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Von Kitzingen nach Wien - erste Römer-Kontakte

  • Geschrieben von Portal Editor
Von Kitzingen nach Wien zu ersten Kontakten

Nach der Übernahme des Wohnwagens in Rain am Lech ging es zunächst nach Kitzingen, wo diverse Campingausstattung auf die Unterbringung im zukünftig rollenden Zuhause wartete. Vorab auftauchende Gedanken hinsichtlich der Menge unterzubringenden Gutes erwiesen sich als falsch - Stauraum war im Fendt Saphir Scand massig vorhanden.

Und das erlaubte Höchstgewicht im Hängerbetrieb würden wir zusammen mit dem Zugfahrzeug trotzdem nicht erreichen. Soweit waren also fast alle Vorbereitungsmaßnahmen erledigt und die Anreise zur Toureröffnung im Rahmen der 60-Jahr-Feier Goethe Institut Izmir konnte beginnen.

Unsere Anfahrtsroute sollte dieses Mal über Regensburg, Wien und Belgrad erfolgen, da wir uns zu einem Zwischenaufenthalt in Wien verabredet hatten. Über die Internetrecherche hatten wir im vergangenen Jahr Dr. Robert Krickl kennen gelernt, der in Brunn am Gebirge erstmalig ein "alternatives" Römerfest ins Leben gerufen hatte, in dem es vorrangig um die Vermittlung von kulturellem Wissen durch die hinterlassenen Spuren der Römer in der Umgebung Brunns geht. Ihm ist es eine Herzensangelegenheit geworden, im Rahmen seiner Wissenschaftskommunikation die Faszination unserer Welt einfach und anschaulich zu vermitteln, vom Kindergarten- bis zur Pensionistengruppe. Ein Ziel, das grundsätzlich auch wir uns gesetzt haben. Es lag also auf der Hand, sich mit Herrn Dr. Krickl zu verabreden um erste Gedanken eines gemeinsamen Konzepts für 2015 zu erörtern.

Wie war das Leben der Römer in Brunn am Gebirge?

Dr. Robert Krickl: Ich habe Erdwissenschaften bis zum abgeschlossenen Doktorat studiert, doch durch meine interdisziplinäre Ausbildung und meine Interessen kann ich Ihnen zahlreiche kompetente Angebote in unterschiedlichen Fachbereichen anbieten - darunter: Mineralogie, Kristallographie, Rohstoffkunde, Materialwissenschaft, Geologie, Petrologie, Chemie, Physik, Paläontologie, Zoologie, Botanik, Archäometrie und Geschichte. Ein wichtiger Schwerpunkt meiner Arbeiten: Was war hier in Brunn vor 2000 Jahren und welche Spuren hat die einstige Präsenz der Römer in unserem modernen Alltag hinterlassen? Um diese Fragen drehten sich die "Römertage", die wir 2013 erstmals im Heimathaus Brunn am Gebirge veranstaltet haben.

Sie begannen am Fr., 13.09. vormittags mit einem Führungs- und Aktiv-Programm für etwa 100 Schüler, worauf am Abend ein Vortrag über meine neuesten Forschungsergebnisse zu den römerzeitlichen Funden folgte.

Am Sa., 14.09. wurden die eigentlichen Römertage eröffnet, die bis 15.09. zahlreiche Attraktionen boten: Einheimische, gastronomische Betriebe wurden mit antiken Rezepten versorgt, die sie rekonstruierten, neu interpretierten oder zu neuen Ideen inspirierten. Das Ergebnis war nicht nur interessant, sondern ausgesprochen köstlich! Die Speisen waren so gefragt, dass die großzügig berechneten Portionen bereits vorzeitig verzehrt waren und Nachschub hergerichtet werden musste. Die Getränke erfreuten sich solcher Beliebtheit, dass viele Anfragen ob des Flaschenweisen Verkaufs eingingen.

In der sonntägigen Messe in der Pfarrkirche Brunn/Geb. wurden lateinische Lieder gesungen, auf Latein gebetet und eine sehr sehenswerte Ausstellung über Christen im alten Rom präsentiert.

Soweit zu den Informationen über das erste Römerfest in Brunn am Gebirge. Wir trafen uns am Sonntagabend zu einem ersten persönlichen Gespräch und am Ende des Gesprächs stand die feste Verabredung, ein gemeinsames Konzept für 2015 zu erarbeiten. Wir werden Sie, werte Leser, auf dem Laufenden halten.

Die zweite Verabredung in Wien betraf ebenfalls eine "Internetbekanntschaft", nach deren Ursprung wir im ersten Gespräch zwar geforscht haben, jedoch zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen sind: Frau Barbara Mohapp-Holzmeister, der Tochter des in der Türkei so sehr geschätzten Architekten Clemens Holzmeister. Erstmalig waren wir bei Recherchen zu Personen, die während der NS-Zeit den deutschsprachigen Raum verlassen mussten, auf den Namen Clemens Holzmeisters gestoßen (siehe auch den Artikel zu Ernst Reuter). Einige Zeit später erhielten wir vom Goethe Institut das aus Sicht eines Architekten äußerst interessante Buch "Das Werden einer Hauptstadt", das weitere Projekte von Bauvorhaben Clemens Holzmeisters sowie weiterer namhafter Architekten und Baumeister enthielt, die aus welchen Gründen auch immer, in die Türkei immigrierten.

Clemes Holzmeister - Stararchitekt in der Türkei

Wir hatten jedenfalls regen Emailkontakt zu Frau Mohapp, aus dem auch das verwandtschaftliche Verhältnis zu Clemens Holzmeister hervor ging, so das wir den Aufenthalt in Wien auch zum Besuch nutzen wollten. Die weitere Recherche hatte ergeben, das am 24. November 2011 als Schlusspunkt zahlreicher, dem österreichischen Architekten Clemens Holzmeister gewidmeter Veranstaltungen im Park der „Großen Türkischen Nationalversammlung“, die Holzmeister zwischen 1939 und 1961 als sein Hauptwerk in der Türkei errichtet hatte, eine Holzmeistergedenkecke enthüllt worden war. Die Zeremonie zur Enthüllung dieser Gedenkstätte fand im Zusammenhang mit dem Aufenthalt der „Österreichisch-Türkischen Parlamentarischen Freundschaftsgruppe“ in der Türkei statt; die Eröffnungsreden hielten der Vorsitzende der Freundschaftsgruppe, Bundesrat Georg Keuschnig, und der stellvertretende Parlamentspräsident, Mehmet Saglam.

Bereits einige Tage zuvor war im Ankaraner Stadtteil Oran ein Holzmeisterpark mit einer Büste Holzmeisters durch den Bürgermeister der dazu gehörenden Gemeinde Cankaya, Bülent Tanik, und der Österreichischen Botschafterin Heidemaria Gürer im Beisein Barbara Mohapps, eröffnet worden. Diese Eröffnung hatte im Rahmen eines von der türkischen Holzmeisterspezialistin Aydan Balamir, die 2010 eine umfassende Publikation über die Werke Holzmeisters in der Türkei herausgegeben und dafür eine österreichische Auszeichnung sowie einen internationalen Architektenpreis erhalten hatte, veranstalteten Holzmeistersymposiums und Ausstellung seiner Aquarelle im „Cer Modern“-Museum in Ankara, stattgefunden.

Außer dem Holzmeisterpark und der Gedenkstätte im türkischen Parlament, war bereits 2008 durch den damaligen Wiener Stadtrat Rudolf Schicker im Ankaraner Stadtteil Yildiz eine Holzmeisterstraße eröffnet und an seinem ehemaligen Wohnhaus eine Erinnerungsplakette angebracht bzw. auch ein von der Österreichischen Botschaft in Ankara entworfener „Holzmeisterführer durch Ankara“ dem Publikum vorgestellt worden.

Clemens Holzmeister, der von 1938 bis 1953 ständig in der Türkei, neben seiner Lehrtätigkeit in Istanbul hauptsächlich in Ankara, gelebt hatte, kann als „Staatsarchitekt der Türkei“ bezeichnet werden, war er doch bereits vorher von Atatürk zum Aufbau der neuen Hauptstadt Ankara in die Türkei eingeladen worden. Zu seinen 15 Bauten in Ankara gehören neben dem Parlament so wichtige wie der Präsidentenpalast, einige Banken und die wesentlichsten Gebäude des Ministeriumsviertels sowie die österreichische Botschaft. Gemeinsam mit dem österreichischen Bildhauer Anton Hanak errichtete er auch das „Sicherheitsdenkmal“ im Regierungsviertel.

Neben all diesen wirklich interessanten Verbindungen hatte Frau Mohapp uns eine Führung durch die Stadt vorgeschlagen und klar ist, zum ersten Kennen lernen einer Stadt gibt es kaum etwas Besseres als mit einem Bürger die Stadt zu erkunden.

Also trafen wir uns am Samstag Mittag zunächst zu einem ersten Kaffee. Auch der Sohn von Frau Mohapp war anwesend, da er die geplante Stadtführung mit uns unternehmen wollte. Wir waren schnell in intensiven Gesprächen vertieft, da es viele gemeinsame Interessen zu erörtern galt, so das die Zeit wie im Flug verstrich. Fast schon hätten wir die an gedachte Stadtführung vergessen. Glücklicherweise gab es ja den morgigen Sonntag noch zur freien Verfügung, so das wir beschlossen, jetzt "nur" das Schloss Schönbrunn, das nur wenige hundert Meter entfernt vom Haus der Mohapps liegt, aufzusuchen. Das herrliche Wetter trug sein Möglichstes dazu bei. Bereits um 6.00 Uhr sollten wir hinsichtlich eines vorbereiteten, und wie sich herausstellte, vorzüglichen Lammbratens zurück sein, in dessen Verlauf es weitere Gespräche gab.

Für den Sonntag hatten wir uns dann zur Stadtführung verabredet, die wirklich in viele Ecken Wiens führte, die auch jenseits der Haupttouristenströme reichte. Dazu wird später ein Bericht folgen. Wir lernten so auch einige der bekannten Spezialitäten der Stadt kennen, die unbedingt ein Wiederkommen verlangen, hier sei nur die Sacher-Torte oder das hervorragende Eis genannt. Kurzum, ein tolles Erlebnis, das erst nach 6 Stunden aufgrund von Erschöpfung beendet war.

Ein letztes Gespräch mit Frau Mohapp führte dann am Abend zu dem Versprechen der Kontaktpflege sowie auch des Besuchs unseres geplanten Begegnungs- und Kulturfestes in Regensburg im Oktober dieses Jahres. Wir werden sehr gerne wieder nach Wien kommen.

Mainfranken (5. Auflage 2015)

Hans-Peter Siebenhaar

Michael Müller Verlag, 324 Seiten, 5. Auflage 2015, farbig, 17,90 EUR (D), 18,40 EUR (A), 26,90 CHF, ISBN 978-3-95654-037-0

Unser Buchvorschlag zum Thema Wien:

Mu­sen­tem­pel wie das Burg­thea­ter oder pracht­vol­le Pa­läs­te wie die Hof­burg oder Schloss Schön­brunn zie­hen das ganze Jahr über scha­ren­wei­se Tou­ris­ten aus aller Welt an – Wien hat immer Sai­son!
Dabei sind es nicht nur die bau­li­chen Zeug­nis­se der Ver­gan­gen­heit, die Wien zu einem Glanz­punkt auf der Karte des eu­ro­päi­schen Städ­te­tou­ris­mus ma­chen. Seit den 80er Jah­ren be­le­ben Sze­ne­knei­pen und De­si­gner­re­stau­rants das gas­tro­no­mi­sche An­ge­bot der le­gen­dä­ren Kaf­fee­häu­ser und Heu­ri­gen.

 

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