Menu

alaturka

Mithymna auf Lesbos - auch Molyvos genannt

  • Geschrieben von Website Editor
Mithymna auf Lesbos

Während unserer Rundfahrt auf der griechischen Insel Lesbos führte unser Weg auch bis an die Nordküste der Insel Lesbos zur bereits in der Antike bekannten Stadt Mithymna, die heute mit ihren knapp 1.670 Einwohnern oft auch mit Molyvos bezeichnet wird.

Einfach, schnell und sicher über eine Straßenanbindung von Mytilini nach nur 62 Kilometern zu erreichen, zeichneten sich in der Geschichte über Jahrhunderte durchaus unterschiedliche Zugehörigkeiten und starke Konkurrenz dieser beiden Inselstädte gegeneinander ab. Heute ist Mithymna aufgrund der Nähe zum türkischen Festland und des in nur 6 Kilometern Entfernung liegenden bekannten Badeortes Petra ein beliebtes Urlauberziel mit mittelalterlicher Burg auf dem Gipfel des Bergs, an dessen Hang die Stadt errichtet wurde.

Es ist vielleicht die Lage des Ortes am Hang, die dafür gesorgt hat, das der Ortskern nur über schmale Treppengassen zu erreichen ist, wodurch sich Mithymna heute als Autofrei bezeichnen kann. Ein durchaus wertvolles Prädikat in unserer modernen Zeit. Der Ort selbst vermittelt noch immer starken Einfluss osmanischerKultur und Architektur der ehemaligen Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich, so das ein fast orientalisch, mittelalterlicher Eindruck entsteht. Die schmalen, ansteigenden Treppengassen und Fahrwege sind oftmals von Rankpflanzen überdeckt, so entstehen herrliche Lichtspiele zwischen den Geschäften und Lokalen. Die vielen, gut erhaltenen in traditionell osmanischer Bauweise errichteten Häuser aus dem 18. Jahrhundert, bestehen im Erdgeschoss überwiegend aus unverputzten Natursteinen, auf dessen Zwischendecke dann das Obergeschoss in Holzbauweise errichtet wurde. Teilweise findet man Balken- und Balkenköpfe des tragenden Stützensystems reich verziert und weit über das Erdgeschoss herausragend, so das sich Erker mit vielen Fenstern darauf ausbilden ließen.

Trotz der Nähe der türkischen Küste, die nur etwa 9,5 Kilometer entfernt vom Ortskern Mithymnas liegt, ist diese vom Ortskern aus nicht zu sehen. Erst das Besteigen der mittelalterlichen Burg ermöglicht den Blick hinüber auf die türkische Küste. Von hieraus ist auch der westlich der Stadt gelegene natürliche Hafen, der mit einer Mole versehen heute als Fischerhafen genutzt wird. Gerade dieser Hafen spielte in der Geschichte Mithymnas aber eine ganz entscheidende Rolle, denn die schon seit prähistorischer Zeit bestehende Siedlung erlebte aufgrund des Hafens in archaischer Zeit einen rasanten Aufschwung.

Als es im 8. Jahrhundert vor Christus zur Kolonisation der kleinasiatischen Küste kam, die u.a. auch zur Gründung von Assos führte, waren daran maßgeblich auch Siedler aus der Polis Mithymna beteiligt, so das reger Handel entstand. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs konnte um 600 vor Christus mit der Eroberung von Arisbe das wohl fruchtbarste Gebiet der Insel Lesbos hinzugewonnen werden. Von der antiken Stadt sind Teile der archaischen, polygonalen Stadtmauer aus dem 6. Jahrhundert vor Christus erhalten, vom antiken Hafen findet man noch Reste der Molenanlage, denn im 5. Jahrhundert war Mithymna bereits als Stadt Mitglied des Attischen Seebundes, das über ein eigenes, großes Schiffskontingent verfügte. Als es im Jahr 428 zum Zusammenschluss und der Erhebung der Inselstädte gegen Athen, im so genannten Peloponesischen Krieg kam, war es Mithymna als einzige Stadt auf Lesbos, die sich nicht an dem Aufstand beteiligte. Hier wurde erstmals auch die große Rivalität mit der Hauptstadt der Insel, Mytilene deutlich, was auch an der Herrschaftsstruktur erkennbar war. Während Mithymna über eine demokratische Verfassung verfügte, wurde in der größeren Stadt Mytilini oligarchisch regiert.

Erst im Jahr 412 vor Christus fiel Mithymna von Athen ab, wurde dann jedoch zum Wiedereintritt in den Seebund gezwungen. Von 406 bis 386 vor Christus wurde die Stadt von Sparta erobert, in dessen Einflussbereich sie 20 Jahre blieb. Dann, wenige Jahre später , verbündete sie sich Mithymna wieder mit Athen und gehörte 377 vor Christus zu den Gründungsmitgliedern des Zweiten Attischen Seebundes. Unter dem Tyrannen Kleomis wandte sich Mithymna um 340 wieder von Athen ab und verweigerte die eingeforderte aktive Unterstützung im Krieg gegen Philipp II. von Makedonien, was zu einer erfolglosen militärischen Intervention Athens führte. Im 3. Jahrhundert war Mithymna ein ptolemäisches Besitztum, das sich im 2. Jahrhundert vor Christus eng an das expandierende Rom band und dessen wohlwollende Unterstützung es daraufhin lange genoss. Später konzentrierte sich das römische Interesse stärker auf Mytilene. 
1373 wurde die Akropolis von Mithymna von der genuesischen Familie Gattilusio ausgebaut und in Molybos umbenannt.1450 wurde das Stadtgebiet bei der Landung türkisch-osmanischer Truppen schwer verwüstet, 1457 leistete sie der Belagerung durch den Admiral Ismael erfolgreich Widerstand, musste jedoch nach der Kapitulation Mytilenes 1462 kampflos an die Türken übergeben werden.

Deutschland

Kultur

Leben | Outdoor

Aktuell sind 314 Gäste und keine Mitglieder online