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Stopp in Alexandroupoli an der Via Egnatia

  • Geschrieben von Portal Editor
Alexandroupoli an der Via Egnatia

Nach unserer zunächst etwas abenteuerlichen Übernachtung auf dem Campingplatz in Kavala waren wir am frühen Morgen zurück auf die Via Egnatia in Richtung Türkei gefahren.

Von vorn herein hatten wir einen weiteren Zwischenstopp in Alexandroupoli geplant, um vor der Einfahrt in die Türkei noch einmal zu tanken und auch um unseren Kühlschrank noch einmal zu füllen. Allein der Dieselkraftstoff ist in Griechenland etwa 30 Cent/Liter günstiger als in der Türkei, ganz zu schweigen von den Einkäufen einer in Deutschland sehr bekannten Lebensmittelkette.

So nutzten wir den Parkplatz des Einkaufszentrum auch, um unser langes Gefährt für einen Kurzaufenthalt am Hafen abzustellen. Alexandroupoli gehört trotz oder gerade wegen der wirtschaftlichen Krise in Griechenland zu den wenigen, aufstrebenden Städten. Eines der Wahrzeichen der Stadt ist der über fast alle Gebäude erhabene Leuchtturm, der Fáros, direkt am Hafen. Von der Küste Deutschlands her betrachtet, sind Leuchttürme eigentlich keine so außergewöhnliche Erscheinung, hier an den Küsten des Mittelmeeres manchmal durchaus. Selbst wenn die einst so wichtigen Funktionen heute längst durch GPS Satellitennavigation abgelöst wurde, ist das Leuchtfeuer immer noch ein wichtiger Bestandteil der Orientierung von See her. Und sei es in Notsituationen, wenn das GPS ausfällt.

Dabei entstammen gerade die Leuchttürme ursprünglich dem Mittelmeerraum. Schon Jahrhunderte vor Christi Geburt gab es im östlichen Mittelmeerraum regen Seehandel zwischen den Hafenstädten der Antike, die das Feuer als Signal für sich nähernde Schiffe nutzten, um auf den richtigen Weg hinzuweisen, sprich den Seefahrern „heimzuleuchten“.  Ganz abgesehen von den Fischern, die meist durch ein kleines Feuer oder Fackeln an Land auf den Weg zurück zur Küste geleitet wurden. Gerade bei widrigen Sicht- oder Wetterverhältnissen war das Feuer eine über Jahrhunderte genutzte Möglichkeit, den Heimathafen zu finden.

Mindestens zwei dieser antiken Feuer sind überliefert und durch Funde auch als gesichert zu betrachten: Der Koloss von Rhodos und der Pharos von Alexandria. Beide sollen um das Jahr 300 vor Christus entstanden sein. Die Forschung ist sich heute allerdings nicht absolut sicher, ob der Kolos von Rhodos wirklich als Leuchtfeuer gebaut wurde und entsprechend diente, bis er im Jahr 224 vor Christus einstürzte. Vom Pharos in Ägypten hingegen weiß man die Funktion recht genau, denn dieser Turm ging erst im Jahr 1303 bei einem heftigen Erdbeben verloren.

In Westeuropa war wohl der „Herkulesturm“ im galizischen A Coruña, Spanien einer der ersten Leuchttürme. Der noch heute genutzte, römische Turm wurde im Jahr 110 von Caius Sevius Lupus fertig gestellt und war ursprünglich 36 m hoch und maß 18 m × 18 m am Fuß. Der Herkulesturm weist Seeleuten also seit der Zeit Kaiser Traians im frühen 2. Jahrhundert ihren Weg.

Der Basiseckstein weist die Weiheinschrift "MARTI AUG. SACR C. SEVIVS LUPUS ARCHTECTUS AEMINIENSIS LVSITANVS.EX.VO" an den Gott Mars auf, was den Originalturm dem Architekten Gaius Sevius Lupus aus Aeminia (heute Coimbra in Portugal) zuordnen lässt. Älteste überlieferte Erwähnung des Leuchtturms stammt von Paulus Orosius in Historiae adversum Paganos (Geschichten gegen die Heiden), aus dem Zeitraum um 415–417:

“Secundus angulus circium intendit, ubi Brigantia Gallaeciae civitas sita altissimum farum et inter pauca memorandi operis ad speculam Britanniae erigit”

(„Der zweite Winkel der Umsegelung [Spaniens] zeigt an, wo die galizische Stadt Brigantium liegt und einen sehr hohen Leuchtturm unter den wenigen erwähnenswerten Bauwerken errichtet hat, zur Betrachtung Britanniens.“)

Unter dem spanischen König Karl IV. wurde der Turm 1788–1791 von Eustaquio Giannini (1750–1814) restauriert. Dabei erhielt der Turm eine klassizistische Umhüllung. Die Maße am Fuß betragen 20 m × 19,5 m. Er ist somit der weltweit älteste noch in Betrieb stehende Leuchtturm, heute 68 m hoch und steht auf einer Höhe von 112 Metern über dem Meeresspiegel. Für Ausblicke auf den Atlantik muss man 242 Stufen hinaufsteigen. Seit Ende Juni 2009 ist der Herkulesturm UNESCO-Welterbe.

Auch der Leuchtturm Hook Head in Irland wird zu den ersten Leuchttürmen des Mittelalters gezählt. Er wurde angeblich 1172 über den Klippen des südirischen Ortes in der Grafschaft Wexford bei Waterford erbaut. Noch heute trägt der Turm sein Feuer in 35 m Höhe.

Im 13. Jahrhundert begannen die Städte der Hanse (Lübeck und Wismar) Kerzen-Laternen in Travemünde bzw. auf den vor gelagerten Inseln in hohen Gebäuden zu installieren, um den Schiffern den Weg zu weisen. Das bestehende Hafenzeichen in Travemünde wurde 1226 sogar kaiserlich privilegiert. 1299 erhielt die Hansestadt Hamburg die Nordseeinsel Neuwerk, um dort eine Feuerblüse zu errichten; dieser wurde im Jahr 1310 fertig gestellt und steht auch heute noch. Um 1625 folgte ein ständiges Leuchtfeuer auf Wangerooge, der so genannte Westturm.

Vielerorts entlang der Küste versuchte man auf den Bau von Leuchttürmen zu verzichten. Anstelle dessen nutzte man die Kirchtürme, was sich aber auf Dauer nicht bewährt hat.

In Alexandroupoli ist man stolz auf sein Wahrzeichen und seine Funktionstüchtigkeit, denn trotz GPS-Satellitennavigation stellt der Leuchtturm für Fischer und Schiffshandel nach wie vor allein aufgrund seiner Höhe eine wichtige Orientierungshilfe dar. Wir brauchten bei unserer Abfahrt vom Parkplatz selbst kein GPS mehr, denn der Weg zur türkischen Grenze war erstens bereits bekannt und zweitens gut beschildert. Nach nur 44 Kilometern war der Grenzübergang erreicht.

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