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Xanten – weit mehr als nur Colonia Ulpia Traiana

Xanten – weit mehr als nur Colonia Ulpia Traiana

Jährlich besuchen etwa 800.000 Touristen die im Nordwesten Deutschlands liegende Stadt Xanten, zumeist wegen ihres historischen Stadtkerns, insbesondere aber auch aufgrund des Archäologischen Parks des römischen Colonia Ulpia Traiana und des Freizeitzentrums mit seinen ausgeprägten Rad- und Wanderrouten im relativ flachen Gelände der Rheinauen.

Auch wir waren längst gewillt, diese Stadt einmal zu besuchen, allerdings nicht allein wegen ihres römischen Kulturguts.

Xanten ist auch Ausgangspunkt der Radfernwege Römer-Lippe-Route und Via Romana, Station der 2-Länder-Route, der NiederRheinroute und des Rheinradwegs sowie Station des Europäischen Fernwanderwegs E8. Zusätzlich zu diesen Routensystemen führt mit dem von Nimwegen nach Köln verlaufenden Weg 4 der Rheinischen Wege der Jakobspilger auch ein Pilgerweg durch Xanten. Diese Radwege zumindest einmal in Teilstücken zu befahren, waren unsere Gedanken während der Anfahrt nach Xanten.

Radwege- und Stadterkundung mit Freunden aus Xanten

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_nordrhein-westfalen_xanten-1.jpgWir hatten uns mit Andreas verabredet, der einmal mehr sein Wochenende in Xanten verbringen wollte und als hiesiger Vertriebler für E-Bikes immer einige Fahrräder mit sich führt, denen wir bei der Gelegenheit dann auch gleichzeitig etwas auf den Zahn fühlen wollten. Diesmal waren es die Räder HNF XD 2 Urban und das HNF UD 1, beide mit Bosch-Antrieb und stufenlosem Schaltgetriebe mit Riemenantrieb, wodurch das Schalten selbst im Stillstand möglich ist. Kurz noch den Sattel auf die richtige Höhe einstellen und es konnte losgehen.

Abfahrtsort unserer heutigen Tour war die relativ neue touristische Einrichtung des Freizeithafen Xanten als Teil des Freizeitzentrums an der Xantener Südsee. Das bereits ab 1979 errichtete Freizeitzentrum Xanten ist ein Naherholungszentrum bestehend aus der Xantener Nordsee und der Xantener Südsee, den Freizeithäfen in Wardt, Vynen und Xanten, einer Wasserski-Anlage und einem Hochseilgarten sowie einer Vielzahl weiterer Angebote, die noch ständig erweitert werden sollen. So befindet sich in der Umsetzung auch die Erweiterung des Archäologischen Parks, der in Zukunft das gesamte Areal der ehemaligen Colonia Ulpia Traiana umfassen soll. Die Bundesstraße 57, die früher das Areal in zwei Hälften geteilt hatte, ist bereits auf die neue Umgehungsstraße, den Varusring, umgelegt worden. Derzeit wachsen nach und nach die beiden Römer-Parkhälften zusammen.

Auenlandschaft im Naturschutzgebiet Bislicher Insel

Das zu Teilen sogar im Stadtgebiet Xantens gelegene Naturschutzgebiet Bislicher Insel ist eine der wenigen Auenlandschaften Deutschlands, welche zu den wichtigsten Winterquartieren arktischer Gänse zählt und die einzige Biber-Population des Niederrheins beherbergt. Die Auenlandschaft entstand erst durch Wasserbaumaßnahmen um 1788, veranlasst durch Friedrich den Großen, die zu einer Rheinbettabkürzung und zum heutigen Rheinverlauf führten. Dazu später mehr in einem gesonderten Artikel, jetzt ging es zunächst durch die Innenstadt entlang eines Teils der alten Stadtmauer, dann in die Innenstadt.

Mittelalterlicher Stadtkern mit Dom und Mühlen

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_nordrhein-westfalen_xanten-2.jpgVon der mittelalterlichen Blütezeit Xantens zeugt vor allem der gotische St.-Viktor-Dom mit der Stiftsbibliothek und dem Stiftsmuseum, das reiche Kirchenkunstschätze und Dokumente aus der Geschichte des Doms ausstellt. Ab 1263 erbaut, gilt dieser als „Größter Dom zwischen Köln und dem Meer“. Der Dom, das Klever Tor, die Kriemhildmühle und ihr Gegenstück, die Siegfriedmühle, sowie das Karthaus und weitere historische Gebäude prägen das Bild des mittelalterlichen Stadtkerns. Von der einstigen Stadtbefestigung sind neben den bereits genannten ein Mauerturm am Westwall, der Meerturm, ein Rundturm am Westwall, der Schweineturm und ein Rundturm am Nordwall erhalten geblieben, die während des 18. Jahrhunderts zumeist umgestaltet wurden. Das 1392 erbaute Mitteltor zeugt von der einstigen Teilung Xantens in den nördlichen, klevischen und den südlichen, kurkölnischen Teil der Stadt. Von der im 10. Jahrhundert im Bereich der Stiftsimmunität errichteten Bischofsburg sind wenige Mauerreste erhalten. Der als Eckturm der Immunität errichtete Romanische Turm aus dem 11. Jahrhundert ist Teil der Xantener Marienschule.

Das um 1540 erbaute Gotische Haus gilt als herausragendes Beispiel der spätgotischen Baukunst am Niederrhein. Es beschreibt anschaulich, durch sein original erhaltenes Holzwerk (Balkendecken und Dachstuhl), die aktive Denkmalpflege in Xanten. Das Arme-Mägde-Haus aus dem späten 16. Jahrhundert wurde errichtet, um den im Viktorstift arbeitenden Frauen ein Heim für ihren Lebensabend zu geben; direkt gegenüber dem Arme-Mägde-Haus steht ein Gotischer Treppengiebel aus dem 15. Jahrhundert.

Durch das Stadttor hinaus ins Xantener Umland

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_nordrhein-westfalen_xanten-3.jpgNeben der gotischen Architektur sind unter anderem mit Rokokofassaden an Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert, dem barocken Pavillon am östlichen Eckpunkt der Immunität und dem Renaissance-Erker von 1634 weitere Baustile erhalten geblieben.

Die 1648/1649 an der Südecke der Stiftsimmunität erbaute evangelische Kirche blieb namenlos. Der Kirchturm mit seiner geschweiften Haube stammt aus dem Jahr 1662. Die Michaelskapelle wurde zwischen 1472 und 1478 auf das um 1000 errichtete Südportal der Stiftsimmunität aufgesetzt. Die Fürstenbergkapelle wurde 1671 erbaut und erinnert an das Benediktinerkloster Fürstenberg, das fast 500 Jahre Bestand hatte und 1586 zerstört wurde. Das Rathaus der Stadt war ursprünglich als Kapuzinerkloster errichtet worden. Die Viktorstatue auf dem erhöhten Standort eines staufischen Kapitells an der einstigen Gerichtsstätte des Domkapitels wurde 1468 zu Ehren Viktors von Xanten entworfen. Den Obelisk de Pauw ließ Napoléon 1811 zu Ehren Cornelius de Pauws errichten. Zahlreiche Brunnen und Pumpen existieren im Stadtgebiet, wie die Marktpumpe aus dem Jahr 1736 und der an Norbert von Xanten erinnernde Norbertbrunnen.

Die Alte Kornbrennerei ist das einzige erhaltene Denkmal der Xantener Industriegeschichte des 19. Jahrhunderts. 1853 wurde die Anlage als Ölmühle erbaut und 20 Jahre später zur Dampfkornbrennerei umgerüstet.

Durch das Stadttor verlassen wir Xanten und fahren entlang des riesigen Areals Colonia Ulpia Traiana auf einer stillgelegten und zum Radweg umfunktionierten Route hinaus ins Umland, dazu später mehr.

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