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Eber See - Sumpflandschaft und Vogelparadies

  • Geschrieben von Website Editor
Eber See - Sumpflandschaft und Vogelparadies

Vom Akşehir See auf der D300 in Richtung Afyonkarahisar kommend, legen wir auch einen kurzen Stopp am Eber See ein, der einmal aufgrund der riesigen Schmelzwassermengen  aus der sich im Norden befindlichen Bergkette des Emir Dağları und der sich im Süden befindlichen Bergkette des Sultan Dağları mit dem Akşehir See verbunden war. 

Das Versiegen einiger Quellen im See sowie die riesigen Mengen an Wasser, die zur Bewässerung genutzt wurden, sorgten für die Trennung der beiden Seen, die heute nur noch durch einen Kanal miteinander verbunden sind.

Während der letzten großen Eiszeit im Pleistozän hatte sich auf einer Höhe von 967 Metern über dem Meer eine riesige Caldera gebildet, die sich nach und nach durch das Schmelzwasser des umgebenden Gebirges sowie durch eine Quellen und Bäche aufgefüllt hatte. Vor allem auch durch den Bach Akarçay werden riesige Wassermengen dem See zugeführt. So konnte sich ein großes, tiefes Gewässer bilden. Heute bedeckt der Eber See eine Fläche von 125 Quadratkilometern, womit er der zwölftgrößte See in der Türkei ist.

Bedingt durch die Erderwärmung mit weniger Niederschlag und damit geringeren Tauwassermengen und der kontinuierlichen Wasserentnahme zur Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen schrumpfte der See immer mehr. Als im Oktober 1991 bei Messungen festgestellt wurde, das die Fläche des Sees lediglich noch 62 Quadratkilometer betrug, entschloss man sich zu Handeln und baute Regulatoren, die den Wasserabfluss kontrollierbar mach sollten. Dies hatte zur Folge, das auch der Aksehir See nicht mehr stetig durch das Wasser des Eber Sees aufgefüllt wurde, was auch hier zu Regulierungsmaßnahmen führte.

Schnell waren diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt und der See wuchs wieder an. Er konnte sich im Jahr 1969 sogar auf seine bislang größte Ausdehnung von 164,5 Quadratkilometer bei einer Wassertiefe von 21 Metern ausbreiten wodurch in den Uferbereichen riesige Sumpflandschaften entstanden, die von Vögeln als Ruhe- und Rastplätze sowie von einer Vielzahl verschiedener Wasserpflanzen genutzt wurden.

Leider führte die Ansiedlung von Industrieanlagen sowie das schnelle Anwachsen der Stadt Afyonkarahisar zur starken Verschmutzung dieser Naturlandschaft, denn die Abwässer aus der Stadt und den Industrieanlagen wurden ungeklärt in den See eingeleitet. Eine angesiedelte Papierfabrik, die zwar für über 1.000 Beschäftigte Arbeit bedeutet, allerdings auch riesige Abwassermengen produzierte, tat ihr Übriges dazu bei. Leider sah auch die Landbevölkerung den See einfach nur als Entsorgungsfläche für ihren Müll. Fast zu einer großen Kloake geschrumpft, war die Tiefe des Sees auf 1,70 Meter zurück gegangen.

Der Druck von Umwelt- und Naturschützern sorgte dann glücklicherweise für einen Umdenkungsprozess, der zum Bau von Kläranlagen und Abwasserfiltern führte. Heute sorgt das türkische Ministerium für Kultur und Natur dafür, das sich der Eber See langsam zu einem Naturschutzgebiet entwickelt, was am 22. Juni 1992 auch als Solches offiziell erklärt wurde. 

Heute findet man auf dem See hunderte sogenannter schwimmende Inseln, die aus Schilfrohr bestehend, von den Einheimischen mit „Kopak“ bezeichnet werden und Lebensraum für Vögel und Insekten bilden. Ursache hierfür ist das Ablösen der größer werdenden Wurzeln des Schilfrohrs vom Boden des Sees, die dann als Schwimmkörper auftreiben und sich mit anderen Wurzeln verbinden. Langsam an der Oberfläche der Verrottung ausgesetzt, durch Staub und Pflanzen besiedelt, bilden sich schwimmende Inseln, die teilweise so groß und tragfähig sind, das Fischer und Jäger darauf kleine Hütten als Unterkunft errichten können.

Heute ist der Eber See Lebensraum einer Vielzahl von Wasserschlangen, Süßwasserfischen, Wasservögeln, Schildkröten und sonstiger Tierarten. Die Fischer nutzen das Gewässer auf der Jagd nach Karpfen, Spiegelkarpfen, Hecht und Gründling. Ornithologen, die den See als Vogelparadies wieder entdecken konnten, finden hier Zwergscharbe, Löffler, Krauskopfpelikan, Rohrdommel, Reiher, Moorente, Lachseeschwalbe, Blässgans, Blässhuhn, Weißkopfruderente, Säbelschnäbler, Sandregenpfeifer und Braunen Sichler. Gerade die Vögel nutzen dabei die schwimmenden Inseln „Kopak“ gern zur Eiablage und Aufzucht ihrer Brut wobei das bis zu 6 Meter hohe Schilfrohr besten Schutz und Deckung gewährt. Der Naturliebhaber findet hier wieder große Bereiche mit breitblättrigen Rohrkolben, Schilfrohr, Ufer-Wolfstrapp und Wasserminze, die ebenfalls beträchtlich zur Reinigung des Sees beitragen.

Eine Vielzahl der Seeanwohner dieses mit mittelanatolischen Bolvadin bezeichneten Landstrichs nutzt heute die fruchtbaren Uferregionen zum Anbau von Getreide und Gemüse, was auf den Märkten feilgeboten wird und so zum Lebensunterhalt beiträgt. Ob der Name des Sees tatsächlich von den einst nomadisierenden Türkmenen stammt, die ihre Unterkünfte mit Eber (Nomadenzelt) bezeichneten, ist bis heute umstritten.

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