Gedenken - orthodoxe und katholische Christen in Nizäa

 Christen in Nizäa

In einem bereits am Donnerstag geführten Interview hatte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios von Istanbul angekündigt im Jahr 2025 die anstehende 1.700 Jahrfeier des Konzils von Nizäa mit orthodoxen und katholischen Christen gemeinsam zu begehen.

Nizäa liegt in der heutigen Türkei und ist damit für Christen ein nicht unproblematischer Ort, dies vor allem auch vor dem Hintergrund der gerade wieder neu aufflammenden Diskussion um die Umwandlung der einst christlichen Kirche Hagia Sophia in eine Moschee. Mustafa Kemal Atatürk hatte für die Umstrukturierung zum Museum gesorgt, so das sowohl Christen als auch Moslems das "Gebäude" Hagia Sophia aufsuchen konnten.

Nach Presseinformationen ist diese als bahn brechend zu bezeichnende Veranstaltung und Feier im Jahr 2025 nach Angaben Bartholomaios bereits mit Papst Franziskus in Jerusalem so vereinbart worden. Die Spitzenvertreter der orthodoxen und der katholischen Kirche hatten sich am Sonntag davor in Jerusalem getroffen.

Das Konzil von Nizäa hatte im Jahr 325 mehr als dreihundert Bischöfe der damaligen Ost- und der Westkirche zusammengebracht; es verabschiedete ein Glaubensbekenntnis, das noch heute in den Gottesdiensten gesprochen wird. Der Text betont, dass Jesus „eines Wesens mit dem Vater“ ist; der Satz war gegen die so genannten Arianer gerichtet. Teilnehmende Bischöfe des Konzils kamen u.a. auch aus dem gerade von uns besuchten Stobi in Mazedonien.

Streitfrage führte zum ersten Konzil in Nizäa

Die Kontroverse begann 318 in Alexandria während einer informellen Diskussion über die Dreieinigkeit, die der Bischof Alexander mit seinen Ältesten führte. Einer der Ältesten, Arius, warf dem Bischof in der Diskussion Sabellianismus vor (Sabellianismus sieht Gott als eine Person, die sich auf dreifache Weise manifestiert) und erklärte dagegen seine Meinung: es gab eine Zeit, da Jesus nicht war und aus dem Nichts ist er geschaffen, die er mit einigen Bibelversen belegte.

Gegen diese Lehre wehrte sich später ein junger Diakon des Bischofs, Athanasius, energisch. Ihm ging es nicht um philosophische Überlegungen, er kämpfte für die Erlösung. Jesus, der Retter der Welt und aller Menschen, konnte nicht selbst ein erlösungsbedürftiges Geschöpf sein. Wenn Arius aus Jesus ein Geschöpf mache, raube er der Menschheit den Erlöser. Athanasius erinnerte an Johannes 1.

Es kam 319 zu einer von Alexander einberufenen lokalen Synode der Bischöfe von Libyen und Ägypten. Die von Arius vertretene Lehre, dass Jesus Christus als Sohn Gottes ganz klar Gott untergeordnet, also „subordiniert“ sei, wurde einmütig als Irrlehre verurteilt und Arius aus Alexandria verbannt. Arius verbreitete jedoch seine Lehre mit Unterstützung der einflussreichen Bischöfe Eusebius von Nikomedia und Eusebius von Caesarea weiter, und die Kontroverse dehnte sich innerhalb kurzer Zeit auf den gesamten christlichen Osten aus.

Kaiser Konstantin persönlich appellierte an Bischof Alexander und Arius, sie sollten sich in der christologischen Frage um die Beziehung zwischen Gott und Jesus Christus einigen. Als er sah, dass eine gütliche Schlichtung nicht möglich war und der Streit auch in der Bevölkerung eskalierte, so dass er die Stabilität im Reich gefährdet sah, berief er 325 über 1800 Bischöfe zu einem allgemeinen Konzil nach Nicäa bei Konstantinopel ein.

Jedoch kamen nur 318 Bischöfe zusammen, und nach hitzigen Diskussionen setzte sich die Position des Alexander gegen die Anhänger des Arius, die Arianer, durch.

In seinen Ausführungen nannte Bartholomaios das Konzil von Nizäa „das erste wirklich ökumenische Konzil“. Nizäa wird heute Iznik genannt und liegt etwa 130 km südöstlich von Istanbul; in der Stadt fanden mehrere Konzilien statt, heute ist dort noch eine Hagia-Sophia-Kirche sowie eine Vielzahl weiterer Gebäude aus der Römerzeit zu sehen.

Gemeinsamer Ostertermin der katholischen und der Orthodoxen Christen

Weiterhin bestätigte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios, dass er mit dem Papst auch über eine Vereinheitlichung des Ostertermins gesprochen habe. Bislang feiern katholische und orthodoxe Christen Ostern an unterschiedlichen Tagen, je nachdem, ob sie dem gregorianischen oder dem julianischen Kalender folgen. Das Thema soll auf einem Pan-Orthodoxen Konzil besprochen werden, das an Pfingsten 2016 in Istanbul im Phanar stattfinden soll, dem Amtssitz von Bartholomaios. Ein einheitlicher Ostertermin wäre vor allem für Christen im Orient wichtig; dort gehören Ehepartner häufig unterschiedlichen christlichen Konfessionen an und können deswegen Ostern nicht gemeinsam feiern. Im Heiligen Land wurde der Termin des Osterfestes kürzlich vereinheitlicht.

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