Mit Wolfgang Dorn in Aspendos

Mit Wolfgang Dorn in Aspendos

Zu einem zwar zeitlich begrenztem, aber trotzdem oder gerade deshalb hoch interessanten Treffen verbrachten wir am vergangenen Samstag einige Stunden mit unserem Co-Autor Wolfgang Dorn in Aspendos. 

Diesmal auf einem Kurztrip zu einigen sehenswerten Orten der Türkei zusammen mit seiner Tochter unterwegs, hatten wir uns an seinem Hotel in Serik / Beldebi verabredet.

Wir fuhren zunächst zur seldschukischen Brücke kurz vor der antiken StadtAspendos, wo uns Wolfgang Dorn zu einigen baulichen Details berichtete, die auf die Römer und die Seldschuken zurück zu führen sind.  So konnten wir  eingehend einen Schaden an der Brückenkonstruktion nahe der Anfahrtrampe einsehen, der die römischen Bauherren seiner Zeit veranlasst haben musste, die Bauarbeiten an der Brücke über den Köprü Cayi einzustellen. Zu weit klafften Brückenkorpus und seitliche Quaderverkleidung auseinander.

Natürlich kamen in der Erklärungsrunde durch Wolfgang Dorn auch wieder einige gezielte Fragen, die uns etwas „auf den Zahn fühlen“ sollten, wie zum Beispiel ob es sich denn grundsätzlich um eine griechische oder eine römische Konstruktion handeln würde. Natürlich konnten wir darauf die richtige Antwort geben, denn es handelt sich eindeutig um eine Rundbogenbrücke, die bautechnisch erst durch die Römer möglich war.

Markant an der dann von den Seldschuken fertig gestellten Brücke, die auch die Fundamente der römischen Grundkonstruktion nutzten, ist der Knick fast in der Mitte des Brückenverlaufs, die erneut zu einer Erklärungssituation führte. Wir brachten weitere seldschukische Brücken ins Spiel, die ebenfalls die Spitzbogenkonstruktion und den Knick im Verlauf der Brücke aufwiesen und konnten uns letztendlich nur statische Gründe für diese Bauweise zur Begründung heranziehen. 

Wir gingen dann kurz in das Theater von Aspendos hinein, da uns Georg Koenig von der Gruppe Backdoor Connection begleitete, der sich zur Vorbereitung einiger Konzertauftritte in der Türkei aufhält, um ihm die exzellente Akustik des Theaterbaus vorzuführen. Schiere Begeisterung war in seinen Augen abzulesen und am liebsten hätte er seine Gitarre ausgepackt. Kein Verstärker, kaum Technik sei hier notwendig, einige zigtausend Menschen musikalisch zu begeistern. Wir gingen dann in die antike Stadt hinein, die sich oberhalb des Theaterbaus befindet. 

Aufgrund der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit wanderten wir nun zügig zum Aussichtspunkt, der den Blick auf die beiden Wassertürme der so bekannten römischen Wasserleitung nach Aspendosbietet. Imposant reichen die beiden Wassertürme hoch in den blauen Himmel, die erst die Versorgung mit fliesendem Wasser und damit den Aufbau der Stadt ermöglichten. Mit hohem Druck kam das Wasser aus den Bergen und musste nun in Rohre gezwängt bis an die Stadt herangeführt werden. Man rechnet heute, das der Wasserdruck wohl an die 6 bar betragen haben musste. Wie also das breite Tal zwischen Gebirge und dem Stadthügel von Aspendosüberwinden? 

Hier zeigten die Römer ihre besondere Wasserbaukunst. Schon allein die Leitungsrohre bestanden aus massivem Gestein, denn nur sie konnten diesem immensen Wasserdruck standhalten. Das Wasser wurde in etwa 25 Meter Höhe bis in den Wasserturm herangeführt, fiel dann in dem Leitungsverbundsystem etwa 22 Meter hinab wo es in Rohren auf einer Bogenbrückenkonstruktion durch das Tal geführt und im gegenüberliegenden Wasserturm wieder auf 25 Meter Höhe ansteigen musste. Von hier gelang es dann weiter bis in die Stadtanlage auf dem Hügel hinein, wo es dann unterirdisch verteilt wurde. Ein  Baukunstwerk das seinesgleichen sucht. Diese Technik hat es möglich gemacht, ein kostspieliges Viadukt über die gesamte Tal Breite einzusparen. 

Wir entdeckten einige weitere Gebäudedetails, so das wir beschlossen, kurzfristig einen weiteren Abstecher in dieantike Stadt von Aspendos zu unternehmen.

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