Motorradtour in den Orient 2010 / 3 - Ad Deir & Wadi Rum

Wadi Rum

Am Ende des Aufstieges wurden wir mit einem Blick auf die Fassade des Monuments Ad Deir (Dayer) (Deir =Kloster) überrascht.

Das Gebäude ist 48 Meter hoch und 47 Meter breit. Die Urne auf der Spitze misst 9 Meter. Geschaffen wurde das Monument vermutlich zwischen 40 vor Christus bis 70 nach Christus. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Hammerschläge erforderlich waren um dieses Gebäude aus dem Fels herauszuschälen.

Nach einer einstündigen Pause machten wir uns wieder an den „Abstieg“. Dort begegneten wir einigen „Faulen“, die sich von Eseln auf den Berg bringen ließen.

Wieder im Tal angekommen, gingen wir an dem Löwentempel, der Byzantinischen Kirche und der Königswand mit den Königsgräbern vorbei. Wir mussten immer wieder stehen bleiben und die Arbeit der damaligen Zeit bewundern. Richtung Ausgang kamen wir erneut an dem Schatzhaus vorbei. Auch stellten wir fest, dass sehr viele Besucher jetzt innerhalb der Felsenstadt anzutreffen waren. Also, wer Petra besuchen möchte, bitte früh aufstehen! Aufgrund der großen Hitze war der Rückweg schon beschwerlich. Gegen 14.00 Uhr, nach 6 Stunden, verließen wir diesen fantastischen Ort der Antike.

Im Hotel angekommen ließen wir es uns am Pool mit kühlen Getränken und einem Blick auf Petra gut gehen. Den Abend beschlossen wir mit einem typisch jordanischen Essen –Reis auf Huhn mit Cashew-Kernen, dazu zwei Bier und zum Abschluss einen Arak.

Mittwoch, der 26. Mai. Nach einem wieder sehr guten Frühstück fuhren wir um 8.30 Uhr Richtung Aqaba. Achim in Amman legte uns ans Herz, auf jeden Fall das Wadi Rum zu besuchen! Wir bereuten es nicht.

Das Wadi Rum gehört zu den großartigsten Wüstenlandschaften Jordaniens, ja des Nahen Ostens. Bei den Felsbauwerken handelt es sich um Verwerfungen von Sandsteinfelsen auf Granitsockeln, die bei der Bildung des ostafrikanischen Grabenbruchs (vor 30 Mio. Jahren) angehoben wurde. Die Einmaligkeit des Wadi Rum wird gerade durch die isoliert stehenden Felsmassive geprägt.

Der Boden des Wadis liegt ca. 1000 Meter hoch. T.E. Lawrence von Arabien, zu dessen 2. Heimat der Wadi Rum wurde, beschreibt es als“ eine Prozessionsstraße mit riesigen Felsbauwerken zu beiden Seiten.“

Die Frischwasserquellen zogen schon lange Menschen an, wie eine kaleolithische Siedlung aus der Zeit um 4500 vor Chr. beweist.

Zur Besichtigung des Wadi Rum nahmen wir uns am Eingang des Wadis einen Führer mit Jeep, der uns dann 3 Stunden durch den Wadi fuhr. Ein Erlebnis, an das wir immer noch denken.

Wieder am Eingang angekommen, konnten wir den Fels „Die sieben Säulen der Wahrheit“ bewundern.

Der Engländer T.E. Lawrence von Arabien schrieb in seinem Buch „Die sieben Säulen der Wahrheit“ seine Erlebnisse mit den Beduinentruppen des Großvaters des heutigen jordanischen König Abdullah II. im Ersten Weltkrieg nieder.

Es war zwischenzeitlich 12.00 Uhr und sehr heiß. Auf der Temperaturanzeige des Mopeds wurden 32 Grad angezeigt. Wir fuhren weiter Richtung Aqaba/Rotes Meer. Auf dem Weg dorthin wurden wir, wie bereits in Syrien und Jordanien, durch „Hubbel“ auf der Fahrbahn zum langsam fahren gezwungen. Teilweise wurden diese „Hubbel“ durch Verkehrszeichen angezeigt, aber an vielen Stellen auch nicht. Zu erkennen waren diese teilweise sehr schlecht. So sind wir dann doch das eine oder andere Mal so richtig abgehoben.

Auf dem Weg Richtung Aqaba wurde es immer heißer. Wir fuhren talwärts in die Stadt Aqaba am Roten Meer.

Unsere Hotelanlage befand sich ca. 15 km südlich von Aqaba. Wir fuhren also durch die Innenstadt, Richtung Saudiarabische Grenze, die ca. 5 km hinter unserer Hotelanlage lag.

Bis zur Saudiarabischen Grenze hatten wir von Thessaloniki 3.164 Km zurückgelegt.

Auf dem Weg zum Hotel fuhren wir an einem riesigen Werk vorbei. Das, was dort zu sehen war, trug nicht zu unserem Wohlbefinden bei. Bunte Ablagerungen am Strand und auf der Erde links und rechts der Fahrbahn. Umweltschützer würden hier mit Sicherheit nicht untätig bleiben. Aber andere Länder andere Ansichten.

Gegen 15.00 Uhr trafen wir in der Hotelanlage bei 45 Grad Celsius lt. Naviangabe ein. Wir konnten schnell unser Zimmer mit einer wohltuenden Klimaanlage beziehen. Geduscht, Badehose an und erst mal zum Pool. Auch hier schwitzten wir trotz des kühlen Wassers. Wir kamen uns vor wie in einer Sauna, bei dem einer mit dem Handtuch wedelt. Gegen Abend führte uns ein Spaziergang an den Strand des Roten Meeres mit Blick auf das gegenüberliegende Ägypten.

Eine Runde schwimmen, ein wenig den Sonnenuntergang beobachtet und zurück zum Hotel, Abend gegessen und anschließend zu Bett gegangen.

Aufgrund der wieder zu erwartenden Hitze fuhren wir gegen 8.00 Uhr am nächsten Tag weiter bzw. zurück Richtung Heimat. Wir fuhren an der Israelischen Grenze entlang bis zum Toten Meer. Auf dieser Strecke wurden wir unterwegs drei mal kontrolliert und mussten die Pässe vorzeigen. Auch wurden wir gefragt wo wir herkommen und wo wir hinfahren wollen.. Die Gegend war eigentlich zumindest südlich des Toten Meeres recht trostlos.

Vereinzelt konnten wir Kamele und Beduinen sehen. Unsere Route führte uns auch an Lots Höhle vorbei, in der er nach dem Tod seiner Frau gelebt haben soll. Die aus der Bibel bekannten Städte Sodom und Ghomorra sollen südlich des Toten Meeres gelegen haben.

Am Höhenmeter des Navis merkte ich, dass wir uns dem Toten Meer näherten. Die „Höhenangabe“ ging immer mehr zum Minus. Ebenso waren immer mehr Salzablagerungen zu sehen.

Uns fiel auch auf, dass das Militär auf unserem Weg entlang der Syrisch/Israelischen Grenze sehr präsent war. Das Fotografieren von Gebäuden war verboten.

Unser Hotel lag direkt mit Strand am Toten Meer. Bei schwülem und diesigem Wetter sind wir am Hotel eingetroffen. Wieder die gewohnten Sicherheitsvorkehrungen. Wow, das war wieder einmal ein Luxushotel, was uns Achim da gebucht hatte. Beim Einchecken gab es keine Probleme. Tolles Zimmer mit Minibar, freiem Internet, TV mit deutschen Sendern (ARD, ZDF, SAT 1 und RTL). Nach dem Auspacken verbrachten wir den Rest des Tages an einem der 5 Pools der Anlage. Petra wurde von einem Gast am Strand angesprochen, ob wir die Deutschen wären, die mit dem Motorrad hier wären. Er war aus Dietzenbach Kreis Offenbach/M. Selbstverständlich war Baden im Toten Meer angesagt. Am hoteleigenen Strand gingen wir dann ins Wasser, was heißt gingen, wir schwebten, so wie es überall erzählt und beschrieben wird. Viele Gäste rieben sich mit dem Schlamm des Toten Meeres ein, welchem ja nachweislich heilende Kräfte zugesprochen werden.

Das Tote Meer ist ein abflussloser rund 800 Km² großer Salzsee, der vom Jordan gespeist wird und für seinen hohen Salzgehalt von bis zu 33 %, im Durchschnitt 28 %, bekannt ist. (zum Vergleich der Salzgehalt des Mittelmeeres beträgt ca. 3 %). Es grenzt an Israel und Jordanien.

Die Wasseroberfläche wird häufig mit Werten um 396 m unter dem Meeresspiegel angegeben. Tatsächlich liegt dieser aber zu Zeit bei ca. 420m Tiefe.

Bei zunehmender Dunkelheit zogen wir uns um und inspizierten das Hotel. Das Essen war hervorragend. Auch war es wieder kein Problem, mein Lieblingsgetränk „Bier“ zu erhalten.

Der Strand war am Abend gesperrt. Dort hatte ein Scheich, natürlich in entsprechender Kleidung, offenbar zu einem Empfang eingeladen. Unter den Gästen befand sich jedoch keine Frau. Jordanien ist halt ein Islamisches Land.

In der Nacht traf es dann auch uns. „Montezumas Rache“. Wo das herkam? Vom Hotel in Aqaba, von hier, wir konnten es nicht sagen. Zum Glück hatten wir in unserer Reiseapotheke „Immodium“, was uns sehr hilfreich war. Solche Unannehmlichkeiten lassen sich natürlich nirgendwo vermeiden. Wir konnten jedoch damit umgehen, obwohl es ca. 10 Tage dauern sollte, bis wir „Beschwerdefrei“ waren. Nach dem Frühstück fuhren wir Richtung Amman. Die Stadt Jerusalem lag nur ca. 50 Km von unserm Hotel entfernt. Kurz hinter dem Hotel war der Hinweis „Baptism Site“ aufgeführt. Die Straße führte zu der Stelle, wo Johannes der Täufer Jesus im Jordan getauft hatte.

Wir fuhren weiter über Amman nach Damaskus. In Jordanien ist uns auch aufgefallen, dass es weder kleine Mopeds noch Motorräder gibt. Achim hat mir dazu erklärt, dass es ein Verbot des Königs für die Bevölkerung gibt, motorisierte Zweiräder zu fahren. Der Grund dafür, dass es zu gefährlich sei. Allerdings fährt der König selbst eine Harley. An der Jordanisch/Syrischen Grenze wieder die gleiche Prozedur wie bei der Einreise. Trotz der Unterstützung durch einen „Schlepper“, dem wir 10 Dollar zahlten, dauerte es noch1 ½ Stunden bis wir Jordanien verlassen konnten. Gegen 15.00 Uhr trafen wir im Hotel Sharahyar ein. Das Hotel hat seinen Namen vom König aus dem Buch „1001 Nacht". Die Zimmer hatten wir schon bei unserer Abreise gebucht. Nach dem Duschen setzten wir uns in den kühlen Innenhof und kamen dann mit ein paar jungen Syrern ins Gespräch.

Es war schon interessant die Ansichten junger Menschen in Syrien zu erfahren. Meine Frage was ihnen zu Deutschland einfällt, war Reichtum, Freiheit und Mercedes. Weiterhin sind sie auch der Ansicht, dass Europa, die Länder des Orients, wie auch Syrien und Jordanien, so einordnen, dass dort alle mit einem langen Bart rumlaufen und Terroristen wären. Diese Einschätzung war nicht so ganz von der Hand zu weisen. Dass diese Einschätzung jedoch nicht zutrifft, können wir aus eigner Anschauung und dem Erlebten bestätigen. Anschließend vertraten wir uns noch einmal die Füße und spazierten durch den Suc um noch mal den „Orient“ zu genießen. Wir setzten uns in ein Straßencafe hinter der Moschee und beobachteten die Menschen, die an uns vorüber gingen.

Am Abend gingen wir wieder in das Restaurant, an dem wir schon den ersten Abend in Damaskus gegessen hatten.

Gegen 19.00 Uhr waren noch nicht so viele Gäste im Lokal. Dies füllte sich erst gegen 21.00 Uhr. Man muss natürlich nicht erwähnen, dass wir wieder mal vorzüglich gegessen hatten.

Diese Nacht ging nur einmal die Alarmanlage meines Mopeds unter dem Zimmerfenster. Vom Chef des Hauses erhielten wir noch ein Holzkästchen mit Intarsien, welches Petra zu Hause als Schmuckkästchen verwendet.

Der nächste Tag brachte uns nach Palmyra. Wir kamen leider etwas später weg, weil unsere Wäsche, die wir am Vortag waschen ließen, noch nicht fertig war. Die Menschen haben halt Zeit.

Der Weg führte uns durch die Wüste, die teilweise trostlos, aber dann doch wieder interessant war.

Es gab viiieeel Gegend. Nach einigen Kilometern fuhren wir an einer Beschilderung vorbei, auf der der Hinweis „Irak 172 Kilometer“ und auch der Hinweis „nach Bagdad“ aufgeführt war.

Es stimmte uns nachdenklich, dass gar nicht so weit weg, ein furchtbarer Krieg tobte und wir hier mit dem Moped durch die Wüste fuhren.

Selbstverständlich machten wir am „Cafe Bagdad 66“ halt. Dies gehört einfach dazu, wenn man nach Palmyra auf dieser Strecke fährt.

Dieser Stein hat einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen, da man sah wie klein man doch als Mensch ist. Der Inhaber des Cafe Bagdad fragte mich, ob er einmal auf dem Motorrad sitzen darf.

Unterwegs musste ich noch mal tanken. Die Tankstelle sah nicht Vertrauen erweckend aus, es gab 3 Tanksäulen, welche war die Richtige? Es half kein Deutsch, kein Englisch und meine Arabischkenntnisse auch nicht. Zum Glück kam uns ein libanesische Paar zu Hilfe, die etwas deutsch und auch englisch sprachen. Ich habe getankt, aber ob dies das Richtige war? Das Moped hat es jedenfalls nicht übel genommen. Die Toilette die Petra besuchte, war allerdings auch nicht vom Feinsten, zum Glück trug sie keine Sandalen sondern ihre Mopedstiefel, den Rest verschweigen wir.

Die antike Oasenstadt Palmyra (arabisch Tadmur) so heißt auch heute die benachbarte Stadt, lag an einer wichtigen Karawanestraße in Syrien, auf halber Strecke von Damskus bis Resefa und weiter bis zum Euphrat. Mitten in der Wüste eingebettet in ein Felsmasiv, spenden zwei Quellen das lebenswichtige Wasser. Das Wort Tadmur ist aramäisch und heißt Palmenstadt. Die Stadt stand seit dem 1. Jahrhundert unter römischer Hoheit. Kaiser Caracalla erhob sie zur Kolonie. Das Christentum erreichte Palmyra und die Stadt wurde im 4. Jahrhundert Bischofssitz. Als Kirche diente der Baal Tempel. Doch die Zeit der Blüte war vorbei. Im Jahre 634 gelangte mit den Arabern der Islam nach Palmyra, 636 ging sie endgültig aus römischer Hand in jene der Moslems über.

Nach ca. einer Stunde Fahrt, fuhren wir dann in Palmyra ein. Wieder mal ein Wahnsinnsblick, der uns wirklich fast den Atem nahm. Mitten in der Wüste eine solche Sehenswürdigkeit.

Das Zimmer im Hotel Zenobia Cham Palace hatten wir bereits in Damaskus gebucht. Dieses Hotel liegt direkt an den Ruinen.

Das Hotel Zenobia war benannt nach Septima Zenobia. Sie war von 267/268 bis 272 n. Chr. die Herrscherin Palmyras und des römischen Orients. Sie war die zweite Gemahlin des Exarchen der Oasenstadt Palmyra.

Nach dem Bezug des Zimmers, erkundeten wir den Ruinenbereich. Zuerst nahmen wir uns den Baal-Tempel vor. Der Fußweg betrug ca. 15 Minuten. Dort wurden wir von einem Syrer angesprochen, der eine Besichtigungstour durch die Ruinen anbot. Dies nahmen wir gerne an, um nicht einfach so durch die Ruinen zu laufen, ohne die Geschichte zu erfahren. So führte er uns an diesem Tag innerhalb des Baal-Tempels und erklärte uns die Geschichte dieser Stätte. Er bot uns auch an, am nächsten Tag durch die Ruinen und das Tal der Gräber von Palmyra zu führen. Die 1 ½ Tage waren beeindruckend, wenn man auch berücksichtigt, zu welcher Zeit hier gebaut wurde und was auch heute noch dort erhalten ist. Eine Aufzählung ist wegen der Fülle der Informationen hier gar nicht möglich.

Motorradtour in den Orient 2010 Teil 1

Motorradtour in den Orient 2010 Teil 2

Motorradtour in den Orient 2010 Teil 4

Geschichte

Kultur

Leben | Outdoor