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Wanderung zur Großen Höhe und zur Delme-Aue

Wanderung zur Großen Höhe und zur Delme-Aue

Eigentlich sollte der Besuch in Bremen zu einer Geburtstagsfeier im üblichen Rahmen mit Torte, Kuchen und Kaffee führen, doch es kam ganz anders.

Noch am Tag zuvor war ein vormittäglicher, gemeinsamer Einkaufsgang geplant, der nicht allein aufgrund zunächst zaghaft durchbrechender Sonnenstrahlen zu der "Programmänderung" führte: auf zum Segelflugplatz Große Höhe und zur Delme-Aue, kurz Adelheide.

Nach einem morgendlichen Kaffee war unser Interesse nach einem Einkaufsbummel wie weg geblasen und so fiel relativ schnell die Entscheidung, doch durch Delmenhorst in Richtung Wildeshausen zu fahren, um einen ausgiebigen Spaziergang entlang der Großen Höhe bis zur Auen-Landschaft der Delme zu unternehmen. Die Delme ist ein lediglich 46 km langes Fließgewässer südwestlich von Bremen, das in Twistringen entspringt, dann den Stadtkern unterirdisch durchquert und über Harpstedt durch das Stadtgebiet von Delmenhorst fließt. Am Stadtrand von Bremen mündet die Delme in die Ochtum, einen linksseitigen Zufluss der Weser. Auf ihrer Fließstrecke überwindet die Delme einen Höhenunterschied von nahezu 50 m, so das eine, für die grundsätzlich flache Region, starke Fließgeschwindigkeit entsteht. Die Delme bildet damit auch so etwas wie einen Rahmen um das Gebiet der Großen Höhe, wo noch heute ein Segelflugplatz betrieben wird.

Im Rahmen der allgemeinen Aufrüstung hatte die NSDAP bereits 1934 südlich der Stadt Delmenhorst auf einem militärischen Übungsgelände ein Flugfeld eingerichtet. Hier auf der Großen Höhe führte die Partei-Organisation NS-Fliegerkorps seiner Zeit die Schulung von Piloten auf Segelflugzeugen durch. Schon im April des Jahres 1935 begannen die Bauarbeiten zur Errichtung eines Fliegerhorstes. Es entstanden die üblichen Bauten, aufgeteilt in Administrations-, Flugbetriebs- und Unterkunftsbereich. Neun Flugzeughallen und eine Werfthalle stellten die größten Bauwerke des Flugplatzes dar. Zahlreiche Unterkunftsblocks sind errichtet worden. Die Startbahn war nicht befestigt, der Flugbetrieb wurde auf der Grasnarbe durchgeführt. Direkt südwestlich an das Flugfeld angrenzend, befand sich der Standortübungsplatz "Große Höhe". Auf ihm wurde auch ein Munitionsdepot in Bunkern eingerichtet, das heute als Nist- und Brutraum für Fledermäuse und Vögel dient.

Die Bremer Firma Weser-Flugzeugbau besaß in Lemwerder einen Werksflugplatz, auf dem Sturzkampfbomber Junkers Ju 87 endmontiert wurden. Die fabrikneuen Maschinen steuerten beim Einfliegen Adelheide an, um hier abgefertigt zu werden. Der ebenfalls in Bremen ansässige Konzern Focke-Wulf verlegte im Juni 1941 seinen Musterbau auf den Fliegerhorst, um ihn der wachsenden Gefährdung des Hauptwerkes durch Bombardierungen zu entziehen. Zur Täuschung feindlicher Luftaufklärung ist rund sechs Kilometer westlich bei Uhlhorn ein Scheinflugplatz angelegt worden.

Direkt am Flugfeld sind Parkplätze auf der Grassnarbe eingerichtet worden, denn viele Bürger nutzen Flugfeld und umliegende Waldgebiete für ausgiebige Spaziergänge, die bis an die Delme führen können. Unterwegs gibt es einige Kuriositäten, die teilweise mit der örtlichen Vergangenheit (siehe Wrack eines Kampfpanzers vom Typ Patton) oder aus sonstigen Gründen hier platziert worden sind (siehe Schwert Excalibur im Stein am Seeufer). So gibt es neben der wunderschönen Natur einige Highlights direkt am Wegesrand, die immer wieder zu Zwischenstopps und für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Einmal an der Delme angekommen, wird sofort die Frage nach einer möglichen Befahrbarkeit mit dem Kanu diskutiert, so kurvenreich interessant schlängelt sich das Flüsschen durch die Landschaft: es wird eine Vielzahl attraktiver Ansichtspunkte geben, das ist uns schnell klar.

In großen Bereichen trifft man auf Natur, die sich selbst überlassen erscheint. Bäume, die vom Sturm gebrochen oder umgefallen sind, liegen modernd auf dem Waldboden, bilden Hindernisse für die Spaziergänger, womit wieder neue Pfade entstehen. Hierin ist wohl auch die Ursache zu sehen, das ein Großteil der Wege mit natürlichen Pfaden zu bezeichnen ist, was die Region noch attraktiver macht, kurz ein lohnenswertes Ausflugsziel für eine kurze Wanderung am Stadtrand von Delmenhorst und Bremen, die durchaus in den Naturpark Wildeshausener Geest ausgeweitet werden kann, wo artenreiche Mischwälder, Alleen, Felder durchzogen mit Wallhecken und Sanddünen auf den Wanderer warten. Saftiges Wiesenland mit kleinen Dörfern und Flüssen wie der Hunte, die sich durch die Landschaft schlängeln. Hinzu kommen ökologisch wertvolle Moor- und Heideflächen.

Der Flussabschnitt der Hunte zwischen Wildeshausen und Oldenburg gehört zu den schönsten und ökologisch bedeutendsten an der Hunte. Hier entdecken Sie das wellige Bodenrelief wieder, das nach der letzten Eiszeit durch Einwehungen von Sanden entstanden ist und Lebensraum für etwa 40 Brutvogelarten bietet. Flussuferläufer, Eisvogel und Uferschwalbe sind die markantesten, die Sie vom Boot oder Ufer aus beobachten können. Andere, wie die Gebirgsstelze, Nachtigall und Sumpfrohrsänger können Sie nur hören. Sie leben in Uferwäldern und Gebüschen. Wanderern und Spaziergängern ist der ausgeschilderte Huntepadd zu empfehlen, der als Rundwanderweg alle Aspekte dieser einmaligen Landschaft mit dem historischen Ortskern von Dötlingen verbindet.

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