Martin Luthers Verhör im Stadtpalast von Jakob Fugger

Martin Luthers Verhör im Stadtpalast von Jakob Fugger

Dreimal – am 12., 13. und 14. Oktober 1518 – wurde Martin Luther im neuen Stadtpalast Jakob Fuggers in Augsburg von dem aus Rom angereisten Kardinallegaten Cajetan verhört.

Er sollte den Mönch aus Wittenberg zum Widerruf seiner ab 1517 verbreiteten 95 Thesen bewegen. Doch Luther widerstand. Die Fuggerhäuser, St. Anna und die Lutherstiege sowie weitere Orte in Augsburg erinnerten im vergangenen Jahr ausführlich an das Ereignis von vor 500 Jahren – ein zentrales Datum der Reformationsgeschichte.

Wir waren zu Besuch bei Freunden als wir die Möglichkeit erhielten während eines kleinen Stadtbummels die Kirche bzw. das Kloster St. Anna mit der bekannten Lutherstiege im Zentrum von Augsburg zu besuchen.

b_450_450_16777215_00_images_kultur_religion_luther-fugger-4.jpgZwei Wochen hielt sich Martin Luther, der Mönch aus Wittenberg, in Augsburg auf. Im Oktober 1518 verweigerte er beim dreitägigen Disput mit Kardinal Cajetan in den Fuggerhäusern todesmutig – den für "Ketzer" vorbestimmten Tod auf dem Scheiterhaufen vor Augen – den Widerruf seiner Thesen. Das war das erste Mal, dass in der Fuggerstadt Augsburg ein Meilenstein der Reformationsgeschichte gesetzt wurde.

Danach war Augsburg noch dreimal die bedeutendste Stadt in der deutschen Reformationsgeschichte. Das zweite Mal als Ort der Meilensteine in der Geschichte der Reformation, als Philipp Melanchthons Augsburger Bekenntnis, die Confessio Augustana, 1530 vor dem Kaiser und den Großen des Reiches verlesen wurde. Das dritte Mal, als der Augsburger Religionsfrieden 1555 das Prinzip des „cuius regio, eius religio“ besiegelte. Und 1999, als in St. Anna die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnet wurde – dies war eine Sternstunde der Ökumene.

Luther - Kunst des Buchdrucks

Martin Luther profitierte davon, dass sich der Buchdruck gegen Ende des Mittelalters so stark ausbreitete und konnte deshalb viele Schriften drucken und veröffentlichen lassen. Aber nicht nur Martin Luther wollte die Kirche reformieren. Allein in Augsburg gab es damals sechs Reformbewegungen, was kein Zufall war, denn Augsburg war um das Jahr 1500 ein Machtzentrum in Europa. Hier fanden Reichstage statt. Die Fugger und Welser lenkten von hier aus ihre Handelsimperien. Augsburg war eines der größten Zentren für den Druck von Büchern und „Flugblättern“. Auch Martin Luther ließ in Augsburg seine Werke drucken, obwohl hier auch Jakob Fugger, sein größter Gegner und Kontrahent saß, der für den Papst den Ablasshandel organisierte und in Luthers Augen ein Wucherer war, da er für verliehenes Geld Zinsen nahm.

Luthers und Fuggers - Aufbruch in die Moderne

b_450_450_16777215_00_images_kultur_religion_luther-fugger-2.jpgBeide stehen auf ihre Art für den Aufbruch in die Moderne. Beide sahen die Notwendigkeit von Reformen in der römischen Kirche, doch zusammen konnten diese beiden nicht kommen. Zu sehr war der eine – Martin Luther – Mönch und Kirchenmann, und zu sehr der andere – Jakob Fugger – Manager und Konzernlenker. Martin Luther schimpfte auf die "verdammte Fugg(ck)erei" und die großen Augsburger Bank- und Handelsgesellschaften. Ablasshandel, Zinswucher, Fürkauf und Monopole der Augsburger Fugger und Welser, Höchstetter und Co. wurden seinerzeit im ganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation – zwischen Nordsee und Tirol, Elsass und Wien – erregt diskutiert.

Jakob Fugger verhöhnte den Reformator Martin Luther als Mitverursacher des Bauernkriegs, dessen Niederschlagung er mitfinanzierte. Sein Neffe und Nachfolger Anton Fugger finanzierte die Truppen des Kaisers in zwei Glaubenskriegen, dem Schmalkaldischen Krieg von 1546/47 und dem Fürstenaufstand von 1552. Anton Fugger versuchte, zwischen der überwiegend evangelischen Reichsstadt und dem Kaiser zu vermitteln. Mit seinem Fußfall vor Kaiser Karl V. soll er 1547 seine vom Kaiser besiegte Heimatstadt vor der Zerstörung und Plünderung bewahrt haben.

Lutherstiege Sankt Anna lässt die Zeit der Reformation lebendig werden.

b_450_450_16777215_00_images_kultur_religion_luther-fugger-1.jpgWeil Martin Luther berechtigt Angst hatte, als Ketzer auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, floh er 1518 nachts heimlich aus Augsburg. Angeblich soll ihn ein Bürger von Sankt Gallus zum Steffinger Tor? begleitet und anschließend seine Tat auf die Mauer gegenüber Sankt Gallus gemalt haben, wovon heute eine Gedenktafel zeugt. Danach kam Martin Luther nie wieder nach Augsburg.

Bitte lesen Sie auch:

Martin Luther - Reformation und Hexenverbrennung

Evolutionstheorie kontrovers - Schöpfungsgeschichte nicht?

Deutschland

Kultur

Leben | Outdoor