Von Zürich nach Kitzingen bzw. Albertshofen

Kitzingen am Main

Bereits während der Tage in Zürich hatten wir uns auch mit unserer Freundin Brita in Albertshofen, einer kleinen Gemeinde im Einzugsbereich der Stadt Kitzingen verabredet, die uns ihre Stadt und die Umgebung mit den beginnenden Steilstufen des Naturparks Steigerwald etwas näher bringen wollte.

So fuhren wir am frühen Nachmittag von Zürich kommend zunächst in Richtung Bodensee, dann weiter über die Staatsgrenze von Österreich in die Stadt Bregenz hinein, von dort Richtung Kempten und Würzburg in Deutschland.

Innenstadt von Kitzingen Unserem guten Navigationsgerät war es zu verdanken, das wir ohne Umwege bis nach Kitzingen hinein kamen, allerdings ohne den eigentlichen Zielort Albertshofen zu erreichen. Massive Straßenbauarbeiten hinderten uns daran, den Hinweisen des Navis zu folgen und eine der vorgeschlagenen Linksbiegungen vorzunehmen. Erst das Nachfragen bei einem vorbeikommenden Passanten brachte die Lösung, mit der dann etwas später auch das Navi wieder einverstanden war und nicht mehr zur Umkehr aufforderte.

Trotz vorheriger Ankündigung und guter Zeitplanung war dann die Wiedersehensfreude mit Brita doch riesig und wurde am anklingenden Abend mit einem leckeren Grill- und Salatfest im Wintergarten zusammen mit ihren Kinder entsprechend gefeiert. Aufgrund der zahllosen zu erzählenden Erlebnisse seit unserem letzten Zusammentreffen in der Türkei wurde es doch recht spät. Nach einem reichhaltigen Frühstück mit Brötchen, Käse und Marmelade waren wir bereits wenig später in Richtung Kitzingen unterwegs. Kitzingen liegt im nordbayrischen Unterfranken am Westufer des Mains im sogenannten fränkischen Schichtstufenlands auf Muschelkalkboden und ist nicht allein aufgrund dieses guten Bodens für den Weinanbau bekannt.

Bereits aus dem Jahr 745 sind Aufzeichnungen vorhanden, die auf die Gründung eines Frauenklosters durch Hadeloga, der Sage entsprechend eine Tochter des fränkischen Hausmeiers Karl Martell, zurückzuführen sind. Durch die Schönheit des Maintals inspiriert, beschloss Hadeloga angeblich auf der Terrasse des Schlosses ihres Bruders König Pippin III stehend, in dem Flusstal ein Kloster zu gründen. Um den genauen Standort festzulegen, lies sie ihren Schleier vom Wind erfassen, der gerade gen Westen blies. An der Stelle, wo der Schal den Boden wieder berührte, hatte die Gründung des Klosters zu erfolgen, so ihre Anweisung. Ein Schäfer Namens Kitz schließlich fand den Schal am westlichen Ufer des Mains in einem Weinstock. Ihm zu Ehren wurde dieser Platz dann Kitzingen genannt und das Kloster erbaut. Eine weitere Aufzeichnung aus dem Jahr 748 bezeichnet Hadeloga bereits als Äbtissin des Klosters Kitzingen, so das heute das Jahr 745 als Gründungsjahr der Stadt Kitzingen gilt. Da es zu der Zeit weder ein Familienmitglied der Karolinger mit Namen Hadeloga noch ein Schloss oder eine Burg auf dem Schwanberg gab, sind zumindest Teile dieser Geschichten aber wohl eher dem Bereich der Sagen zuzuordnen. Man nimmt heute an, das Hadeloga dem Adelsgeschlecht der Mattonen entstammte, die zu der Zeit ein bedeutendes Geschlecht in der Region darstellten.

Erst um das Jahr 1040 wird eine Siedlung erwähnt, die um das Kloster herum entstanden war. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Zugehörigkeit Kitzingens zu den verschiedensten Grafschaften des Öfteren, so unter Anderem zu den Grafen von Hohenlohe und den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Um der damals üblichen Weinpanscherei ein Ende zu bereiten, trafen sich im Jahr 1482 die Abgesandten der fränkischen Fürsten, der Bischöfe von Würzburg und Bamberg, Vertreter der freien Reichsstadt Nürnberg sowie des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg. Während ihres Treffens legten die hohen Herren fest, welche Bestandteile im Wein enthalten sein dürfen. Jede Zuwiderhandlung sollte in der Folge durch Buße der Weinpanscher und Zerstörung der Weinfässer hart bestraft werden. Das daraus resultierende Gesetz gilt als das 1. Fränkische Weingesetz oder auch als das „Kitzinger Weingesetz“, wodurch Kitzingen bekannt wurde.

Heute bildet die Stadt mit ihren vielen historischen Gebäuden ein Mittelzentrum in der Region, so sind es nur 20 Kilometer bis zur Universitätsstadt Würzburg. Vier Brücken gibt es über den Main, dazu eine Eisenbahnbrücke, die auf starke Frequentierung und damit lebhafte Geschäftigkeit der Stadt hinweisen, wozu auch die Mainschifffahrt beiträgt. Zunehmend kommen auch Touristen in die Stadt, die sich für die Historie interessieren. Von besonderer Bedeutung ist hier auch das Rathaus mit einem wunderschönen Hochzeitszimmer, der von vielen Paaren zur standesamtlichen Vermählung gewählt wird.

Wir beenden unseren Rundgang durch Kitzingen mit einem leckeren Eis vom örtlichen Italiener und beschließen die Weiterfahrt nach Iphofen, einer kleinen Gemeinde etwa 12 Kilometer von Kitzingen entfernt, die noch das mittelalterliche Flair vieler Kleinstädte mit fast vollständig erhaltener Stadtmauer und Wachtürmen aufweisen kann. Um 741 erstmals urkundlich erwähnt, erhielt Iphofen im Jahr 1293 die Stadtrechte von Manegold von Neuenburg, der seiner Zeit Bischof von Würzburg war. Die Stadtbefestigung, die hier in Iphofen wirklich noch als fast vollständig erhalten bezeichnet werden kann, entstammt dieser Zeit. So ist ein wunderbarer Spaziergang durch das kleine idyllische Städtchen genauso angesagt, wie ein Rundgang um den Ort herum. Uns fallen einige Gruppen von Radwanderern auf, die gezielt die mittelalterlichen Städte in der Umgebung Kitzingens anfahren. Neben den historischen Gebäuden der Stadtbefestigung gibt es auch im Stadtkern sehr gehaltvoll restaurierte Gebäude, die den Besuch lohnen.

Wir lernen durch die Bekanntschaft mit einem der Radler und seiner Kinder weiteres Details kennen. Zwecks Vorbereitung einer Klassenarbeit hat sich dieser Vater aufs Rad geschwungen und erläutert nun seinen Kindern einige Details zur Geschichte von Iphofen vor Ort. Wir lauschen interessiert und werden auch gleich mit eingebunden. Viermal wurde die Stadt von der Pest heimgesucht, wodurch die Bevölkerung rapide reduziert wurde. Mit dem Einfall von Söldnergruppen im Jahr 1620 geriet Iphofen auch in die Plagen des Dreißigjährigen Kriegs, was durch eine Vielzahl von Urkunden im hiesigen Rathaus belegt wird. Durch den Befall der Weinberge mit der Reblaus ging der Weinanbau um 1900 rapide zurück. Erst mit der Ansiedlung eines bekannten Herstellers für Gipskartonplatten gab es neuen Aufschwung und Beschäftigung für die Bevölkerung in der Region.

Direkt am großen Stadttor fanden wir einen wunderschönen Naturgarten, der eine Vielzahl von blühenden Pflanzen aufwies. Ein weiterer Anlass zum Verweilen und fotografieren. Das gilt auch für eine mittelalterliche Treppe direkt am Wachturm des Haupteingangs, die in Blockbauweise hergestellt wurde und noch gut erhalten ist. Treppen dieser Art bestehen meist nur aus zwei Massiven Tragehölzern und halbierten Stammabschnitten als Stufen, die mit dem Beil kunstvoll behauen sind. Kleine Raritäten am Rande, die durchaus aussagekräftig sind. Wir nutzten das restliche Tageslichtbevor es zurück nach Albertshofen ging.

Mainfranken (5. Auflage 2015)

Hans-Peter Siebenhaar

Michael Müller Verlag, 324 Seiten, 5. Auflage 2015, farbig, 17,90 EUR (D), 18,40 EUR (A), 26,90 CHF, ISBN 978-3-95654-037-0

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