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Die Festung Klis - Bollwerk zur Halbinsel von Split

  • Geschrieben von Portal Editor
Die Festung Klis

Schon am frühen nächsten Vormittag war der erste Punkt unseres Besichtigungsprogramms angesagt, der in die Burg und Festung von Klis führen sollte. In der wechselhaften Geschichte Splits und Umgebung hatte die Festung immer eine entscheidende Rolle gespielt, denn sie war zunächst zu passieren, wenn man vom Hinterland zur Küste wollte.

Das galt sowohl für die Illyrer als auch später für die Römer, denn von hier aus war die Straße von Salona ins Landesinnere einfach zu überwachen. Später, in der Zeit der Völkerwanderung kaum noch von Bedeutung, wurde die Burg Klis im 9. Jahrhundert von dem kroatischen Fürsten Trpimir I. neu angelegt. Der Ort diente in den folgenden Jahrhunderten auch den kroatischen Königen wiederholt als Residenz.

Nach einigen tiefer gehenden Erläuterungen zur Olivenernte des Jahres 2014, die wohl aufgrund der klimatischen Bedingungen fast komplett ausgefallen ist, sowie den möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen für die gesamte Region, ging es dann auf Nebenstraßen bis zum Parkplatz unterhalb der Festung stetig bergauf. Fast schon türkisch waren die vielen Telefonate zu nennen, die Robi während der Fahrt führte. Erst später sollten wir erfahren, vor welchem Hintergrund dies geschah. Wir machten uns auf den kurzen Anstieg zur Festung, hörten dabei aufmerksam den Erläuterungen Robis zu.

Im 13. Jahrhundert gelangte Klis in den Besitz der kroatischen Adelsfamilie Šubić. Als das Geschlecht mit Mladen III. Šubić 1354 ausstarb, sollte der bosnische Ban Tyrtko die Festung für den ungarischen König in Besitz nehmen. Ihm kam der serbische Zar Stephan Dušan zuvor, dessen Truppen Klis 1355 besetzten. Nach Dušans Tod im selben Jahr stand Klis abwechselnd unter ungarischer und bosnischer Herrschaft, wurde aber stets als Lehen an einen kroatischen Adligen ausgegeben.

Mittlerweile war eine weitere Person am Burgtor angekommen und so erfuhren wir auch den Hintergrund eines Teils der Telefonate, das Burgtor war verschlossen und der Kollege brachte den Schlüssel. Um es abzukürzen: In den kommenden Tagen sollten wir einige Überraschungen in der Organisation erleben, die kurz per Telefon abgeklärt wurden, so hatten wir Zugang in die verschiedenen Museen, Stadtarchive, selbst in das Kloster hinein.

Einmal durch das erste Tor der Festung eingetreten, wurde schon klar, das auch die Lage dieser Burganlage als schier uneinnehmbar gelten musste. Es folgten noch zwei weitere Tor, wobei es stetig auf schmalem Grad bergan ging. Vom Grundrissplan eine sehr schmale aber in die Länge gezogene Anlage, die maximal 30 Meter breit ist. Sehr gut zu verteidigen, wenn denn genügend Proviant vorhanden ist. Robi hatte auch zu den Osmanen viele Details parat, sprach Seher gegenüber spaßeshalber oftmals noch von den "Feinden", zu denen ja auch sie gehörte. Kurz, der Festungsbesuch, wie später auch all die weiteren Kurzaufenthalte, gestalteten sich als absolut informativ ohne das es je zu viel des Informationsflusses wurde. Aber dazu später mehr.

Nachdem das Osmanische Reich im Jahr 1463 Bosnien und wenig später auch Herzegowina (1482) erobert hatte, häuften sich die Überfälle auf Spalatiner im Landgebiet der Stadt (Entsprechend des Namens der Stadt Split zu Zeiten der Römer "Spalato/um", nannten sich deren Bewohner Spalatiner). Obschon Venedig die Osmanen in verschiedenen Kriegen (Dritter Osmanisch-Venezianischer Krieg 1499–1503) zu Friedensschlüssen zwingen konnte, gingen die Überfälle auf Spalato und andere venezianische Schutzgebiete dennoch weiter.

1522 versuchten die Osmanen die Festung Klis oberhalb Spalatos einzunehmen, was mit Unterstützung des Erzbischofs Tommaso de Nigris (Toma Nigris) abgewehrt werden konnte. Die spalatinischen Humanisten Marcus Marulus Spalatensis (Marko Marulić/Marco Marulo) und Franciscus Natalis (Franjo Božičević Natalis) untermauerten die antiosmanische Stimmung in der Stadt. Petar Kružić (Peter Krusitsch), Hauptmann der Festung Klis, hatte sich mehr als 20 Jahre lang osmanischer Angriffe erwehrt, als er 1537 im Zuge des Vierten Osmanisch-Venezianischen Krieges (1537–1540) fiel und mit ihm die Festung, die fortan als osmanischer Vorposten für Angriffe auf Spalato diente.

Im Zuge des Fünften Osmanisch-Venezianischen Krieges (um Zypern) fielen 1571 mit Solin und Kamen (Sasso di Spalato) Teile des Landgebietes der Stadt an die Türken. Ein Versuch der Rückeroberung schlug fehl. Anfang der 1570-er Jahre gründete sich eine jüdisch-sephardische Gemeinde in der Stadt, im nordwestlichen Teil des Palastbezirks, deren 1573 angelegter Friedhof auf dem Marjan bis heute besteht.

Die Osmanen errichteten eine Moschee und machten Klis zum Mittelpunkt eines Sandschaks. Von Klis aus bedrohten osmanische Truppen lange Zeit das venezianische Dalmatien. 1596 gelang den Venezianern erstmals die Eroberung von Klis; sie mussten die Festung jedoch nach kurzer Zeit wieder räumen. Trotz des oft feindseligen Verhältnisses zwischen der Markusrepublik und den Osmanen war der Handelsverkehr zwischen der dalmatinischen Küste und dem Inneren des Balkans nie für lange Zeit unterbrochen. Der wichtigste Handelsweg verlief von Split über Klis nach Sarajevo. Sowohl dalmatinische als auch türkische Kaufleute waren mit Eselskarawanen auf dieser Route unterwegs. 1648 konnten die Venezianer Klis während des Candia-Kriegs unter dem Befehl von Leonardo Foscolo erneut erobern. Während Kreta zur gleichen Zeit aufgegeben werden musste, konnte die Republik Klis gemäß dem Friedensvertrag von 1669 erhalten werden.

Die Pest raffte Ende des 16. Jahrhunderts 7.000 der 10.000 Einwohner dahin, nach erneuter Epidemie 1607 blieben nur noch 1.400 Spalatiner zurück. Weitere Kriege (Sechster Osmanisch-Venezianischer Krieg (um Kreta), 1645–1669, und Siebter Osmanisch-Venezianischer Krieg (Großer Türkenkrieg), 1684–1699) beeinträchtigten Spalatos Entwicklung und trugen zum Niedergang Venedigs und seiner Besitzungen bei. Immerhin gelang es General Leonardo Foscolo 1645, den Osmanen die Festung Klis wieder zu entreißen, die fortan osmanischen Einfällen ins Landgebiet der Stadt vorbeugen konnte. Doch 1657 drang noch einmal Hersekli Ahmed Paşa ins Landgebiet bis vor die Mauern der Stadt. Daraufhin errichtete der Festungsbaumeister Alessandra Maglio mächtige Bastionen und Wälle um die Stadt, wie sie Giuseppe Santini 1666 kartographisch erfasste.

Mit der sukzessiven Zurückdrängung der Osmanen im frühen 18. Jahrhundert rückte die Bedrohung auch territorial weit von Spalatos Landgebiet weg. Mit dem Ende der Republik Venedig, das Napoleon 1797 herbeiführte, übernahm Österreich deren dalmatinische Besitzungen und so auch Spalato. Doch dies währte nicht lange, denn 1806 eroberte General Lauriston Spalato für die französischen Illyrischen Provinzen (1807–1813). 1806 und 1807 begann auf Befehl Auguste Viesse de Marmonts der Abriss der Wälle und Bastionen, der in der folgenden österreichischen Periode abgeschlossen wurde.

Wir hatten schon jetzt bei der ersten Besichtigung einen groben Überblick der geschichtlichen Abläufe erhalten, wofür wir sehr dankbar waren. Hatte man doch zunehmend das Gefühl, die Zusammenhänge zwischen den historischen Bauten, der natürlichen Landschaft und deren Bewohner besser zuordnen zu können. Von nun an sollte es um die Antike gehen und was in der Region um Split noch entstehen könnte.

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