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Straßburg – ein weiterer Termin im EU-Parlament

  • Geschrieben von Sam Rohlfs
Stadtteil von Straßburg ist La Petite France

Nach Rückkehr von unserer ausgiebigen ersten Fahrraderkundungstour durch Straßburg, die mit einigen Einkäufenendete, ging es entlang der Kanäle zurück zur Wohnung von Patrick.

Während in der Küche eine von Hand aufgezogene Poularde als Abendessen vorbereitet wurde, die bereits schnell einen köstlichen Duft verbreitete, konnten wir die tagsüber eingegangenen Emails prüfen. Und siehe da, es war auch eine schon sehnsüchtig erwartete Nachricht darunter.

Frau Helga Trüpel hatte während unseres Gesprächs im EU Parlament von Brüsselauch ein Treffen mit Frau Chrysoula Paliadeli in Straßburg angeregt, die sich allein auf Grund ihrer früheren Aktivitäten als Archäologin sicherlich stark für unser Projekt interessieren würde. Da wir sowieso einige Tage in Straßburg verbringen wollten, hatten wir auf einen Termin mit Chrysoula Paliadeli gehofft. Und wir hatten Glück, denn Frau Chrysoula war gerade in Straßburg zugegen und auch bereit, sich kurzfristig mit uns zu treffen. Also wurde kurzfristig ein Termin für den nächsten Morgen eingeschoben, den wir noch telefonisch vereinbarten.

So waren wir nach einem wirklich köstlichen Abendessen mit Poularde, Pfifferlingen und einigen weiteren Beilagen, nebst einem ebenso mundenden Rotwein, die uns auch ausgiebig von Patrick erläutert wurden, schon früh am nächsten Morgen wieder unterwegs. Patrick hatte sich erneut mit einigen Paragliding Kollegen zum Fliegen verabredet. Wir fuhren mit dem Fahrrad zum Parlament, das wohl aufgrund der frühen Stunde noch wenig belebt erschien. Pünktlich wurden wir von der Mitarbeiterin von Frau Chrysoula am vereinbarten Treffpunkt abgeholt, kurz am Eingang gecheckt und schon ging es zum Büro von Frau Chrysoula.

Schnell waren wir in ein intensives Gespräch vertieft, das auf der Basis unserer Erläuterungen und anhand von Aufzeichnungen und Plänen untermauert wurde. Auch hinsichtlich der bereits getroffenen Vorgespräche mit diversen Institutionen, Museen und Organisationen war man merklich angetan. So hatten wir die Chance wirklich ausführlich über eine Vielzahl von Ideen und Möglichkeiten zu sprechen, die auch von Frau Chrysoula Paliadeli unterstützend kontaktiert werden würden. Es gab eine fast herzlich zu nennende Verabschiedung, die hoffentlich auch zu einem anvisierten erneuten Treffen hilfreich beigetragen hat. Wir werden sehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Natürlich werden wir Sie, liebe Leser davon rechtzeitig in Kenntnis setzen.

Wir hatten schon am Abend zuvor beschlossen, nach dem Termin im EU Parlament noch einmal in die Altstadt zu fahren, um uns weitere Sehenswürdigkeiten anzusehen. Schon während der ersten Tour mit Patrick war uns eine Vielzahl von Gebäuden aufgefallen, die unwillkürlich an die deutsche Zeit Strasbourgs während der Kaiserzeit erinnerten. Neben dem Bahnhof, der Kunsthochschule und der ehemaligen Jungmädchenschule (Lycée international des Pontonniers), waren es vor allem der ehemalige Kaiserpalast (Palais du Rhin), das Gericht und die Universität mit Bibliothek und Sternwarte, die an die deutsche Vergangenheit erinnerten.

Heute ging es dann zu einem weiteren Highlight, das wohl kein Straßburg Reisender auslassen wird, dem Gerberviertel im Stadtteil La Petite France "Das kleine Frankreich" von dem uns Patrick schon berichtet hatte. Auch hier die typischen Fachwerkhäuser mit allerdings sehr großen Dachgauben, die größtenteils auch ohne Fenster waren. Wir hatten erfahren, das in diesem Viertel viele Fellgerber ihrem Beruf nachgingen und die Felle zum Trocknen in den oberen Dachetagen aufhängten. Es muss einst fürchterlich gestunken haben, denn trotz der großen Gauben in der Höhe blieb der Geruch sicherlich häufig in den engen Gassen hängen. Heute ist das „Quatier des Tanneurs“, wie der Franzose sagt, eines der wichtigsten Touristenziele von Reisegruppen aus aller Welt. Wir begegneten prompt einer Gruppe junger japanischer Touristen, die sich auf der Drehbrücke über die Ill zum Foto Shooting versammelt hatten. Kurz darauf ertönte schon die Pfeife des Brückenwärters, der zwecks Durchfahrt eines Touristendampfers die Brücke öffnen musste. Nur etwa 100 Meter von der Drehbrücke entfernt befindet sich auch eine Schleuse, die regelmäßig von den Touristenbooten passiert wird und so auch zur Attraktion geworden ist. Ein Viertel, das allein schon den Besuch lohnt.

Einer Geschichte, die noch immer kursiert, zur Folge, soll der Name La Petite France auf ein ehemaliges Militärkrankenhaus zurück gehen, das auf einst auf der Illinsel lag. Dort wurden u. a. Soldaten behandelt, die an der sogenannten Franzosenkrankheit, so wurde die Syphilis damals abwertend bezeichnet, litten. Wie viel Wahrheitsgehalt in dieser Geschichte steckt, bleibt allerdings ein Geheimnis Strasbourgs.

Wir beschlossen kurzfristig noch einmal ins Palais Rohan zu gehen, um unsere Recherche hinsichtlich römischer Spuren noch zu vertiefen, denn bislang hatten wir in der Altstadt kaum Spuren der römischen Anwesenheit inStraßburg gefunden. So erfuhren wir im Museum von den archäologischen Ausgrabungen unter der Leitung von Prof. Jean-Jacques Hatt, die er in der Zeit zwischen 1947 und 1953 aufgrund der starken Zerstörungen Straßburgs während des 2. Weltkriegs hatte vornehmen können. Erstmals konnte durch Hatt festgestellt werden, das das Militärlager Argentoratum während des ersten bis fünften Jahrhunderts nach Christus mehrfach abgebrannt und danach wieder aufgebaut worden war.

Zunächst gab es in Argentoratum lediglich Palisadenzäune und Wassergräben zum Schutz der hier lagernden Soldaten, die in einfachen Holzhütten lebten. Nach und nach wurden die Hütten aufgrund der Brände durch Steinhäuser ersetzt. Hatt konnte feststellen, das in den Jahren 70, 97, 235 und 355 große Teile des Lagers abgebrannt waren. Die größte Ausdehnung und zugleich die stärkste Befestigung des Militärlagers hatte Argentoratum nach dem verheerenden Brand im Jahr 97 unter Trajan.

Ab dem 4. Jahrhundert nach Christus war Straßburg wahrscheinlich auch Bischofssitz. Dies belegen zumindest die Ausgrabungen der Überreste eines Apsidenbaus, die im Jahr 1956 unter der heutigen Eglise Saint-Etienne gefunden wurden. Sehr wahrscheinlich ist dieser Fund der Nachweis der bislang ältesten Kirche auf elsässischen Boden und Sitz eines Ur-Bistums.

Im Jahr 357 kam es zur Schlacht von Argentoratum, in der Alamannen und ihre Gefolgsleute erstmals den Vorrechten der Römer in der Region kriegerisch entgegentraten, allerdings ohne Erfolg. Erst im fünften Jahrhundert wurde Argentoratum von den vereinten Kräften durch Alamannen, Hunnen und Franken erobert. Mit dem Niedergang des Römischen Reichs drangen die Alamannen nach Westen über den Rhein bis ins spätere Elsass vor. Etwa einhundert Jahre später taten es ihnen die germanischen Franken gleich und eroberten große Gebiete des nördlichen Galliens, die sie auch teilweise germanisierten. So bildete sich bereits damals eine germanisch-romanische Sprachgrenze entlang des Vogesen Hauptkamms und in nordwestlicher Richtung durch Lothringen, Luxemburg und Belgien hindurch, die bis heute im wesentlichen Bestand hat. 

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