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Hamaxia - untergehende Stadt unmittelbar neben Alanya

Hamaxia bei Alanya

Es sind einige Jahre vergangen, seit wir das letzte Mal auf dem 400 Meter hohen Berg direkt im Anschluss an die neuen Straßentunnel bei Alanya waren, um die helenistische Ruinenstadt Hamaxia zu besichtigen, die nur gut eine halbe Stunde Fußweg und in Sichtweite vom Kleopatrastrand entfernt liegt.

Damals war es schwierig, zunächst überhaupt den Aufstieg durch den dichten Bewuchs hinauf zu den Ruinen zu finden. Und schon damals haben wir uns gewundert, warum man nicht mit nur wenig Aufwand von Seiten der Tourismusbehörden, zumindest einen Fußweg zur Ruinenstadt anlegt und auch das Busch- und Strauchwerk in den Ruinen von Hamaxia selbst beseitigt, das ungemein zur Zerstörung der Ruinenstadt beiträgt. Es könnte, zumindest für die an Kultur interessierten Besucher Alanyas, neben dem Roten Turm und der Burg von Alanya, ein neues Highlight sein.

So waren wir gespannt, nachdem doch auch von politischer Seite immer wieder behauptet wird, dass man sich mittlerweile auch um die kulturellen Hinterlassenschaften der vor seldschukischer Vergangenheit in der Türkei kümmern würde, was uns heute erwarten wird. Zu genau ist uns noch gegenwärtig, mit welcher Hartnäckigkeit die Rückgabe bestimmter Artefakte von Europa, den USA und Russland in den vergangenen Jahren gefordert wurden und welch drakonische Maßnahmen (Entzug von Grabungsgenehmigungen, Auflagen zur Wege- und Flächengestaltung an Ausgrabungsstätten, Herrichtung von Umzäunungen, usw.) angedroht wurden, sollten die Rückforderungen nicht erfüllt werden.

Seinerzeit forderte der türkische Kulturminister Ömer Çelik fünf antike Schätze aus Berlin zurück und erhob schwere Vorwürfe gegen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie gegen deutsche Archäologen. Im Spiegel-Interview hatte der Kulturminister Çelik die Rückgabe diverser Artefakte aus Berlin gefordert, da diese nach seiner Auffassung illegal aus der Türkei ausgeführt worden seien: den Torso des „Fischers von Aphrodisias“ aus dem Alten Museum, den Sarkophag des Haci-Ibrahim-Veli-Grabmals aus dem Museum für Islamische Kunst, eine Gebetsnische aus dem 13. Jahrhundert sowie einen Fensterflügel aus der Beyhekim-Moschee und die Iznik-Kacheln aus der Piyale-Pasha-Moschee.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erwiderte darauf hin, dass der "Fischer" legal durch Ankauf in Berlin sei. Das andere Streitobjekt: die Gebetsnische aus der Beyhekim-Moschee in Konya aus dem 13. Jahrhundert: auch hier sagte Berlin, sie sei legal von der Türkei erworben. Die "Sphinx von Hattuscha" aus dem Museum für Vorderasiatische Kunst wurde 2011 seitens der türkischen Regierung zurückgefordert. Schon seiner Zeit wurde mit dem Entzug von Grabungslizenzen an deutsche Archäologen gedroht. Im Juli 2011 trat die Sphinx ihre Heimreise an und ist nun mit ihrer bereits 1924 in die Türkei zurückgekehrten Schwester im Istanbuler Archäologischen Museum vereint, einer zweiten Sphinx vom gleichnamigen Tor der Stadt Hattuscha.

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Herrmann Parzinger, hatte schon im Dezember 2012 verständnislos auf das Verhalten der türkischen Seite reagiert. Er ärgert sich über versprochene und dann doch nicht freigegebene Leihgaben, über Rückgabeforderungen von antiken Schätzen aus Berlin und über die mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der Türkei bei archäologischen Ausgrabungen.

Eine Grabungsstätte, an der deutsche Archäologen forschen, besteht seit Jahrzehnten in Milet. Der türkische Kultusminister Ömer Çelik sagte gegenüber dem "Spiegel" auch, dass hier seit 114 Jahren "gegraben und gearbeitet wird, doch ist bis heute nicht einmal für den Wasserabfluss gesorgt wird. Entsprechend stünden Teile eines Weltkulturerbes unter Wasser".

Hätte man in Kenntnis dieses Zustands in Milet von türkischer Seite nicht längst reagieren können, so war seiner Zeit umgehend unsere Frage, selbst für die Entwässerung sorgen können? Warum macht man die Archäologen allein verantwortlich?

Das Markttor von Milet aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. wurde, mit Genehmigung der türkischen Behörden, Anfang des 20. Jahrhunderts nach Berlin überführt. Neben dem Pergamonaltar ist es eine der Hauptattraktionen des Pergamonmuseums auf der Museumsinsel. Zuletzt wurde das Tor 2007/2008 restauriert.

Bei den drei anderen Objekten – dem Torso, dem Sarkophag und der Gebetsnische – hatte Hermann Parzinger bereits im Dezember jeden Anspruch zurückgewiesen. Sie seien legal nach Deutschland gekommen, teilte er damals ebenfalls dem „Spiegel“ mit. Gleichzeitig hatte er zur Verweigerung von Grabungslizenzen für deutsche und französische Archäologen und zur geringen Kooperationsbereitschaft des türkischen Staats gesagt: „Wie sich die Türkeijetzt verhält, kommt mir manchmal fast schon chauvinistisch vor.“ Çelik forderte umgehend eine Entschuldigung für diesen Satz.

Viele Deutsche in der Türkei würden die Standards nicht einhalten und die Stätten als „wüste Landschaft“ zurücklassen. Als Beispiele nennt er Göbekli Tepe in Südostanatolien – wo im Jahr 2000 eine 11500 Jahre alte Statue gestohlen wurde, angeblich wegen mangelhafter deutscher Sicherheitsmaßnahmen.

Warum kümmert sich der türkische Staat nicht um fehlende oder mangelhafte Sicherheitsmaßnahmen, wenn man doch weiß, wie von Seiten zumindest eines Teils der Bevölkerung über Grabungsmaßnahmen und die Entnahme von Kulturgut gedacht und gehandelt wird?

Einen Zusammenhang zwischen nur zögerlich erteilten oder verweigerten Grabungslizenzen und abgelehnten Rückgabeforderungen stritt der türkische Kulturminister hingegen ab. „Wir haben die Genehmigungen entzogen, weil die Standards nicht eingehalten wurden.,“ so die Aussage. Andere Gründe gebe es nicht. Parzinger, der vor seinem Amtsantritt bei der Stiftung 2008 Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts war, hatte dazu schon im Dezember erklärt, die Türkei könne umgekehrt einmal anerkennen, „was ausländische Archäologen für den Erhalt des kulturellen Erbes aller Menschen und damit indirekt auch für die enorme Entwicklung des Tourismus in der Türkei geleistet haben“.

Dabei wäre es so einfach, besonders auf dem Gebiet historischen Kulturguts miteinander zu kooperieren. Es gibt hunderte von Beispielen, wo Kulturgut Schauplatz und Kulisse von Veranstaltungen im Bereich Theater und Musik geworden ist, so dass es auf diese Art und Weise erhalten bleibt. Ja, selbst neue Gewerbe sind auf dieser Basis entstanden und tragen durch Öffentlichkeitsarbeit und Events zum Erhalt des kulturellen Erbes bei. Gleichgültig ob Römer- oder Mittelalterfest, Ritterspiele oder Legionsfestivals.

Nach Erreichen der uns vom ersten Besuch bekannten dörflichen Umgebung am Fuße des Bergs, kam schon die erste Überraschung. Ein breites verschlossenes Hoftor versperrte den Aufstieg nach Hamaxia. Auf unsere Frage nach dem Zugang verwies man uns auf einen schmalen Weg entlang einer neu errichteten Steinmauer nebst Zaun, die ein jetzt erschlossenes Grundstück umgaben.

Zunächst allerdings waren wir an der uralten Zisterne interessiert, die am Dorfende und teilweise geöffnet, bei unserem letzten Besuch mit herrlich klarem, bläulich schimmerndem Wasser gefüllt war. Etwa 6 auf 2,5 Meter groß, waren selbst die tragenden Säulen der Steinplatten der Dachkonstruktion als Kapitel ausgebildet. Welch ein Reichtum musste einst auch hier in Hamaxia geherrscht haben. Vielleicht haben Sie, werte Leser, schon vom Versunkenen Palast in Istanbul (Basilika Zisterne) gehört, einer riesigen Wasserzisterne aus griechisch-römischer Zeit, die heute zu den touristischen Highlights Istanbuls zählt. Und wie deprimierend war jetzt der Anblick dieser kleinen Zisterne, die ohne Wasser, verdreckt und mit viel Unrat fast zugeschüttet vor uns lag. Was wird uns weiterhin erwarten?

Zunächst entlang des Zauns machten wir uns an den Aufstieg. Schon von weitem sind die Reste der Stadtmauer zu erkennen und erste Ruinen von Gebäuden, die außerhalb der Stadtmauern lagen. Hin und wieder traf man auf Gruben, die eindeutig Grabungsräubern zuzuordnen waren. Der Aufstieg wurde immer beschwerlicher, denn selbst Ziegenpfade gab es nicht mehr, so dicht war der Bewuchs durch das Unterholz. Es war wirklich kräfteraubend und heftig, durch Dornengestrüpp und Buschwerk seinen Weg zu finden. Die uns noch gut vor Augen befindliche Hauptgasse von Hamaxia mit ihren sich aufreihenden Gebäuden links und rechts konnten wir hingegen nicht mehr wieder finden. Entweder waren Wände und Giebel hinein gestürzt, so dass man den Hauptweg nicht mehr erkennen konnten, oder wir haben ihn schlichtweg nicht mehr gefunden. Trotz all des Bewuchses, der auch vor den Mauern keinen Halt machte, waren etliche Giebel und Gebäudeteile noch erhalten. Wie lange noch?

Nach etwa 2 Stunden des Kletterns durch Gestrüpp und vielen kleinen Blessuren und Kratzern versehen, machten wir uns an den Abstieg. Bloß nicht zurück durch das Stadtgebiet, sondern außen herum, entlang der Mauer.

Welch ein grandioser Ausblick ergab sich von hier auf Alanya und seinen herrlichen Kleopatra Strand. Und wie einfach könnte man Hamaxia als weitere Attraktion für Kulturtouristen erschließen, wenn man zunächst nur einen Wanderweg hinauf zur Stadtmauer von Hamaxia unter Verwendung der vorhandenen Ziegenpfade anlegen würde. Dann Busch- und Strauchwerk aus den Ruinen entfernen und somit ein weiteres touristische Ziel für kulturinteressierte Reisende schaffen.

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