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Durrës an der Via Egnatia - Stadtrundgang und Römertum

  • Geschrieben von Portal Editor
Durrës an der Via Egnatia - Stadtrundgang und Römertum

Als einer der beiden Ausgangspunkt der Via Egnatia auf dem Balkan sowie als möglicher Anreisepunkt mit der Fähre von Italien aus, stand die Stadt Durrës immer auch im Mittelpunkt unseres Interesses.

So war klar, dass wir unsere Anwesenheit in Tirana am Camperstopp Hotel Baron auch dazu nutzen wollten, der uralten Hafenstadt einen Besuch abzustatten, zumal die Entfernung nur 35 Kilometer beträgt. Einmal mehr war Florian unser Reiseleiter, der uns viele Details zur Stadt vermitteln konnte, ein wenig Römische Geschichte wurde von uns ergänzt, zumal es auch in Durrës ein wunderbar erklärendes Museum zur antiken Zeitgeschichte gibt. Aber jetzt zu einigen ersten Details:

Die Stadt Durrës wurde im Jahr 627 v. Chr. als Epidamnos von dorischen Kolonisten aus Korinth und Korfu gegründet, sprich vom heutigen Griechenland aus. Die umliegende Region wurde von den Griechen Epidamnia genannt. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde der Stadtstaat Epidamnos Teil des Königreichs Kassanders und Pyrrhos' I. von Makedonien. Im Jahr 312 v. Chr. eroberten illyrische Taulantier aus dem Hinterland die Stadt für kurze Zeit.

Nach den Illyrischen Kriegen kam Epidamnos 229 v. Chr. unter römisches Protektorat. Fortan nannten die Römer sie Dyrrhachium, da der Wortteil -damnos in lateinischen Ohren Unglück verhieß. Die jetzt römische Stadt wurde zu einem der Ausgangspunkte der Via Egnatia, die einst das Adriatische Meer mit Byzantium, dem zwischenzeitigen Konstantinopel und heutigen Istanbul, verband. Ein anderer Ausgangspunkt war das 65 Kilometer im Süden gelegene Apollonia, das damals noch am Meer lag. Wir sind dem Verlauf der Via Egnatia mehrfach gefolgt, so entlang der Städte Elbasan, Ohrid, Bitola, Edessa, Thessaloniki, Kavala und Alexandroupolis bis Istanbul.

Laut dem römischen Dichter Catull war die Stadt Durrachium Hadriae tabernam - „die Taberna der Adria“ - eine der Rastplätze für Römer, die auf der Adria segelten, wie es Catull im Jahr 56 v. Chr. selbst gemacht hatte.

Im Jahr 48 v. Chr. kam es wenig südlich der Stadt anlässlich der Römischen Bürgerkriege zur Schlacht von Dyrrhachium zwischen den beiden Kontrahenten Gaius Iulius Caesar und Gnaeus Pompeius Magnus. Kaiser Augustus machte Dyrrhachium um das Jahr 20 v. Chr. zu einer Veteranenkolonie und siedelte hier Legionäre an, die ihm im Bürgerkrieg bis zur Schlacht bei Actium gedient hatten. Obwohl unter Provinzialverwaltung hatte die Stadt in der Kaiserzeit den Status einer civitas libera. Der römische Einfluss machte sich hier in der Region besonders aufgrund der Ansiedlung dieser Veteranen stärker als anderswo auf dem Gebiete des heutigen Albanien bemerkbar.

Durrës gehört zu den ersten Städten auf der Balkanhalbinsel und überhaupt in Europa, die eine christliche Gemeinde aufnahm. So sollen bereits 58 n. Chr. in der Hafenstadt einige christliche Familien gelebt haben. Und auch eine Diözese wird in diesem Jahr erwähnt. Einige Historiker gehen zudem davon aus, dass der Apostel Paulus von Tarsus selbst die Stadt im Zeitraum von 53 bis 58 n. Chr. besuchte. Der christliche Märtyrer und Heilige Astios (1. Jahrhundert) war Bischof von Durrës. Zu seiner Zeit flüchteten viele Christen aus Italien nach Albanien, um den Verfolgungen durch die Machthaber zu entkommen.

Aus römischer Zeit (vermutlich erste Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.) stammt denn auch das Amphitheater, das Platz für gut 15.000 Leute bot. Es misst 127 auf 103 Meter, die Arena 63 auf 39 Meter. Es wurde erst 1966 entdeckt und freigelegt. Da die antike Siedlung genau unter der heutigen Stadt liegt, sind erst wenige antike Überreste freigelegt worden. Das Amphitheater und die unterirdischen Gänge können besucht werden, ein Großteil der Fundstücke befindet sich im wirklich sehenswerten Museum von Durrës.

Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde Dyrrhachium Hauptstadt der neu gebildeten Provinz Epirus nova. Um 430 war die Stadt Geburtsort des späteren Kaisers Anastasios I., der Ostrom zwischen 491 und 518 regierte. Anastasios I. gab den Auftrag, die Verteidigungsanlagen auszubauen, welche seit dem Einfall der Goten und dem verheerenden Erdbeben von 345 in einem sehr schlechten Zustand waren. Nach einem weiteren Erdbeben 518 wurden sie von Kaiser Justin I. verbessert und von Kaiser Justinian I. vollendet. Auch Teile dieser Stadtmauer sind erhalten, die marmornen Mauerreste der uralten Hafenstadtmauer liegen bis heute verstreut am Strandabschnitt vor dem Theater und Museum, sie waren ebenfalls dem Erdbeben zum Opfer geworden.

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