinplatz mit dem Donaukanal zu vereinigen.

Zur Römerzeit war der Salzgriesarm schiffbar; Reste einer Stiege, die von Maria am Gestade zum Hafen hinabführte, wurden 1901 und 1938 entdeckt. Zwischen diesem Donauarm und dem Donaukanal lag eine weitläufige Insel, der Obere Werd. Allmählich wandte sich die Donau mit diesem südlichen Arm immer mehr von der Stadt ab; im 13. Jahrhundert begann er so stark zu versanden, dass er für die Schifffahrt nicht mehr nutzbar war. Seine Mündung in den Donaukanal rückte zunehmend stromaufwärts, 1628 lag sie nahe der heutigen Augartenbrücke, 1706 oberhalb der heutige Friedensbrücke. 1836/1837 wurde das verbliebene Rinnsal zugeschüttet.

Wiener Arm oder Wiener Wasser: Dieser Arm entsprach im wesentlichen dem heutigen Donaukanal; er gewann nach der im 13. Jahrhundert einsetzenden Versandung des Salzgriesarms zunehmend an Bedeutung. Bemühungen, ihn schiffbar zu halten, sind schon für 1376 und 1455 (Kaspar Hartneid) überliefert. Ein im heutigen dritten Bezirk im Zuge der Hetzgasse abzweigender Arm war schon im 14. Jahrhundert versandet.

Da das Wiener Wasser damit Kanalcharakter erhielt, bürgerte sich auch die Bezeichnung "Wiener Kanal", ab dem 18. Jahrhundert "Donaukanal" ein. 1836 wurde dieser durch eine neue Trasse zwischen der heutigen Ostbahnbrücke und dem Winterhafen begradigt und damit der Abschnitt, der bis zum Lusthaus im Prater reichte, stillgelegt. Im Zuge der Donauregulierung (1870-1875) erfolgte der Bau der Nußdorfer Schleusenanlage.

Fahnenstangenwasser: Sein Lauf entsprach etwa der Trasse der späteren Nordwestbahn und der Straße Am Tabor; über das heutige Bahngelände beim Praterstern verlief er zum östlichen Donauarm. Der Name leitet sich von Fahnenstangen ab, die im Burgfriedensprivileg von 1698 nahe den Schanzen bei der neu erbauten Taborbrücke erwähnt werden, Signalzwecken dienten und die dortige Burgfriedensgrenze markierten. 1548 war dieser Arm der wasserreichste, doch begann auch er allmählich zu versanden, war um 1780 nicht mehr schiffbar und bestand um 1840 nur mehr aus Tümpeln, die im Zuge der Bahnbauten zugeschüttet wurden.

Kaiserwasser: Ab Mitte des 17. Jahrhunderts war das Kaiserwasser das Hauptgerinne der Donau; die Abzweigung vom Fahnenstangenwasser lag bei der heutigen Nordbrücke, die Wiedervereinigung mit diesem erfolgte im Bereich der Reichsbrücke. Das Kaiserwasser wurde 1870-1875 abgedämmt und danach zugeschüttet.

Floridsdorfer Arm: Wasserreichster Donauarm, dessen Lauf sich an der Alten Donau noch ablesen lässt. Zu den Nebenarmen gehörte das Heustadelwasser.

Im Zuge des Baus eines Entlastungsverlaufs im ehemaligen Überschwemmungsgebiet, das die 1870-1875 regulierte Donau an ihrem linken Ufer begleitete, entstand zwischen den beiden Flussläufen eine rund 20 Kilometer lange und durchschnittlich 400 Meter breite Insel, die zu einem Naherholungsgebiet ausgebaut wurde. Die „Neue Donau" wurde zwischen 1. März 1972 und 1987 angelegt, die Donauinsel danach zur Gänze ihrer Bestimmung übergeben. Seit 1984 wird alljährlich im Sommer das „Donauinselfest“ abgehalten. Die Donauinsel erhielt direkten Anschluss an die U 1, die auch wir zu unserer Erkundung genutzt hatten.

Der Hauptarm der heutigen Donau war komplett Eisfrei, die Nebenarme, trotz des mittlerweile einsetzenden Tauwetters dagegen immer noch fast komplett zugefroren, was Eisläufer und Spaziergänger noch tatkräftig ausnutzten. Wir sahen von dieser Möglichkeit ab, zu dünn und brüchig erschien uns die Eisflächen.

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