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Die Planstadt Palmanova am Ciclovia Alpe Adria Radweg

Palmanova am Ciclovia Alpe Adria Radweg

Wir wollten zur weiteren Erkundung des Alpe Adria Radwegs und weiterer besuchenswerter Orte am Radfernweg auch das Teilstück bis Palmanova abfahren.

Die Anfahrt vom Camper Club Gelände in Staranzano bis nach Cervignano ist, wie schon erwähnt, leider noch nicht auf vom Straßenverkehr getrennten Radwegen befahrbar, wir wichen entsprechend auf weniger befahrene Straßen aus. Ab Cervignano nutzten wir dann den asphaltierten Alpe Adria Radweg, der in großen Teilen parallel zur Landstraße und in Teilabschnitten durch herrliche Alleen von Platanen bis in die Stadt Palmanova hinein führt. Unterwegs waren deutlich auch die Glocken des Glockenturmes von Aquileia zu hören, aber dazu später mehr.

Palmanova ist heute eine Kleinstadt von gut 5.500 Einwohnern, die südlich von Udine unmittelbar am Autobahndreiecks der A4 (Venedig-Triest) und der A23 (Abzweig nach Villach) liegt. Die Entfernung nach Udine beträgt etwa 20 km, nach Venedig etwa 120 km, dies vorab zur Lagebeschreibung. Wir sind auf den Ort Palmanova zunächst auch nur "gestoßen", da uns die interessant erscheinende "Form" der Stadt auf der Karte aufgefallen war: ein gleichmäßiger, sternförmiger Grundriss, der natürlich von hoch oben aus der Luft betrachtet besonders deutlich zu erkennen wäre.

Palmanova - Planstadt mit sternförmigem Grundriss

b_450_450_16777215_00_images_italy_trieste_palmanova-planstadt-1.jpgPalmanova wurde tatsächlich zum Ende des 16. Jahrhunderts als militärische Planstadt angelegt und erstaunlicherweise hat sich ihr typischer, sternförmiger Grundriss bis heute komplett erhalten. Als Gründungsdatum der Militärstadt gilt der 7. Oktober 1593, der 22. Jahrestag des Sieges von Lepanto und der Tag der Heiligen Justina von Padua, die zur Schutzheiligen des Ortes bestimmt wurde. Palmanova war als Festungsstadt der Republik Venedig zum Schutz vor den über den Balkan vordringenden Türken angelegt worden. Vor allem aber sollte die Stadt zum wichtigsten Landstützpunkt der Venezianer ausgebaut werden – ein Plan, der dann in der Folge aber bedeutungslos wurde.

Später diente die Festung der Verteidigung gegen die Habsburger, die das benachbarte Friaul und Görz beherrschten.

Die Stadttore Porta Aquileia, Porta Udine und Porta Cividale

b_450_450_16777215_00_images_italy_trieste_palmanova-planstadt-2.jpgDiese Aufgabe erfüllte die Stadt über zweihundert Jahre, ehe sie von Napoleon erobert wurde, der Venetien im Frieden von Campo Formio 1797 Österreich überließ, von 1806 – 1814 seinem Königreich Italien eingliederte, dann aber endgültig den Österreichern abtreten musste. Die Kapitulation Venedigs wurde in Palmanova unterzeichnet.

1866 fiel Palmanova schließlich an Italien. Im Ersten Weltkrieg war Palmanova wichtiger Stützpunkt der Italiener im Hinterland der Isonzo-Front; entsprechend wurden hier Lazarette und Truppenübungsplätze angelegt.

Palmanova wurde als Idealstadttypus mit radialem Straßennetz geplant und auch umgesetzt. Besondere Merkmale waren relativ breite regelmäßige Straßen, so dass die Soldaten aus dem Zentrum (Exerzierplatz in der Stadtmitte, der in seiner riesenhaften Größe für die Kleinstadt Palmanova heute absolut überdimensioniert wirkt) auf schnellstem Wege zu den Verteidigungsanlagen an die Stadtmauern gelangen konnten. Im Zentrum wohnten die befehlshabenden Offiziere, ringsherum die Liniensoldaten und entlang der Befestigung die Söldner.

b_450_450_16777215_00_images_italy_trieste_palmanova-planstadt-4.jpgDie drei großen Stadttore Porta Aquileia, Porta Udine und Porta Cividale haben sich ebenfalls bis heute erhalten, teilweise sogar mit ihren frühbarocken Vorwerken. Die Tore wurden wohl von Vincenzo Scamozzi, einem renommierten Baumeister aus Vicenza, angelegt. Die äußeren drei Festungsringe wurden von innen nach außen angelegt und bilden ein regelmäßiges Neuneck bzw. einen neunzackigen Stern. Der innerste Ring mit dem Flutgraben (fossato) wurde 1593–1620 errichtet, 1665–1683 wurden in die jeweiligen Zwischenräume der neun Bastionen weitere neun (kleinere) Bastionen (so genannte „Ravelins“) eingefügt.

Napoleon schließlich erweiterte die Anlage abermals durch den Bau von neun, den älteren Bastionen vor gelagerten Lünetten.

Stadtmuseum und Militärmuseum in Palmanova

b_450_450_16777215_00_images_italy_trieste_palmanova-planstadt-3.jpgZur Entwicklungsgeschichte der Militärstadt Palmanova gibt es ein Stadtmuseum sowie auch ein Militärmuseum, sehenswert ist auch das Theater mit einer Front aus sechs Säulen sowie eine Reihe von Militärbauten (Magazine, Arsenale), die wir bei unserem Rundgang durch den Ort dank des simplen Stadtplans schnell finden konnten. Der Palazzo del Provvedittore Generale (1598) wurde als Sitz des örtlichen Vertreters der Republik Venedig erbaut. Die Loggia der Großen Garde, Santo Monte de Pietá mit einer Pieta-Statue stammt vom Ende des 17. Jahrhunderts – das Gebäude diente einst der Armenversorgung in der Stadt. Imposant auch der Palazzo Del Governatore dell'Armi als Sitz des Militärbefehlshabers der Festung wie der Palazzo del Ragionato, der Sitz des Schatzmeisters von Palmanova. Das Rathaus der Gemeinde befindet sich an der Piazza Grande. Im Jahr 1960 wurde die Stadt zum Nationaldenkmal erklärt.

Heute ein Trimpfad - Rundweg auf dem Befestigungsring

b_450_450_16777215_00_images_italy_trieste_palmanova-planstadt-5.jpgWelch imposante Ausmaße die Stadt mit ihren Befestigungsringen einnimmt, wird allerdings erst klar, wenn man die Stadtwälle erklimmt und dabei einmal komplett die Stadt umrundet. Übrigens wird dieser Rundweg sogar als Trimmstrecke angeboten. Welch ein System von Gräben, Tunneln und Bunkeranlagen, es ist nicht zu glauben, welch ein Aufwand bei der Erstellung betrieben wurde. Uns hat die Mächtigkeit der Wallanlagen und Stadttore, der riesige Exerzierplatz im Zentrum und die protzigen Bauten wirklich beeindruckt, mal den ursprünglichen Sinn und Zweck der Anlagen an sich etwas in den Hintergrund gedrängt.

Nach unserer ausgiebigen Rundwanderung gibt es am Piazza Grande eine kurze Phase der Erholung bei echtem italienischen Late Macciato bzw. Cappucino, hmmm lecker. Doch nun heißt es zurück auf die Räder, denn es sind noch rund 18 Kilometer zurück.

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