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Istanbul - Marmaray-Eisenbahn-Tunnel eröffnet

Istanbul - Marmaray-Eisenbahn-Tunnel zwischen Europa und Asien eröffnet

Der Traum begann bereits während des Osmanischen Reichs im Jahr 1860: Mit Hilfe eines Tunnelbaus bei Istanbul sollten Asien und Europa unter dem Bosporus miteinander verbunden werden.

Seinerzeit verhalfen die so genannte Bagdad-Bahn und die Anatolische Eisenbahn der an Infrastruktur schwachenTürkei zu wirtschaftlichem Aufschwung um den Anschluss an Europa zu finden. Selbst die wohl situierten Passagiere des legendären Orient-Express mussten mit der Fähre vom europäischen zum asiatischen Teil Istanbuls übersetzen, wenn sie ihreReise Richtung Bagdad fortsetzen wollten.

Erste konkrete Pläne für einen Tunnel unter der Meerenge gab es bereits 1891. Damals beauftragte Abdülmecid II. französische, britische und amerikanische Ingenieure mit Studien. Doch der Kalif kapitulierte vor den technischen Herausforderungen und den immensen Kosten des Projekts. Das Osmanische Reich hatte beim Eisenbahnbau auf das technische Wissen und die Ausführung der Bahnprojekte auf Ingenieure aus Deutschland gesetzt. Bis heute sind einige Bahnstrecken erhalten und so erkennt man besonders an Bahnhöfen und Brücken in Zentralanatolienden deutschen Einfluss. Trotz umfassender Kenntnis vom Tunnelbau war es den Technikern der damaligen Zeit aber nicht möglich, das Bosporus-Tunnel-Projekt in die Tat umzusetzen. Damals dachten die Ingenieure über eine Art Röhrensystem nach, das auf Pfeilern tief unten im Wasser, aber doch über dem Meeresgrund verlaufen sollte.

Zum 90. Jahrestag der Gründung der Republik Türkei konnte dieser lang gehegte Traum jetzt endlich vollendet werden: Der Tunnel der "Marmaray-Schienenstrecke" wurde offiziell eröffnet. Jetzt verbindet die später insgesamt 76 Kilometer lange Strecke der Marmaray-Bahn beide Teile Istanbuls, die aufgrund des Tunnels nur noch wenige Minuten voneinander entfernt sind. Sehr zur Freude der stressgeplagten Pendler in der 17 Millionen MetropoleIstanbul. Die U-Bahn und der jetzt freigegebene Tunnel unter dem Marmara-Meer sollen die chronisch verstopften Istanbuler Straßen entlasten, auf denen rund drei Millionen Autos täglich unterwegs sind. Die beiden bestehenden Autobahnbrücken über den Bosporus werden jährlich von 140 Millionen Fahrzeugen überquert – das ist fast das Dreifache der ursprünglich anvisierten Kapazität. Eine dritte Brücke, die zur Zeit im Bau ist und im Jahr 2015 fertig sein soll, wird nur einen Teil dieses Verkehrs aufnehmen können. Auch eine Seilbahn zwischen Asien und Europa ist bis 2015 zusätzlich geplant. Dauert bisher die Fahrt auf einer der Bosporusfähren mindestens 20 Minuten, kommt man künftig in vier Minuten von einem Ufer zum anderen.

Eröffnet wurde das Kernstück der neuen Stadtverbindung: der rund 13,6 Kilometer langer Tunnel zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil Istanbuls inklusive einer 1,4 Kilometer langen und erdbebensicheren Doppelröhre aus Beton unter dem Marmara-Meer am Tag der Republik. Die technischen Herausforderungen des 2004 begonnenen Projektes waren enorm. Bis in eine Tiefe von etwa 50 Metern haben sich große Tunnelbohrmaschinen von beiden Seiten auf den Grund der Meerenge zu gefräst. Auf dem Grund wurden in 56 Metern Tiefe elf Tunnelelemente aus Beton und Stahl verankert. Der 9,8 Kilometer lange Tunnel verläuft nun teils unterirdisch, teils als in den Meeresboden eingespülte Röhre.

In den kommenden Jahren soll die „Marmaray“-Strecke in Europa und Asien um mehr als 60 Kilometer an ebenerdigen Gleisen ausgebaut werden. Dann, so sagt die Planung voraus, wird die Fahrt zwischen den Endhaltestellen Gebze auf der asiatischen Seite im Istanbuler Südosten nach Halkali im europäischen Westen der Stadt etwa eine Stunde und 45 Minuten dauern – rund die Hälfte der Zeit, mit der man derzeit rechnen muss. „Marmaray“ soll in das ebenfalls im Ausbau befindliche Metronetz von Istanbul integriert werden. Bis zum Jahr 2030 will die Stadt über knapp 800 Kilometer an Nahverkehrsschienen verfügen; derzeit sind es 124 Kilometer. Die im Zweiminutentakt verkehrenden Züge sollen bis zu 75 000 Menschen pro Stunde befördern. Das fast fünf Milliarden Dollar teure „Marmaray“-Projekt soll auch dem internationalen Reise- und Güterverkehr neue Impulse verleihen.

b_450_450_16777215_00_images_turkey_marmara_bosporus_tunnel_marmaray.jpgDie Konstrukteure versprechen, dass der Tunnel selbst schwersten Erdbeben standhalten werde - in nur 20 Kilometer Entfernung verläuft die Nordanatolische Verwerfungszone. Einige Erdbebenexperten haben folglich nicht unbegründete Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der unterirdischen Anlagen. Der Tunnel sei inIstanbul das sicherste Bauwerk überhaupt, verspricht Transportminister Binali Yildrim schon im Vorfeld. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan selbst steuerte schon im August während einer Testfahrt einen Zug durch den Tunnel. "Unsere Vorfahren haben an den Entwürfen gearbeitet. Die Verwirklichung aber wird nun uns zuteil", sagt er.

Staatspräsident Abdullah Gül, Regierungschef Tayyip Erdogan und fast das ganze Kabinett sind zur feierlichen Eröffnung des Tunnels am 90. Jahrestag der Gründung der türkischen Republik angereist. Aus Tokyo reiste Japans Ministerpräsident Shinzo Abe an – der Tunnel wurde von einem türkisch-japanischen Firmenkonsortium gebaut. Am 29. Oktober hat die Staatsspitze den Bahntunnel unter dem Marmara-Meer in Istanbul feierlich eröffnet. „Wir verbinden London und Peking“, schwärmte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kürzlich. Die in neunjähriger Bauzeit und teilweise mithilfe der Europäischen Investitionsbank (EIB) errichtete Bahnverbindung soll das Umsteigen überflüssig machen. „Es ist ein 150 Jahre alter Traum“, sagte Erdogan, der „Marmaray“ zusammen mit Präsident Abdullah Gül am 90. Gründungstag der türkischen Republik eingeweiht hat.

Einige Tunnelbauer und türkische Regierungsvertreter äußern sich, als hätten sie Asien und Europa erstmals verbunden. Das ist allerdings falsch: Schon jetzt kann man im Zug von London über Berlin und Moskau nach Peking fahren. Im Ural passiert die Transsibirische Eisenbahn die Grenze zwischen Europa und Asien. «Marmaray» ist somit eine mögliche Alternativstrecke.

Aber die Türkei denkt schon weiter. In einem zweiten Schritt wird der Bahntunnel auch für den Fernverkehr ausgebaut. «Mit dem Marmaray-Projekt sind Peking und London mit einem Schienenkorridor verbunden», hatte Süleyman Karaman, Chef der staatlichen türkischen Eisenbahngesellschaft TCDD, erklärt. Die Strecke soll auch Teilstück einer «eisernen Seidenstrasse» zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa werden.

b_450_450_16777215_00_images_turkey_marmara_bosporus_marmaray_tunnel.JPGDie Arbeiten hatten sich um Jahre verzögert, weil beim Bau eines unterirdischen Bahnhofs nahe der Istanbuler Altstadt am europäischen Ufer ein kompletter byzantinischer Hafen gefunden wurde – Archäologen arbeiteten zeitweise rund um die Uhr, um die reichen Funde zu sichern, darunter mehr als 30 Schiffe.

Wissenschaftler kritisieren außerdem, dass die Arbeiten an dem Tunnel unter dem Meeresboden der Unterwasserwelt desMarmara-Meeres schweren Schaden zugefügt haben. Die von Erdogan autoritär durchgedrückten Großprojekte sind immer wieder heftig umstritten. Bürger protestieren nicht nur weil für den Bau der dritten Bosporus-Brücke kostbarer Wald, der als Wasserspeicher der Stadt Istanbul galt, abgeholzt wird. Ein weiterer Groß-Flughafen ist auf der europäischen Seite geplant, mit dem Istanbul unter die wichtigsten Drehkreuze im weltweiten Luftverkehr aufrücken will. Zudem will Erdogan das Schwarze Meer und das Marmarameer mit einem Kanal verbinden. Für den Schiffsverkehr soll westlich von Istanbul eine Art zweiter Bosporus gegraben werden. Der Bau, den Erdogan selbst mit Stolz als "verrücktes Projekt" bezeichnet, soll zum 100. Geburtstag der Türkischen Republik 2023 fertig sein.

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Städteführer Istanbul MM-City / Michael Bussmann, Gabriele Tröger

İstan­bul ist eine der fas­zi­nie­rends­ten Me­tro­po­len der Welt. Eine Stadt auf zwei Kon­ti­nen­ten, eine Stadt die Ge­schich­te schrieb. Als Kon­stan­ti­no­pel war sie das Zen­trum zwei­er Welt­rei­che – mo­nu­men­ta­le Bau­ten wie die Hagia So­phia oder die Blaue Mo­sche er­in­nern daran. Heute zählt İstan­bul 13 bis 15 Mil­lio­nen Ein­woh­ner; kei­ner weiß das so genau …
Die Stadt ist der tür­ki­sche Schmelz­tie­gel an In­no­va­ti­on, mo­der­ner Le­bens­freu­de und ju­gend­li­cher Auf­müp­fig­keit. Am Bo­spo­rus boomt die Wirt­schaft, herrscht reger Han­del und Wan­del und wer­den die neu­es­ten Trends des Lan­des zwi­schen Ori­ent und Ok­zi­dent, zwi­schen Kom­merz und Koran vor­ge­ge­ben. Gleich­zei­tig pflegt man lie­be­voll sämt­li­che Kli­schees aus 1001 Nacht: mit il­lu­mi­nier­ten Kup­peln und Mi­na­ret­ten, ori­en­ta­li­schen Basa­ren und glit­zernd-ras­seln­den Bauch­tän­ze­rin­nen.

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