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Kormakitis / Koruçam - Ort der maronitischen Kirche

  • Geschrieben von Portal Editor
Kormakitis / Koruçam - maronitische Kirche im Zentrum

Natürlich waren wir gespannt darauf, wohin uns die Einladung nach Nordzypern führen würde, denn nie zuvor hatten wir von einem Dorf namens Koruçam oder Kormacit gehört.

Nur soviel war aus den Emails von Houssem klar geworden: die verbliebenen 195 Einwohner hatten sich allesamt für die Einführung sanften Tourismus entschieden und wollen ein echtes Ökodorf werden, das sich dem Tourismus öffnet. Aber dazu später mehr.

Kormakitis liegt etwa in der Mitte der Nordküste der Insel; das nahe gelegene Kap Kormakitis an den Westausläufern des Pentadaktylos (Beşparmak) wurde nach dem Dorf benannt und ist gleichzeitig der Ausgangspunkt des Besparmak Fern-Wandertrails. Vor der Teilung der Insel im Jahre 1974 hatte Kormakitis etwa 1.000 Einwohner. Kormakitis gilt als das einzig verbliebene Zentrum mit erkläglicher Einwohnerzahl der zyprisch-maronitischen Kirche; hier befindet sich auch eine der vier maronitischen Kirchen Zyperns. Ein Teil der Bevölkerung spricht zyprisches Arabisch. So ist es nicht verwunderlich, das auch der Gottesdienst mehrsprachig gestaltet wird.

Die Maroniten sprachen ursprünglich Syrisch-Aramäisch und entstanden im 7. Jahrhundert als eine Abspaltung der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien. Ihr Name geht auf den heiligen Maron zurück, der als Mönch am unteren Orontes (heute Syrien) lebte. Die Syrisch-Maronitische Kirche von Antiochien kurz Maroniten ist eine mit Rom unierte, christliche Kirche, die den römischen Papst als Oberhaupt anerkennt. Die Maroniten sind eine der größten und ältesten Religionsgemeinschaften im Libanon; ihre Kirchensprache ist das Westsyrische.

Als Anhänger des Monotheletismus wurden sie 681 nach dem Dritten Konzil von Konstantinopel als Ketzer exkommuniziert. Der Monotheletismus besagte, dass Jesus Christus zwar eine göttliche und eine menschliche Natur, aber nur einen göttlichen Willen besitzt; er stand theologisch zwischen dem Monophysitismus und der auf dem Konzil von Chalcedon festgelegte Zweinaturenlehre Christi, dem traditionellen Bekenntnis der oströmischen Reichskirche, wie der heutigen katholischen, orthodoxen und reformatorischen christlichen Kirchen und sollte nach den letztlich erfolglosen Plänen des Kaisers Herakleios der Reintegration der monophysitischen Kirchen der Armenier, Syrer und Kopten in die Reichskirche dienen.

Seit der Annäherung der Maroniten an die römisch-katholische Kirche im 12. Jahrhundert haben die Maroniten die monotheletische Doktrin aufgegeben. Justinian II. unterlag 694 im Kampf gegen die Maroniten, die dadurch ihre Eigenständigkeit bewahren konnten. In den folgenden Auseinandersetzungen im Jahr 707 mit dem islamischen Kalifen al-Walid I. wurden sie in die Berggebiete vertrieben und mussten 759 eine Niederlage gegen die abbasidischen Besatzer hinnehmen.

Nach Zerstörung des Klosters des Hl. Maroun durch syrische Moslems flüchteten sie im 10. Jahrhundert unter Führung des Patriarchen Johannes Maroun I. in den Libanon, wo sich das maronitische Christentum auch unter der ansässigen griechischen, phönizischen und arabischen Bevölkerung ausbreitete. Die Berge des Libanongebirges zwischen Tripoli und Beirut und die davor liegenden Ortschaften an der Mittelmeerküste stellen bis heute das einzige größere zusammenhängende Gebiet in der arabischen Welt dar, in der sich noch eine fast ausschließlich christliche Bevölkerung halten konnte.

Im 12. Jahrhundert stellten sich die Maroniten auf die Seite und unter den Schutz der Kreuzritter. Aus dieser Begegnung stammt auch ihre Bindung an die römisch-katholische Kirche im Jahre 1182. Diese Unterstützung wurde von den Mameluken nach dem Abzug der Kreuzritter geahndet: Maroniten, aber auch Drusen und Schiiten erlebten eine Zeit militärischer Verfolgung. Dennoch gelang es den Maroniten, ihre Verbindung zur katholischen Kirche aufrechtzuerhalten und auszubauen. Im Jahr 1445 bekräftigten sie auf dem Konzil von Florenz Ihren Anschluss und gelten seit dem offiziell als „mit Rom unierte Ostkirche“. Sie bilden die einzige Kirche ihres Zweiges, die sich als Ganze dem Papst unterstellte.

Im Osmanischen Reich konnten die Maroniten ihre Autonomie in den entlegenen Gebirgsgegenden bewahren, zum Teil in Kooperation mit drusischen Feudalherren wie dem Emir Fahkr-ad-Din II. Dank der hervorragenden Beziehungen der Maroniten nach Europa, vor allem nach Frankreich und Italien, erlebte der Libanon in dieser Zeit eine kulturelle Blüte. Unter anderem führten maronitische Mönche die ersten Arabisch druckenden Druckerpressen ein, im Islam wurde die arabische Schrift bis 1729 ausschließlich mit der Hand geschrieben. Am Bosporus betrachtete man diese kulturell fortschrittliche Entwicklung mit Argwohn, der osmanische Gegenschlag gipfelte in der Hinrichtung des Emirs in Konstantinopel.

Frankreich erklärte danach im Jahre 1638, dass alle Katholiken (und damit auch die Maroniten) des Osmanischen Reiches unter seinem Schutze stünden. Dennoch wurde der Libanon bis Ende des 18. Jahrhunderts direkt osmanisch verwaltet. Erst infolge von Napoleons Ägyptenfeldzug gelang es den Emiren des Libanon, wieder eine Autonomie zu erlangen, die bis in die 1840er Jahre bestand. Im 17. Jahrhundert hatte die Drusenfamilie Chehab das Emirat von den Maans geerbt, die Chehabs waren im 10. Jahrhundert in den Libanon gekommen und waren ursprünglich sunnitische Muslime vom Stamme der Koreischiten in Mekka. Der Emir Beshir II. Chehab, der Anfang des 19. Jahrhunderts den Libanon von seiner prachtvollen Residenz Beit ed-Dine aus regierte, ließ sich und seine Familie heimlich maronitisch taufen, ein im Orient auch heute noch höchst ungewöhnlicher Vorgang. Von Emir Beshir II. stammte der Kommandeur der auf alliierter Seite mit de Gaulle und Eisenhower im Mittelmeerraum 1942–1945 kämpfenden libanesischen Streitkräfte und spätere Staatspräsident Fouad Chehab ab.

Die zypriotische Maronitengemeinde wird allgemein auf Wanderbewegungen im Zuge der Kreuzzüge zurückgeführt. Ihre Mitglieder sind stark in das politische und soziale Leben Zyperns integriert.

Von der Geschichte der Maronitengemeinde und seiner Kultur zeugt auch ein kleines aber sehr sehenswertes Museum im Ort, das die lebendige Tradition der lokalen Bevölkerung widerspiegelt. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn man sich einmal im Jahr zu einem großen Kirchenfest im Ort trifft, zu dem auch internationale Gäste anreisen und damit das Dorf übervölkern: unser Einstiegsfoto aus dem Museum.

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