Die Geschichte von Maut oder Straßenbenutzungsgebühr

Die Geschichte von Maut, Wegzoll oder Straßenbenutzungsgebühr

Erst vor wenigen Tagen haben wir auf die geänderten Regeln bei der Nutzung der wenigen türkischen Autobahnen hingewiesen, die technisch vom KGS-System (aufladbare Karte) zum HGS-System modernisiert worden sind und somit zunächst so manchen Autobahnnutzer vor Probleme gestellt haben.

Das Einfahren in die Autobahn ist natürlich jederzeit machbar, auch ohne gültige HGS-Vignette. Das Ausfahren ist dann allerdings nur noch bei Strafe möglich, denn die  Fahrzeugnummer wird per Foto und Film registriert. Oftmals befindet sich direkt an der Ausfahrt allerdings auch eine Polizeistation, die natürlich auf den ausgelösten Alarm registriert und „durchbrechende“ Fahrzeuge auf stoppen.

Woher  aber kommt die Straßennutzungsgebühr? Eine neuzeitliche Erfindung?

Keineswegs! Maut, Wegegeld oder „Zehnter“ sind sehr alte Begriffe für Zölle oder Gebühren, die es in der Geschichte des Handels fast immer gegeben hat. Zwar änderten sich die Begriffe im Laufe der Zeit immer wieder einmal, gemeint war aber immer das Gleiche: die Gebühr, die zur Benutzung einer Brücke, eines Tunnels oder einfach nur einer Straße erhoben wird. Allein der Begriff „Maut“ ist ein aus der Sprache der Goten abgeleiteter Begriff, der frei übersetzt so viel wie Zoll, hier in der Bedeutung Wegzoll, zu verstehen ist. Maut gehört damit zu den ältesten Gebühren oder Steuern der menschlichen Entwicklungsgeschichte, die sich über Jahrtausende erhalten hat.

Während unseren Touren entlang Römischer Straßen sind wir oft auf Brücken gestoßen, auf denen noch gut die Befestigungen zur Bewachung zu erkennen waren, trotz doch oftmals weitgehendem Zerfall. Hier wird schnell klar, dass die Bewachung durch Soldaten nicht allein dem Erhalt der Brücke vor böswilliger Zerstörung diente, sondern auch um die Gebühr zur Passage zu kassieren. Natürlich kostete auch seiner Zeit die Errichtung notwendiger Infrastruktur schon einen Haufen Geld, das man durch die Benutzungsgebühren zumindest teilweise wieder zurück in den Haushalt führen wollte. Kein Wunder also, das auch schon damals Gebühren für die Nutzung von Straßen und Tunnels erhoben wurden. Gleiches gilt für die Befestigungen entlang der Seidenstraße, der Karawansereien entlang der Handelsrouten im Mittelalter in Kleinasien oder in Europa. Hier wurden selbst kleine Holzbrücken schon mit „Maut“ belegt, die von den Reisenden passiert wurden. Gleiches gilt auch für Furten,  die zum Überqueren von Flüssen meist sehr schnell auch als Geldeinnahmequelle genutzt wurden. Viele Städte haben sich dann im Verlauf der Geschichte an diesen Flusspassagen gebildet, als Beispiel sei hier Schweinfurt genannt, wo selbst der Name auf einer „Flusspassage“ beruht. Und das ein Fährmann seine Arbeitskraft und sein Boot oder modern seine Fähre bezahlt haben möchte, ist sicherlich ohne Frage nachzuvollziehen.

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Hintergrund der Erhebung von Mautgebühren war also immer die Beteiligung der Reisenden, gleichgültig ob Privat oder als Händler, an den Kosten, die zur Errichtung der überwiegend nationalen  Infrastruktur notwendig waren. Mit anderen Worten: die Reisenden beteiligen sich direkt an den Kosten der Erstellung und des Erhalts dieser Infrastruktur. Alternativ gäbe es nur die Möglichkeit, diese Einrichtungen allein aus steuerlichen Mitteln zu finanzieren, was wiederum ungerecht denen gegenüber wäre, die nicht reisen oder keine Straßen benutzen. Aber gibt es solche Menschen grundsätzlich überhaupt?

Heute gibt es neben den Begriffen wie Maut, Toll oder Péage auch den rein deutschen Begriff der Straßenbenutzungsgebühr. Und längst dient diese Gebühr nicht allein mehr zur Finanzierung von Straßen, Brücken oder Tunneln, heute kommen Umweltfaktoren ins Spiel, die den Verkehr direkt beeinflussen sollen oder allein den Überblick über die Verkehrsentwicklung gewähren sollen, um so Einfluss zu nehmen. So gab es in der Vergangenheit heftige Diskussionen um die Straßenbenutzungsgebühren von LKW und die Einführung des dazu technisch sehr aufwendigen Kontrollsystems, wie auch die immer noch kontrovers geführten  Diskussionen zur Beteiligung ausländischer Nutzer der Straßen zumindest in Deutschland diskutiert werden.

In  vielen Ländern Europas werden teilweise extrem hohe Beteiligungen der Autofahrer an den Kosten von Brücken, Tunneln oder Autobahnen verlangt, warum also nicht umgekehrt auch von Ausländern in Deutschland? Will man in den Süden fahren, sagen wir zwecks Urlaub in die Türkei, kostet die Vignette für Österreich allein 8,30 €, hinzukommen zwei Tunnelanlagen zu je 6,50 €. Wenn man dann länger als 7 Tage unterwegs ist, fällt die gleiche Gebühr für die Passage durch Österreich auch auf dem Rückweg an. Ein stattlicher Betrag von 21,30 € zur Benutzung von ca. 226 Kilometern Autobahn. Gleiches gilt für Slowenien, wo die einmalige Durchfahrt von rund 177 Kilometern immerhin auch 15,- € kostet.

Deutschland hat zwar mittlerweile  das System Toll Collect eingerichtet, dies gilt aber nach wie vor nur für LKW. Toll Collect funktioniert als satellitengestütztes Mautsystem, das sich aufgrund der Länge der benutzten Autobahnkilometer die Gebühren zur Straßenbenutzung von den Spediteuren holt. Zunächst mit großen Anfangsschwierigkeiten verbunden, gibt es seit dem 1. Januar 2005 eine funktionierende, wenn auch eingeschränkte GPS-Variante, die in Betrieb ist. Immer wieder einmal taucht auch die Diskussion um die Straßennutzungsgebühr für PKW von Seiten der Politik in den Medien auf, bislang wurde allerdings, vor allem aufgrund des Protest der Automobilklubs, schnell wieder zurück gerudert.

In der Türkei wie auch in Deutschland und vielen anderen Ländern macht sich in den letzten Jahren aber auch zunehmend der private Investor im Autobahnbau breit. Nach vielen geschäftlichen Fehlinvestitionen, die teilweise zu wirklichen Verlusten der Investoren geführt haben, ist der Straßenbau zur echten Alternativinvestition geworden, die auf lange Sicht sicherlich gute Rendite bringen wird. Hier heißt das Schlagwort Public Private Partnership – private Investitionen in den öffentlichen Straßenbau und Rendite durch Maut oder Straßennutzungsgebühren.

Ob nun über Toll Collect in Deutschland oder HGS-System in der Türkei, die Aufgabe beider Systeme bleibt die Einnahme von Gebühren zur Straßenbenutzung oder Erhebung von Gebühren zur Nutzung spezieller Brücken oder Tunnel, ob nun in unserer modernen, elektronischen  Zeit mit GPS oder Vignette, Prepaid Karte oder Bar wie in Griechenland.

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