Holzschnitzarbeiten – Begegnung mit Holzkunst in Garnbach

Holzschnitzarbeiten – Begegnung mit Holzkunst in Garnbach

Wir waren von Roßleben-Wiehe unterwegs in das kleine Straßendorf Garnbach im Kyffhäuserkreis in Thüringen, das trotz seiner lediglich etwa 200 Einwohnern einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, denn, so hatte man uns berichtet, dies sei eine regionale Hochburg der Holzschnitzkunst.

Nun kann sich wohl ein jeder inErinnerung an seine Jugend bereits ein erstes Bild zum Thema Holzschnitzkunst machen, denn zum Schnitzen bedarf es kurzfaseriger, homogene Holzsorten, die zahlreich im Thüringer Wald zur Verfügung stehen. Da gibt es das allseits beliebte, relativ weiche Schnitzholz der Linde, mit dem sich detailreiche, feine Schnitzereien fertigen lassen. Das weiche Grünholz von Laubbäumen wie Haselnuss, Birke, Erle, Esche, Pappel, Linde oder Weide ist sogar so weich, dass es auch von Kindern leicht verarbeitet werden kann. Also auch ein Material auch für semiprofessionelle Schnitzer. Das dagegen harte Buchsbaumholz, bereits wesentlich härter und anspruchsvoller, wird ebenfalls oft für detailreiche Schnitzereien genutzt. Beim Schnitzen wird außerdem das helle Ahornholz recht häufig verwendet. Zirbelholz ist weich, allerdings besitzt es viele Äste und dunkelt mit der Zeit nach. Dafür verbreitet das Zirbelholz einen angenehmen Duft, den viele, in Skulpturen verwandelt, später im Wohnraum sehr mögen.

Schnitzen mit dem Messer – nicht für Jungen allein

b_450_450_16777215_00_images_kultur_kunst_handwerk_kettensaegekunst-1.jpgBereits bei den ganz Kleinen beginnt das Schnitzen, denn wer erinnert sich nicht noch an sein erstes Schnitzmesser und die warnenden Worte der Mutter, doch bitte die nötige Vorsicht walten zu lassen. Später dann erfolgt die Unterweisung im Werkunterricht, wobei schon zahlreiche Werkzeuge zum Einsatz kommen, seien es Stechbeitel, Hohleisen oder gar Sägen. Und es entstehen so erste kleine Kunstwerke.

Mit Fortschreiten der Technik, insbesondere was das Handling der Werkzeuge angeht, erhielt aber auch die Kettensäge ein neues Aufgabenfeld: die Kettensägekunst oder auch Kettensägeschnitzkunst.

b_450_450_16777215_00_images_kultur_kunst_handwerk_kettensaegekunst-2.jpgNun gut, mag der eine oder andere denken, Holz mit der Kettensäge zu bearbeiten sei doch im Wort Sinn keine Kunst. Das kann ja jeder. Weit gefehlt, wie die später am Wegrand stehenden Beispiele moderner Holzkunst zeigen sollte.

Übrigens: Schnitzer, die mit der Motorsäge arbeiten, greifen gerne auch zum braunen Ulmenholz, das ein schönes Holzbild besitzt. Weitere Schnitzhölzer sind Pappel-, Birken-, Eichen-, Weymouthkiefer- und Arvenholz sowie verschiedene Obsthölzer. Viele Hölzer benötigen eine lange Trockenzeit, um die Reißneigung so gering wie möglich zu halten.

Seit den 50er Jahren versuchen sich die Kettensägenkünstler

b_450_450_16777215_00_images_kultur_kunst_handwerk_kettensaegekunst-3.jpgDie ältesten Aufzeichnungen von Kettensägenkünstlern stammen aus den 1950er Jahren, darunter die Künstler Ray Murphy und Ken Kaiser. 1952 benutzte Ray Murphy die Kettensäge seines Vaters, um seinen Namen in ein Stück Holz zu schnitzen. 1961 schuf Ken Kaiser 50 Schnitzereien für die Bäume des Geheimnisses . Viele neue Künstler begannen mit dem Schnitzen von Kettensägen zu experimentieren, darunter Brenda Hubbard, Judy McVay , Don Colp , Cherie Currie (ehemalige Sängerin von den Runaways), Susan Miller , Mike McVay und Lois Hollingsworth.

Zu dieser Zeit begannen Kettensägenschnitzer, ihre Schnitzereien auf der Rückseite ihrer Lastwagen zu laden und fungierten als reisende Galerien. In den 1980er Jahren begann die Kunstform wirklich zu wachsen, als Art Moe bei den Holzfäller-Weltmeisterschaften in Hayward, Wisconsin, viel Aufmerksamkeit für das Handwerk erlangte. Diese Veranstaltung wurde national im TV ausgestrahlt. Die Hinzufügung von Schnitzwettbewerben von der Westküste zur Ostküste brachte Schnitzer zusammen, um ihre Fähigkeiten zu testen und voneinander zu lernen. Die ersten Chainsaw Carving-Weltmeisterschaften fanden 1987 statt und wurden von dem damals 24-jährigen Barre Pinske gewonnen.

b_450_450_16777215_00_images_kultur_kunst_handwerk_kettensaegekunst-4.jpgObwohl der allgemeine Eindruck des Publikums ist, dass es sich größtenteils um Performancekunst handelt (aufgrund des Lärms, des Sägemehls und der sehr schnellen Schnitzergebnisse), gibt es einige Kettensägenschnitzer, die jetzt atemberaubende Kunstwerke herstellen, auch in Deutschland. Diese Arbeiten können in einem Bruchteil der Zeit hergestellt werden, die normalerweise zu erwarten wäre, wenn nur herkömmliche Werkzeuge wie Holzhammer und Furchen verwendet würden. Obwohl viele Schnitzer neben der Kettensäge weiterhin andere Werkzeuge verwenden, bleibt die Kettensäge das Hauptwerkzeug um zumindest die Umrisse grob vorzuarbeiten.

Wie unterschiedlich dabei die Ergebnisse sind, zeigt die Aufreihung zeitgenössischer Kettensägeschnitzereien am Wegrand mehr als eindeutig.

Bitte lesen Sie auch:

Eine Amsel versucht sich am Meisen Knödel
Der Ohridsee und seine unterirdischen Quellen