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Volkskunst Teppichknüpfen - Kilims aus Seide

  • Geschrieben von Wolfgang Dorn
Volkskunst Teppichknüpfen

Der Inbegriff türkischer Volkskunst sind die Teppiche, die wie der Bauchtanz oder die Wasserpfeife zu den unverwechselbaren Eindrücken einer Reise in die Türkei gehören. 

Türkische Teppiche sind Kunstwerke besonderer Art und erzählen mit ihren vielfältigen Mustern, die zunächst meist ornamental waren und später durch Tier- und Pflanzenmuster ergänzt wurden, und ihren Farben die Geschichte ihrer jeweiligen Stämme und Regionen. Teppiche sind Erfindungen der turkmenischen Nomadenstämme Mittelasiens, wo bereits im 9.Jh. die Knüpfkunst in hoher Blüte stand und ihre Technik von Generation zu Generation weitervermittelt wurde. 

Mit den Seldschuken gelangten die Teppiche, "das schönste Geschenk der Türken an die islamische Kultur" nachKleinasien und mit den Timuriden bis nach Indien. Die Kreuzritter brachten sie nach Europa, wo man sich aber erst  nach den großen Türkenkriegen zu Ende des 17. Jahrhunderts für diese Kunstwerke interessierte. In der italienischen und spanischen Malerei der Renaissance wird der Teppich als dekoratives Element verwendet. Er erscheint auf Bildern und Fresken, vor dem Thron des Herrschers, zu Füßen der Madonna und später als Tischbedeckung. Das Gemälde von Hans Holbein d. Jüngeren, "Die französischen Botschafter am englischen Hof", haben einer ganzen Generation von Teppichen den Namen gegeben, den sog. "Holbein-Teppich". 

Die bedeutendsten und ältesten Fragmente anatolischer Teppiche (Mitte des 13. Jh.) sind in der Ala eddin Moschee in Konya ausgestellt. Marco Polo durchquerte auf seiner Rückkehr aus China 1271 Anatolien und beschreibt die türkisch-anatolischen Teppiche als die schönsten der Welt. Diese Feststellung ist keine Übertreibung des Venezianers sondern wird durch arabische Quellen bestätigt, so von Ibn Said und Ibn Battua, die berichteten, dass die anatolischen Teppiche so beliebt seien, dass sie bis nach Ägypten, den Irak und nach Persien ausgeführt würden. Für die Nomaden Mittelasiens waren Teppich und Kelims Schutz vor Kälte, zugleich Schlafdecke und Bodenbelag in den Zelten, aber auch festliche Raumdekoration und als Satteltaschen nützliche Utensilien für den Transport von Gütern. Mit der Islamisierung der türkischen Nomadenvölker erhielt er als Gebetsteppich eine zusätzliche Funktion in der Moschee. 

Das heutige Angebot an Teppichen ist unübersehbar und ihr Wert für den Laien kaum einzuschätzen. Neben älteren Teppichen werden vor allem moderne Knüpfprodukte angeboten, die aber in ihren Mustern und Techniken den alten Verfahren und Vorbildern folgen. Das Material der Teppiche besteht aus Wolle, Baumwolle, Kunstseide oder Naturseide. Seidenteppiche, deren Naturseide vorwiegend aus Bursa stammt, das bis heute ein Zentrum der Seidenraupenzucht ist, zählen zu den wertvollsten Erzeugnissen. Die Mehrzahl der Teppiche jedoch werden aus der Wolle der anatolischen Hochlandschafe geknüpft. Sie liefern eine hochwertige, fettreiche Wolle, die besonders strapazierfähig ist. Aus ihr werden per Hand oder maschinell unterschiedlich dicke Wollfäden hergestellt, die den Teppichen die Weichheit und die hohe Lebensdauer verleihen. Die Knoten, die den Flor ausmachen, bestehen aus Wolle. Der türkische Teppich weist fast ausschließlich den Gördes- oder türkischen Knoten auf, einen Doppelknoten, der jeweils zwei Ketten umfasst und nach oben durchgezogen wird. In Persien wird der Sine- oder persische Knoten verwendet, der nur um einen Kettenfaden geschlungen wird.
Bei den größeren Teppichen sind die Kettfäden meist aus Baumwolle, die in den südlichen Regionen der Türkei angebaut wird, vor allem in der Cukurova, einer Schwemmlandschaft südlich von Adana. Die Türkei ist der drittgrößte Baumwollproduzent der Welt.

Nicht nur der Teppich, sondern auch der Kelim (türk. kilim, Webteppich) ist ein typisches Produkt der nomadischen Lebensweise. Kelims werden gewebt, deshalb besitzen sie keinen Flor. Die Farben werden aus Pflanzen und Mineralien gewonnen, deren Zusammensetzung von den Knüpferfamilien als Geheimnis gehütet wird. Die Farbstoffe werden den Blättern, Wurzeln und Früchten verschiedener Pflanzen entzogen. 

Mit der Farbgebung ist zugleich eine tiefgehende Symbolik verbunden. Rot symbolisiert Reichtum, Glückseligkeit und Freundschaft, grün ist die Farbe des Paradieses, blau die des Adels und der Pracht, gelb bedeutet Schutz vor dem Bösen und schwarz das Reinigen von weltlichem Schmerz. Heute werden neben pflanzlichen auch synthetische Farbstoffe verwendet. Handgeknüpfte Teppiche werden im allgemeinen nach den Gebieten und Orten genannt, in denen sie hergestellt werden. Die feinsten und berühmtesten Teppiche der Türkei werden seit osmanischer Zeit in dem kleinen Küstenstädtchen Hereke südlich von Istanbul geknüpft. Die Teppiche aus den Manufakturen von Hereke waren ausschließlich für den Sultanshof und für hohe Würdenträger bestimmt. Die Feinheit des Materials ermöglichte es, mehr als eine Millionen Knoten auf einem Quadratmeter zu knüpfen. In Mittelanatolien ist Kayseri, am Kreuzpunkt traditioneller Karawanenwege eines der bedeutendsten Knüpfzentren der Türkei. Hier werden nach alten Techniken an ca. 10 000 Knüpfstühlen Teppiche hergestellt, die einen bedeutsamen regionalen Wirtschaftsfaktor bilden. Fast jedes Haus besitzt einen oder mehrere Knüpfstühle, an denen vor allem Frauen und Kinder sitzen und viele Stunden am Tag arbeiten. Neben Hereke ist Kayseri auch ein Zentrum für die Herstellung von Seidenteppichen aus Naturseide, vor allem aber aus Kunstseide. Neben diesen Orten sind in Zentralanatolien vor allem Kirsehir, Nigde, Mucur, Yahyali und Konya zu nennen, das durch den Ladikteppich bekannt ist.

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