Künstler in der Grottenau in Augsburg: Ars Dilettanti

Grottenau in Augsburg: Ars Dilettanti

Einiger Termine machten unseren Aufenthalt in Augsburg notwendig, die wir wieder einmal bei unseren Freunden Lydia und Georg verbrachten, als uns per Mail die Einladung zu einer Kunstausstellung in die Grottenau erreichte.

Georg setzte die Grottenau in der Innenstadt mit der ehemaligen Oberpostdirektion gleich, was unser Interesse insbesondere beförderte, da uns der Zusammenhang unklar erschien.

Grottenau - das Erdgeschoss für eine Poststelle genutzt

ars deletanti 01Wenig später lernten wir das in den oberen Etagen leer stehende Gebäude, dass im Übrigen über ein sehenswertes Treppenhaus und eine entsprechende Schalterhalle verfügt, kennen und schätzen.

Historisch betrachtet ist die Grottenau eher "nur" der Name einer Straße, der allerdings zurück bis in das Jahr 1465 nachgewiesen werden kann.

Früher wurden in der Region Augsburg zweirädrige Weinkarren als "Grotten" bezeichnet, die hier in der Au in unmittelbarer Nähe der Weinschenken und Herbergen abgestellt wurden, damit man sie immer schnell erreichen konnte, denn bis ins 16. Jahrhundert hinein wurde hier der Weinmarkt abgehalten.

ars deletanti 02Während des Zweiten Weltkriegs wurden einige Gebäude an der Grottenau zerstört und später ersetzt, lediglich die Oberpostdirektion blieb im Ursprung erhalten.

Allerdings wurde nur noch das Erdgeschoss für eine Poststelle genutzt, die oberen vier Geschosse stehen leer.

Was also sollte einer Nutzung von rund 40 Kreativen entgegen stehen, die mit der Ausstellung „Ars Dilettanti 2“ diese vier Stockwerke des alten Postgebäudes für vier Tage mit Poesie, Bildern und Installationen befüllen wollen?

Nur eine Zwischennutzung der Räumlichkeiten, in denen jahrelang Büroräume der Telekom untergebracht waren!

Kunstprojekt „Ars Dilettanti“ bereits zum zweiten Mal

ars deletanti 05Zwischen 40 und 50 Künstler aus den unterschiedlichsten Bereichen der Kunst nutzten dann die über drei Etagen verteilten Räume um ihre Exponate einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen.

Die Organisatoren der Kunstaktion hatten zunächst ein breites Spektrum an Künstlern eingeladen, die sich mit den vorhandenen Räumlichkeiten vertraut gemacht hatten, um dann in Eigenregie auf verschiedenen Weise ihre Performances und Installationen auf den Etagen zu verteilen.

Die fünf Organisatoren, in diesem Zusammenhang auch „Direktoren“ genannt, führen das Kunstprojekt „Ars Dilettanti“ bereits zum zweiten Mal durch: Kunsthistorikerin Hilde Strobl, Diplom-Kulturarbeiter Tobias Sommer, Steinmetz- und Steinbildhauermeister Florian Freyer und die Diplom-Designer Simone Kunz und Christoph Sauter.

ars deletanti 06Den Begriff des "Dilettanten" verstehen die Organisatoren dabei in seiner ursprünglichen Bedeutung: Der Dilettant übt eine Sache um ihrer selbst willen aus, also aus Vergnügen oder Leidenschaft.

Daher ist das Kunstprojekt „Ars Dilettanti“ auch keiner städtischen Einrichtung unterstellt, erhält keinerlei öffentliche Finanzierung und agiert auch ohne jegliche Anbindung an städtische Institutionen.

Die Veranstalter beschreiben das so: "Wir müssen nicht, wir wollen...!"

Was wir dann zu sehen bekamen, war das wirklich mit breit zu bezeichnende Spektrum von Kunst aus allen nur erdenklichen Bereichen, mal absolut technisch interessant, dann wieder mit vielen Fragezeichen zu versehen oder gar kaum nachvollziehbar.

ars deletanti 07Vermissten wir so doch zumindest teilweise ergänzende Erläuterungen in dem Sinn: "Was will uns der Künstler mit diesem Objekt sagen .....!"

Zum Austausch der eigenen Gedanken mit denen der anderen Besucher war im obersten Stockwerk die Panorama-Bar mit Blick auf die nächtliche Silhouette der Stadt installiert, ein möglicher Weg zurück in die Realität des täglichen Lebens.

Auf diesem Weg unseren Glückwunsch an die Organisatoren.

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