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Gdynia – Sandstrand und Hafen von Bedeutung

Gdynia – Sandstrand und Wirtschaftshafen von großer Bedeutung

Heute eine imposante Großstadt an der Ostsee, war Gdynia bis 1918 ein wirkliches Dorf. Durch den Friedensvertrag von Versailles bekam Polen durch den sogenannten polnischen Korridor „Zugang zur Ostsee“ von den Siegermächten zugesprochen, besaß aber in dem Korridor keinen eigenen Hafen.

So wurde Gdynia in den folgenden Jahren planmäßig zu einem der größten Handels-, Auswanderungs-, Kriegs- und Fischereihäfen der Ostsee ausgebaut.

In den 1930er Jahren ging der Ausbau der bis dahin 33.217 Einwohner (1931) zählenden Stadt weiter. In den 1930er Jahren wurde erstmals auch an der Strandpromenade in Adlershorst gebaut, unterhalb deren im Sommer das 1964 gegründete städtische Witold-Gombrowicz-Theater auf einer Strandbühne vor der Kulisse von Ostsee und Steilküste spielt. Am 25. Juni 1931 zog die Meteorologische Station des Morski Państwowy Instytut Meteorologiczny (Staatliches Meteorologisches Seeinstitut) in den Neubau des Seeobservatoriums in der ulica Nadbrzeżna 42 (heute ulica Waszyngtona).

b_450_450_16777215_00_images_polen_danzig-gdansk_gdyinia-polen-1.jpgDer Hafen wurde bis 1930 zur vollen Funktionsfähigkeit mit Docks, Piers, Wellenbrechern und vielen weiteren nötigen Einrichtungen und Gewerbebetrieben wie Lagerschuppen und -anlagen sowie einer Reisschälfabrik ausgebaut. Der damals schnelle Zuzug Arbeitssuchender übertraf die Möglichkeiten, adäquaten Wohnraum zu schaffen. „Am Stadtrand entstanden Slums, in denen die Arbeitslosen, Obdachlose und niedrig bezahlte unqualifizierte Arbeiter mit ihren Familien“ wohnten. Die Wohnungsnot trieb die Mieten hoch. Das förderte zwar die privaten Bauinvestitionen, doch betrugen die Mieten oft ein ganzes normales Monatseinkommen oder mehr. Heute ist davon nichts mehr zu spüren, wie wir während unserer Fahrt durch die Stadt zum Hafen und Strand feststellen konnten.

In den Folgejahren wurde Gdingen Passagierhafen, wie an der Nordsee Bremerhaven, bekannt für Überseereisen und Auswanderer. Den Schiffspassagen diente das 1932/1933 von Dyckerhoff & Widmann (Büro Katowice) erbaute Abfertigungsgebäude für Überseepassagiere Dworec Morski (etwa mit Überseehof zu übersetzen), wo sich sowohl Touristen wie auch Auswanderer einschifften. Allen Besuchern steht das Gebäude heute offen, in dem eine kleine Ausstellung über seine Geschichte informiert.

Passagierhafen und Museen - Gdynia

b_450_450_16777215_00_images_polen_danzig-gdansk_gdyinia-polen-2.jpgDie staatliche Reederei Gdynia-Ameryka Linie Żeglugowe SA betrieb sieben Passagierschiffe. Im Vorort Grabau auf dem Gelände einer ehemaligen preußischen Kaserne aus dem 19. Jahrhundert ging 1933 eine Unterkunft für Auswanderer (Etap Emigracyjny) in Betrieb, die von dort durch eine eigene Gleisverbindung direkt zum Überseehof gebracht wurden. 1935 weihten Außenminister Józef Beck und Kwiatkowski, inzwischen Schatzminister, die Anlage offiziell ein. Viele jüdische sowie katholische Polen emigrierten von hier aus in Richtung Amerika. Mit dem Krieg ab 1. September 1939 endete die polnische Passagierschifffahrt zunächst.

1939 maß Gdingen 66 km² Fläche und zählte bereits 115.000 Einwohner. In den Jahren 1918 bis 1939 veränderte sich die sprachliche Zusammensetzung der Bevölkerung, so dass die deutsche Minderheit schließlich noch 9,8 % der Einwohner Pommerellens ausmachte. Die meisten zugewanderten Menschen waren kaschubische Polen, neben anderen Polen.

Nach unserem Spaziergang entlang des Hafens von Gdynia wollten wir uns natürlich auch den so bekannten Sandstrand der Stadt anschauen und waren einmal mehr überrascht: eine riesige Bucht und herrlicher Sandstrand, gesäumt von leichten Hügeln im Hintergrund, dazu hölzerne Pfade mit Duschbereichen für Badefreunde, kleinen Strand Cafés und Restaurant, kurz, was mehr braucht der Strandurlauber. Schon früh hatte man in der Region auf das Pferd Badetourismus gesetzt, mit vollem Erfolg.

Früh schon von großer Bedeutung – Strandtourismus in Gdynia

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„Zu Hochredlau gehört das vom Seebad Zoppot aus wegen der schönen Aussicht viel besuchte Restaurant Adlershorst. Dieses zu Hochredlau gehörende Mühlengrundstück wurde 1828 von dem Bordschiffer Johann Adler und dessen Ehefrau als Strandland von etwa 3 Morgen für 170 Taler dem Müller Bömelt abgekauft und in Erbpacht genommen. Der auch sonst geschäftstüchtige Herr Adler wurde von der Königlichen Regierung zum «Seeschulzen» (Strandvogt) ernannt und richtete um 1840 hier einen kleinen Schankbetrieb für fremde Gäste ein. Der Name Adlershorst, als Etablissement von Fremden beigelegt, wurde bereits im Jahr 1857 als offizielle amtliche Bezeichnung übernommen.“

Wir konnten uns nicht zurückhalten und nutzten das zwar windig-frische aber trotzdem angenehme Wetter für ein schnelles Bad in der hier überraschend angenehm warmen Ostsee, wenn das auch nicht für alle Begleiter galt.

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