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Lazise am Gardasee - Piazza und Hafenidylle

  • Geschrieben von Portal Editor
Lazise am Gardasee

Vom Brennerpass führte unsere Route hinab über die mächtig erscheinende Franzensfeste, die wir uns gleich für einen späteren Besuch notiert haben, weiter in Richtung Bardolino am Gardasee.

Fast jeder Kilometer hinab in die Veroneser-Ebene brachte auch landschaftliche Veränderungen mit sich, sowohl was die Farbe des Felsgesteins als auch was die Pflanzenwelt anging. So wechselte die Obstplantagenkultur hin zum Weinanbau, die Bewaldung von Kiefern, Tannen und Fichten hin zu Zedern, Zypressen, Oliven, Oleander und zuletzt sogar Palmen, kurz, wir waren im mediterranen Klima des Gardasees angekommen.

Eine erste Enttäuschung gab es allerdings wenig später, da trotz anders lautender Auskunft alle, zumindest von uns angefahrenen Campingplätze, geschlossen waren. Selbst die Daten des Campingführers stimmten nicht mit der Realität überein. So erzählte uns ein Bewohner in der Stadt Lazise wenig später, das nach den Feiertagen zu Allerheiligen Anfang November fast "alles" um den Gardasee herum geschlossen sei. Erst mit Beginn Dezember wären die Campingplätze wieder geöffnet. Eine kuriose Regelung, die aufgrund heute unabhängiger und willkürlicher Zeitplanungen in der Camperszene wirklich nicht mehr vorkommen sollte, zumal sich der Wohnmobil-Tourismus immer mehr ausbreitet. Mit ein wenig Absprache entlang des Gardasees sollte es doch möglich sein, zumindest einen Platz in jedem Ort geöffnet zu halten, bei der Palette von zur Verfügung stehenden Plätzen. So waren wir am Ende froh, in Lazise einen Stellplatz auf dem öffentlichen Parkplatz zu finden.

Zur Orientierung möglicher Reiseinteressierter gleich vorab: Lazise ist eine Kleinstadt mit sandigen Strandabschnitten am Seeufer, idyllischer Hafenanlage und den Ortskern umfassenden Festungsmauern, die den Kern der etwa 6.800 Einwohner zählenden Stadt am Veroneser Südost-Ufer des Gardasees, etwa 23 Kilometer vom Stadtzentrum Veronas entfernt, umgeben. Vorwiegend herrscht hier in der südlichen Gardaseeregion mildes Klima. Die Sommer sind warm aber nicht zu heiß; die Winter mild und mit wenig Regen. Schneefälle kommen höchst selten vor. Aber nun auch einige Informationen zur Historie, bevor es zur Stadterkundung geht.

Erste Anzeichen einer Besiedlung gehen auf vorgeschichtliche Zeiten zurück; damals standen vor dem heutigen Ort Pfahlbauten (Taoli, Bagatta, Bor di Pacengo), deren Grundrisse auch heute noch durch aus der Tiefe des Sees ragende Pfahlstümpfe nachvollziehbar sind. Weitere Siedlungsspuren sind auch aus der mittleren Bronzezeit bekannt, so wurden zahlreiche Funde in den Ortschaften La Quercia, Bor und Porto Pacengo gemacht. Vielfältige Funde gibt es auch aus der Zeit der Römer. Aus dieser Zeit stammen tönerne Öllampen, Münzen, die unter verschiedenen Kaisern geprägt wurden, Steingräber, Bruchstücke einer Gedenktafel, die in eine Ecke der Dogana Veneta eingelassen wurde und eine Votivtafel, die sich heute im Eingang des Rathauses befindet.

862 wird Otto I zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gekrönt. Um mit seinem Heer Italien zu erreichen, zieht der Tross das Etschtal entlang und gelangt von Rivoli aus an die Ufer des Gardasees, wo er sein Lager auf den Wiesen der San Daniele Kirche aufschlägt, deren Fundament kürzlich östlich des Hafens von Pacengo gefunden wurde.

Im Mai 983 verweilt Otto II in Verona, um den Vorstand des Reichstages zu übernehmen, auf dem die Eroberung Süditaliens beschlossen wurde. Bei dieser Gelegenheit erhalten auch achtzehn führende Vertreter Lazises eine Urkunde, die ihnen erhebliche Privilegien einräumt, wie auch das Recht von den aus der Lombardei kommenden Kaufleuten , die im Hafen von Lazise mit ihren Schiffen anlegen, eine Steuer zu verlangen. Weiterhin werden ihnen folgende Rechte zugestanden: vor Lazise auf Fischfang zu gehen, Abgaben auf Transitgüter zu verlangen und die auf dem Markt feilgebotenen Waren mit Steuern zu belegen. Darüber hinaus wurde ihnen die Genehmigung erteilt, die mit Zinnen gekrönte Stadtmauer zu erhöhen und die bereits bestehende Burg zu befestigen, da sie gegen die häufigen Invasionen keinen ausreichenden Schutz bot. Die Burganlage selbst war gegen Ende des 9. Jahrhunderts zur Verteidigung gegen die einfallenden Hunnen erbaut worden. Mehrere Umbauten sowie zusätzliche Festigungswerke folgten. Die Scaliger-Burg zählt zu den besterhaltenen Festungsanlagen am Gardasee. Charakteristisch ist der viereckige Grundriss des sechs-türmigen Scaligerkastells. Neben seinen fünf etwas kleineren Türmen besteht es aus einem mächtigen Hauptturm, dem so genannten Mastio. Der Burgkomplex befindet sich im Park der Villa Bernini und war damit für uns leider nicht zugänglich.

Im 11. Jahrhundert war Lazise eine Hafenstation, die im Besitz des bürgerlichen Hauses der Bevilacqua war, derer Vertreter hier die Burg ausbauten. Lazise war schon oft Mittelpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen. Der heutige Fischerhafen, der zur damaligen Zeit als Liegeplatz der venezianischen Galeeren und Boote galt, welche die Aufgabe hatten, das Veroneser Süd-Ostufer zu bewachen und zu beschützen, diente einst als Kriegshafen. Der Ort konzentrierte sich zu dieser Zeit auf den Handel und das Militärwesen. Weiterer Ausbau sowie die Verstärkung dieser Schwerpunkte wurde durch nachfolgende Herrscher realisiert. Erst durch die Scaliger verwandelte sich die heutige Altstadt in ein Bollwerk, das der Verteidigung der errichteten Waffenlager diente.

Im Mai 1509 unterlag das venezianische Heer in den kriegerischen Auseinandersetzungen bei Agnadello. Nach neuesten Erkenntnissen soll der Kapitän der Galeerenflotte, Zuane Moro, die gesamten Schiffe mit Steinen beschwert, in Brand gesetzt und schließlich versenkt haben. Vor dem neuen Hafen von Lazise befindet sich in etwa 500 Meter Entfernung vom Ufer in einer Tiefe zwischen 24 Metern und 27 Metern das Wrack der im 16. Jahrhundert gesunkenen Galeere, die eine Größe von 30 Metern Länge und 3 Metern Breite hat. Ab 1607 wurde das Arsenal unter Herrschaft der Serenissima zur Zollstelle. Auf dem ganzen Gardasee und dem norditalienischen Fluss Etsch wurde mit Waren wie Getreide, Papier, Stoffe, Öl sowie Eisenartikel gehandelt. Die Gegebenheit einer vorrangigen Stellung im Handel war dadurch gesichert. Nachdem sich die napoleonische Besetzung zurückgezogen hatte, war der Ort von 1815 bis 1866 in österreichischem Besitz. Doch nun zurück zu unserem weiteren Tagesverlauf.

Nach dem Einrichten des Campingwagens machten wir uns auf, den Ort selbst zu entdecken. Lazises Ortskern ist zum großen Teil von den im Mittelalter von den Skaligern errichteten Stadtmauern mit ihren Wachtürmen und Stadttoren umgeben. Das Zentrum wird von der ebenfalls aus dem Mittelalter stammenden Burg überragt. Es gibt drei große Stadttore, durch die man in das Innere der historischen, autofreien Altstadt gelangt. Zum einen über den Haupteingang, der direkt an der verkehrsträchtigen Straße namens Via Gardesana gegenüber dem öffentlichen Parkplatz liegt, zum anderen über die Rosenheimstrasse (Via Rosenheim), die aufgrund der Partnerstadt Rosenheim so bezeichnet wurde, und schließlich über die Straße namens Via Bastia, an der auch ein wunderschöner, gemeindeeigener Campingplatz liegt (leider auch geschlossen).

Lazise besitzt heute zahlreiche, malerische Ecken wie die Piazza Vittorio Emanuele und den kleinen Hafen, in dem noch die typischen Fischerboote liegen. Die Häuser und Bogengänge um den Hafen herum sowie die charakteristischen Gassen der Altstadt beherbergen zahlreiche Bars, Restaurants und Geschäfte. Der alte Hafen schmückt sich mit der kleinen romanischen San Nicolò Kirche und der Dogana Veneta, dem unter der Herrschaft der Republik Venedig erbauten Zollgebäude, das ursprünglich als Arsenal der Scaliger und der Venezianer genutzt wurde. Beide Bauwerke wurden restauriert und stehen heute für Veranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen zur Verfügung. Das Gebäude war auch Stützpunkt für die Produktion von Salpeter zur Herstellung von Schießpulver, beherbergte dann schließlich die Zollstelle für die Waren, die von Venetien im- und exportiert werden sollten und verfügte außerdem über eine Baumwollweberei sowie die “Casa del Fascio” (Verbandshaus).

Im oberen Teil des Hauptturmes sind noch die alten Wappen zu erkennen, auch wenn sie zuerst Kaiser Maximilian und später Bartolomeo und Antonio della Scala zertrümmern ließen. "Die Gerechtigkeit des Mondragòn gibt demjenigen unrecht, der recht hat." ("La giustizia del mondragòn la ghe dà torto a chi g'ha rasòn"): Dieses Sprichwort sprachen die Lazisiensi, wenn sie das Mauerwappen kommentierten. Es macht deutlich, welch mangelndes Vertrauen die Bürger von Lazise der Gewaltherrschaft entgegenbrachten.

Ein weiterer Hinweis: Im Ortsteil Colà di Lazise gibt es die "Therme di Colà"

Etwa drei Kilometer entfernt von Lazise befindet sich der 13 Hektar große Park "Villa dei Cedri", der einen etwa 5.000 m² großen Thermalsee aufzuweisen hat. Die Existenz dieses Thermalsees ist auf eine unbekannte Person zurückzuführen, die die Idee hatte, nach einer Grundwasserader zu bohren, um die im Park befindlichen Bäume und Gewächse zu bewässern. Die Bohrungen trafen in 160 Metern Tiefe auf 37 °C heißes Grundwasser.

Heute verfügt die Therme über unterschiedliche Brunnen und ein Hydro-Massage-Becken. Die tägliche Wasserzirkulation des gesamten Thermalsees beläuft sich auf etwa die Hälfte des Seevolumens. Dies entspricht einer ungefähren täglichen Wassermenge von 3.500 m³. Das Wasser ist bakteriologisch gereinigt, frei von chemischen Schadstoffen und hat einen geringen Mineralgehalt. Es hat somit heilende Wirkung und hilft prophylaktisch und therapeutisch gegen zahlreiche Erkrankungen der Haut und bei Durchblutungsstörungen.

Wir hatten, auch aufgrund des einsetzenden Regens, zunächst genug gesehen, um am kommenden Tag unsere Besuchsfahrt fortzusetzen. Hoffentlich spielt das Wetter dann wieder mit.

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