Clemens Holzmeister - Architektur und Migration

Clemens Holzmeister - TBMM

Unsere Artikel zum Buch des Goethe Instituts " Das Werden einer Hauptstadt – Spuren deutschsprachiger Architekten" sowie Texte zur türkischen Architekturgeschichte hatte letztendlich zum Kennen lernen und zum Treffen mit der Architektentochter Barbara Mohapp in Wien geführt.

Sichtlich erfreut war Frau Mohapp über das Mitbringsel eben dieses Buches, das wir dankenswerterweise im Auftrag des Goethe-Instituts überreichen konnten. Natürlich waren wir sehr gespannt auf weitere Details zum Leben Clemens Holzmeisters, der vor allem in der Türkei sehr bekannt und nach wie vor als Baumeister hoch geschätzt ist.

Schon mit Beginn seines Lebens spielte das Thema Migration eine fast so entscheidende Rolle wie auch die Architektur später prägend war: Clemens Holzmeister kam am 27. März 1886 in Fulpmes in Tirol als brasilianischer Staatsbürger zur Welt. Hierfür verantwortlich ist der Großvater Clemens Holzmeisters, der aus einer Hammerschmiedfamilie stammend, nach Brasilien auswandern wollte. Er verstarb allerdings bereits während der Überfahrt an Cholera, hinterließ Frau und sieben Kinder, die den Weg nach Südamerika allein fortsetzten. Der älteste Sohn dieser allein stehenden Frau war der spätere Vater von Clemens Holzmeister, der sich durch den Anbau von Kaffee in Brasilien selbstständig gemacht hatte und später eine eigene Familie gründete.

Das Schicksal meinte es, wie so oft in Migrationsfamilien der damaligen Zeit, nicht gut. Sieben seiner Kinder verstarben, auch klimatisch bedingt, an Malaria. Holzmeister senior kehrte nach Tirol zurück, bekam dort vier weitere Kinder und heiratete, nachdem seine erste Frau verstorben war, ein zweites Mal. Diese Ehe führte zu vier weiteren Kindern, heute eine unvorstellbare Anzahl von Kindern, von denen das zweitälteste Kind Clemens Holzmeister war. Nach dem Besuch der Realschule in Innsbruck führten innige Freundschaft und Gespräche mit einem Freund aus München zu der Erkenntnis, das die Architektur und Baukunst wohl zu seinem Beruf werden könnte. Clemens Holzmeister siedelte nach Wien um, wo er an der Technischen Hochschule Architektur studieren wollte.

Im Jahr 1913 heirateten Judith Bridarolli und Clemens Holzmeister in Innsbruck und schon ein Jahr später wurde der erste Sohn Guido dieser jungen Familie in Wien geboren. Judith Bridarolli war bis zur Hochzeit eine enge Freundin des berühmten Bergsteigers Luis Trenker, der auch mit Clemens Holzmeister gut bekannt war. Trotz dieses "Ausbootens" blieben Trenker und Holzmeister ihr Leben lang freundschaftlich eng verbunden. Ein Jahr später, im Jahr 1920, wurde Tochter Judith in Innsbruck geboren.

Sein Architekturstudium in Wien konnte Clemens Holzmeister im Jahr 1919 gar als "Doktor der technischen Wissenschaften" erfolgreich beenden und trat unmittelbar danach als Lehrer in die Staatsgewerbeschule Innsbruck ein. Zwischenzeitlich leitete er neben der Tätigkeit als Lehrer noch den Installationsbetrieb seines Schwiegervaters Dominikus Bridarolli, der heute von dessen Urenkeln Norbert Engele und Thomas Engele geführt wird. Erste Arbeiten im Bereich der Architektur machten seinen Namen bekannt.

Seinen Durchbruch als Architekt durfte Clemens Holzmeister mit der Fertigstellung des nach seinen Entwürfen errichteten Krematoriums neben dem Wiener Zentralfriedhof, auch unter dem Namen Feuerhalle Simmering bekannt, erleben. In der Folge erhielt Holzmeister das Angebot zur Übernahme einer Professur an der Wiener Akademie der bildenden Künste, die er von 1924 bis 1938 inne hatte. Daneben war Clemens Holzmeister von 1928 bis 1933 auch Leiter eines Meisterateliers an der Düsseldorfer Kunstakademie. Von 1932 bis 1938 war er Präsident der Zentralvereinigung der Architekten und des Neuen Österreichischen Werkbundes.

Bereits 1927 erfolgte die erste Berufung Clemens Holzmeisters durch Vermittlung vom Mehmet Hamdi Bey nach Ankara, wo er den Auftrag zum Bau des türkischen Kriegsministeriums erhielt. Ab diesem Zeitraum seiner Tätigkeiten in der Türkei wurde er hoch geehrt und baute in der Folge auch eine palastartige Villa als neuen Wohnsitz Atatürks, den Sitz des Staatspräsidenten. 1939 erfolgte die Trennung von seiner ersten Frau Judith. Wenig später erfolgte im türkischen Exil die Hochzeit mit Gunda Lexer, die ihm seine Tochter Barbara in Athen gebar. Im Jahre 1939 verbrachte Clemens Holzmeister erneut sechs Monate in Brasilien, um Aufträge abzuwickeln, bevor er nochmals nach Tirol zurückkehrte.

Übersiedlung nach Istanbul-Tarabya in die Türkei

Durch die unaufhaltsam erscheinende Ausdehnung des nationalsozialistischen Einflusses auf Österreich wurde Clemens Holzmeister wegen seiner zu modernen Architekturauffassung 1938 aus der Wiener Akademie der bildenden Künste entlassen. Er emigrierte daraufhin endgültig in die Türkei nach Istanbul-Tarabya und begann 1940 an der Technischen Universität Istanbul seine Lehrtätigkeit als Dozent. In den folgenden Jahren pendelte Holzmeister zwischen den Ländern Brasilien, Türkei und Österreich hin und her, wo er seine Aufträge realisierte. Seine weitere Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule in Istanbul überdauerte auch den Zweiten Weltkrieg bis 1949. Allerdings übersiedelte Clemens Holzmeister bereits 1947 nach Ankara und begann, zwischen Wien und Ankara zu pendeln.

Obwohl Clemens Holzmeister nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs offiziell rehabilitiert wurde, kehrte er erst 1954 endgültig nach Österreich zurück, wo er bereits 1953 den Großen Österreichischen Staatspreis erhalten hatte. Von 1955 bis 1957 war er Rektor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1957 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und den Preis der Stadt Wien für Architektur. 1963 wurde er Ehrendoktor der Technischen Hochschule in Istanbul. Zu seinem 85. Geburtstag machte er eine Studienreise in die Türkei.

Clemens Holzmeister war ein bedeutender Schöpfer von Monumental- und Sakralbauwerken. Er entwickelte eine Neuinterpretation lokaler Bautraditionen zwischen Einfachheit und Expressivität. Clemens Holzmeister verstarb am 12. Juni 1983 und ist auf dem Petersfriedhof in Salzburg begraben.

Österreich

Sakralbauten

    Pfarrkirche zum Hl. Johannes dem Täufer, Batschuns (1921–1923) (Zwischenwasser)
    Kloster Maria Hilf mit Exerzitienhaus der Missionare vom Kostbaren Blut in Kufstein (1923, 1928)
    Erweiterungen der Pfarrkirche Obergurgl in der Gemeinde Sölden (1924, 1966)
    Pfarrkirche Mariahilf (Heldendankkirche) in Bregenz (1925–1931), Vorarlberg
    Pfarrkirche Krim in Wien-Döbling (1931/32)
    Umbau und Erweiterung der Pfarrkirche Dornbach in Wien-Hernals (1931/32)
    Umbau und Erweiterung der Pfarrkirche St. Anton am Arlberg (1932)
    Filialkirche Erlöserkirche in Wiener Neustadt; Umbau einer Fabrikshalle zur Kirche (1932)
    Christkönigskirche der Pfarre Neufünfhaus in Wien (1932)
    Pfarrkirche St. Erhard, Mauer (Wien) (1934–36)
    Filialkirche in Hollenstein bei Ziersdorf (1936)
    Evangelische Christuskirche in Kitzbühel (1962)
    Grabstätte der Familie Krösbacher in Innsbruck, Friedhof Wilten
    Pfarrkirche Allerheiligen-St. Georg, Hötting, Innsbruck (vollendet 1964)
    Pfarrkirche Pertisau, Tirol (1966–1970)
    Pfarrkirche Don Bosco (Großfeldsiedlung) in Wien-Floridsdorf (1971 errichtet)
    Schutzengel-Kapelle auf der Schlickeralm im Gemeindegebiet von Telfes
    Pfarrkirche Erpfendorf, Tirol
    Pfarrkirche Bruckhäusl bei Wörgl, Tirol
    Christkönigskirche in Gloggnitz
    Aufbahrungshalle Grafenstein (Kärnten) (1965)
    Pfarrkirche St. Stephan in Gmünd (Niederösterreich), 1981-1982 Erweiterung
    Pfarrkirche in Zwölfaxing (1966–1967)
    Filialkirche Holzhausen, Gemeinde Sankt Georgen bei Salzburg, 1985 Erweiterung

Profanbauten

    Volksschule in Marbach an der Donau (Erstlingswerk)
    Feuerhalle Simmering in Wien (1921–22)
    Sanatorium Mehrerau in Bregenz (1922–1923)
    Hotel Steinbock in Steinach am Brenner (1923 erbaut; 1986 abgerissen)
    Gemeindebau Blathof in Wien (1924–1925)
    Hotel Post in St. Anton am Arlberg (1927/28)
    Kardinal Piffl-Studentenheim der Akademikerhilfe in Wien (1931/32)
    Kurhaus in Bad Ischl (1932)
    2 Häuser in der Werkbundsiedlung Wien (1932)
    Mahnmal am Fuschertörl, Großglockner-Hochalpenstraße (1933)
    Funkhaus Argentinierstraße in Wien (1935–39)
    Festspielhaus in Salzburg (1. Umbau 1926; 2. Umbau 1936/38), siehe Kleines Festspielhaus
    Landestheater in Linz (1953–1958)
    Großes Festspielhaus in Salzburg (1955–1960)
    Schülerheim Don Bosco in Fulpmes
    Leopold-Figl-Warte am Tulbingerkogel Niederösterreich (1966–67; Eröffnung 1968)
    Volksschule Grafenstein (Kärnten) (1969/71)
    Volksschule Jenbach, Tirol
    Kulturhalle an der Volksschule Himmelberg, Kärnten (1978/80)
    Andreas-Hofer-Denkmal in Wien-Wieden am Südtiroler Platz (Entwurf; ausgeführt von Jakob Adlhart)

Deutschland

Sakralbauten

    Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt, Maria Grün, Hamburg-Blankenese, 1929–30
    Hedwigskathedrale, Berlin, expressionistischer Umbau des Innenraums zur Bischofskirche, kriegszerstört
    Pfarrkirche St. Peter, Mönchengladbach-Waldhausen, 1933
    Kirche St. Adalbert, Berlin-Mitte, 1933
    Pfarrkirche St. Agatha, Merchingen
    Kath. Pfarrkirche St. Martin, Nürnberg, Stadtteil Gärten hinter der Veste, 1934-1935,
    Wiederaufbau nach einem Plan von Rolf Behringer 1946-1948 [4][5]
    Christkönigskirche in Kleve am Niederrhein (1934), 1944 kriegszerstört
    St. Maria-Magdalena, Brotdorf
    Franziskanerkloster, Hermeskeil
    Umbau in der romanischen Kirche St. Georg (Köln)
    Pfarrkirche „Zu den heiligen 12 Aposteln“ in Augsburg-Hochzoll, 1964–66

Profanbauten

    Schlageter-National-Denkmal, Düsseldorf-Golzheim, 1931

Südtirol (Italien)

    Hotel Drei Zinnen, Sexten, 1929–1931
    Hotel Adler, St. Ulrich in Gröden, 1926
    Villa Dr. Runggaldier, St. Ulrich in Gröden, 1926
    Villa Pretz, Bozen, 1930
    Umbau und Erweiterung der Pfarrkirche St.Vigil, Untermais, Meran

Türkei (Ankara)

    Das Gebäude der Großen Nationalversammlung der Türkei in Ankara
    Verteidigungsministerium, 1927–30
    Militärakademie, 1930–35
    Stadtvilla Atatürk, 1931–32
    Zentralbank (Merkez Bankası), 1931–33
    „Denkmal des Vertrauens“ in Kızılay – Ankara
    Emlak-Bank, 1933–34
    Oberster Gerichtshof, 1933–34
    Österreichische Gesandtschaft, 1933–34
    Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium, 1933–35
    Innenministerium, 1932–34
    Parlamentsgebäude, 1938–63

Deutschland

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