Die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven

Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven

Zunächst schon fast wieder vergessen und dann doch in die Erinnerung der Ereignisse auf oder an unseren Routen zurück gekehrt: die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven.

Das monumentales Denkmal der Stahlbaukunst ist weit über die Stadtgrenzen Wilhelmshavens hinaus als ein Wahrzeichen der Stadt bekannt und stellt auch eine der Attraktionen für Urlauber und Besucher Wilhelmshavens dar, zumal die 1907 gefertigte Brücke als Nationales Denkmal anerkannt worden ist.

Die KW-Brücke, wie sie im Volksmund genannt wird, führt über den Großen Hafen und verbindet die Südstadt mit dem Südstrand und der „Maritimen Meile“ mit zahlreichen Museen und Erlebniswelten. Mit einer Spannweite von 159 m und einer lichten Höhe von 9 m war sie bei ihrer Entstehung die größte Drehbrücke Europas – sie ist es auch heute wieder, da eine vergleichbare Brücke 1944 demontiert wurde. Die Kaiser-Wilhelm-Brücke hat eine Breite von 8 Meter und wiegt 440 Tonnen. Die Durchfahrtshöhe beträgt 9,00 m + 1,10 m bei mittlerem Hafenwasserstand, die Durchfahrtsbreite beträgt 58,60 m. Die beiden Stützen sind etwa 20,4 m hoch. Ursprünglich hatten die Fahrbahnen der Brücke einen Eichenholzbelag, auf dem seit 1913 Gleise für die Straßenbahnlinie 2 zum Südstrand verlegt waren. 1975 wurde die Brücke unter Denkmalschutz gestellt.

Heute ist auf der Brücke der Straßenverkehr jeweils nur in einer Richtung möglich. Die Regelung erfolgt durch moderne Ampelanlagen. Fußgänger und Radfahrer sind von dieser Verkehrsregelung ausgenommen. Sie haben bei geschlossener Brücke immer eine Überquerungsmöglichkeit. Vor dem Ausschwenken wird die Brücke durch Lichtsignale und Schranken für den gesamten Verkehr gesperrt.

Die KW-Brücke wurde von 1905 bis 1907 für 1,625 Millionen Goldmark erbaut und am 4. September 1907 in Betrieb genommen. Der Bau der Brücke wurde erforderlich, als im dritten Hafenbauabschnitt (1900 bis 1910) über die neuen Hafenbassins an der Schnittstelle zwischen Verbindungshafen und Großem Hafen eine Überbrückung hergestellt werden musste. Gebaut wurde die Brücke in der Brückenbauanstalt der Fa. MAN in Gustavsburg bei Mainz, der technische Konstrukteur war Anton Rieppel.

Im November 1905 war Baubeginn mit der Gründung und den Betonarbeiten für den Unterbau. Ab November 1906 wurde die Stahlfachwerkkonstruktion bei der Brückenbauanstalt in Gustavsburg montiert. Die vorgefertigten Bauteile wurden auf dem Wasserweg zur Endmontage nach Wilhelmshaven transportiert. Die Bauleitung hatte Marine-Oberbaurat Ernst Troschel vom Hafenbauressort der Kaiserlichen Werft.

Die Kaiser-Wilhelm-Brücke ist funktional eine Doppeldrehbrücke und gehört statisch als Zügelgurtbrücke zur "Familie" der Hängebrücken. Sie besteht aus zwei selbständig drehbaren gleicharmigen Brückenteilen. Von den zwei stählernen, genieteten Fachwerkpylonen schwingen die Zügelgurte ab und tragen über vertikale Aufhängungen die beidseitig auskragenden Fahrbahnen. Die Drehpylone werden mit Zahnrädern aus der schrägen Querfuge in die Brückenmitte gedreht.

Im Jahr 1998 wurde die Drehmechanik des nördlichen Brückenteils durch einen Schlepper-Unfall bei der Kollision mit einer Fregatte beschädigt und musste teilweise überholt werden. Im Jahr 2003 kam es zu einem erneuten Unfall. Ein Frachter rammte die Brücke und beschädigte diese leicht.

Aus Anlass ihres Jubiläums zum 100-jährigen Bestehen hat die größte Drehbrücke Europas im Jahr 2007 wieder zwei Portalleuchten erhalten, die nach historischen Vorlagen rekonstruiert wurden. Aus diesem Anlass machte die Stadt Wilhelmshaven die Kaiser-Wilhelm-Brücke zum Motto ihres größten Hafenfestes, dem Wochenende an der Jade und organisierte am ersten Septemberwochenende ein historisches Brückenfest. Zudem erschien am 9. August 2007 eine 1,45-Euro-Sondermarke mit einer Abbildung der Brücke.

Seit dem 23. September 2010 erfolgte die bereits lange geplante Sanierung der Brücke. Für die Sanierung hatte der Stadtrat 7,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Rechtzeitig zum JadeWeserPort-Cup Regatta Wochenende wurde die Brücke am 28. September 2012 für Fußgänger und Fahrradfahrer wieder freigegeben.

Am 17. September 2013 wurde die Sanierung der Kaiser-Wilhelm-Brücke nach drei Jahren offiziell abgeschlossen und die Brücke auch wieder für den Kraftfahrzeugverkehr freigegeben. Im Zuge der Sanierung wurde die Brücke stahlbautechnisch instand gesetzt und erhielt u.a. eine komplett neue Beschichtung sowie neue Beläge für die Fahrbahnen und die Gehwege. Das Geländer der Brücke wurde nach historischen Vorbild restauriert. Außerdem wurde die Brücke mit einem neuen Beleuchtungskonzept ausgerüstet, das die Brücke als Wahrzeichen der Stadt hervorheben soll. Auch in das Umfeld wurde investiert. So wurden die Brückenhäuser komplett saniert und eine neue Treppenanlage als Zugang zum Nordflügel gebaut.

Wir nutzten die Herbstsonne zu einem ausgiebigen Spaziergang über die historische Brücke sowie die Anlagen am Südstrand bis zum Helgolandpier, wo wir unseren Besuch mit einem leckeren Fischessen abschlossen.

Koordinaten: 53° 30′ 49″ N, 8° 8′ 7″ O

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