Das orthodoxe Kloster Mor Gabriel im Tur Abdin

Mor Gabriel Kloster

Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel ist eines der ältesten christlichen Klöster der Welt. Es liegt im Tur Abdin in der Türkei und ist bis heute eines der bedeutendsten Klöster der Syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien und Sitz des Metropoliten des Tur Abdin.

 

Das Kloster liegt ca. 20 km südöstlich der Stadt Midyat in der kargen Berglandschaft des Tur Abdin (übersetzt "Berg der Knechte", gemeint sind die Knechte Gottes). Es liegt auf dem Gebiet der türkischen Provinz Mardin im Landkreis Midyat.

Gegründet wurde das Kloster im Jahre 397 von Shmuel (Samuel) und seinem Schüler Samun (Simon). Seine Bedeutung wuchs schnell und im 6. Jahrhundert lebten hier bereits bis zu 1.000 sowohl einheimische als auch koptische Mönche. Die Anfang des 6. Jahrhunderts errichtete Kuppel des Klosters besteht aus radial geschichteten Ziegeln und ruht auf Mauern aus Quaderwerk und Mörtelkern. Der Kuppelinnendurchmesser beträgt 11,50 m.

Zwischen 615 bis 1049 befand sich hier der Bischofssitz des Tur Abdin. Einem der Bischöfe, Mor Gabriel (im Amt von 634 von 668), verdankt das Kloster seinen Namen. Im 7. Jahrhundert wurde es nach ihm benannt. Das Kloster war ein wichtiges Zentrum für die syrischen Christen des Tur Abdin. Es unterhielt eine bedeutende Bibliothek, von der heute jedoch nichts mehr erhalten ist (einige Manuskripte werden jedoch unter anderem in der British Library verwahrt), und die Klosterschule spielte nicht nur eine wichtige Rolle für die theologische Ausbildung in der Region und der gesamten syrischen Kirche, sondern bildete auch viele hochrangige Kleriker und Wissenschaftler aus, unter anderem vier Patriarchen, einen Katholikos und 84 Bischöfe. Weithin bekannt wurde Mor Philoxenos von Mabug († 523), ein Gegner des Chalkedonismus. Ein Zitat von ihm beschreibt die damalige Bedeutung des Klosters: Wer siebenmal mit Ehre und Furcht das Kloster besucht, das vom Engel gegründet wurde, erwirbt denselben Verdienst, als ob er Jerusalem besuchen würde.

Das Kloster war bis 1915 eine selbständige Diözese. In diesem Jahr wurden während des Genozids an den christlichen Minderheiten alle Bewohner des Klosters auf Veranlassung der osmanischen Regierung durch muslimisch - kurdische Agas (Großgrundbesitzer), die in paramilitärischen so genannten Hamidiye-Milizen organisiert waren, umgebracht.

Erst 1919 konnte es wieder von syrischen Christen bezogen werden. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde mit Renovierungs- und Erweiterungsbauarbeiten begonnen und ein Priesterseminar eingerichtet (welches 1980 von der türkischen Regierung wieder geschlossen wurde). In den folgenden Jahrzehnten wurde die Wasser- und Stromversorgung eingerichtet und eine Straße zum Kloster gebaut. Auch wurde ein Garten zur Selbstversorgung der Bewohner angelegt. Zum Schutz der ausgedehnten Klostergärten und der für die Autarkie des Klosters wichtigen Flächen vor einfallenden Viehherden wurde vor einigen Jahren eine Mauer um das Kloster gebaut.

Heute sind die syrisch-orthodoxen Christen eine Minderheit im Tur Abdin. Das Kloster ist soziales und religiöses Zentrum der Erzdiözese Tur Abdin und Wallfahrtsort. Mit der Weihe des Abtes Mor Timotheos Samuel Aktas zum Erzbischof wurde es 1995 faktischer Bischofssitz des Tur Abdin (anstelle von Midyat). Im Jahre 2007 lebten neben dem Bischof drei Mönche, 15 Nonnen, 40 Schüler sowie drei Familien der Lehrkräfte und der das Kloster bewirtschaftenden Arbeiter innerhalb der Klostermauern.

2007 wurde der amtierende Abt des Klosters St. Jakob in Salah Daniel Savci zwei Tage lang entführt.

2008 wurde das Kloster Mor Gabriel von drei kurdischen Dörfern wegen „rechtswidriger Ansiedelung“ verklagt. Aktuell ist im Rahmen des daraus resultierenden Gerichtsverfahrens das Kloster seitens staatlicher Behörden in der Türkei durch Enteignung und Auflösung des Klosterbetriebes bedroht. Die Kläger werden durch lokale Politiker der regierenden AKP unterstützt. Die Europäische Union hat zu dem Prozess Beobachter entsandt.

Im Mai 2009 hat das Kloster den ersten der vier zu diesem Zeitpunkt anhängigen Prozesse gegen eine umliegende Gemeinde gewonnen. Am 24. Juni 2009 wurde der Prozess über 27 Hektar Land zugunsten des Forstamts entschieden. Gegen diese Entscheidung wurde durch den Anwalt des Klosters Berufung eingelegt. In einem anderen Prozess hingegen wurden Ansprüche des Finanzamts Midyat negativ beschieden. Ein weiterer Prozess wurde bis zur Entscheidung des Obersten Berufungsgericht in der Forstsache vertagt.

Kauder: Wir müssen den christlichen Minderheiten in der Türkei helfen

Kauder äußert sich besorgt über die Situation der Christen in der Türkei. "Die Christen in der Türkei leben vielerorts in Bedrängnis", erklärt der Politiker. "Nachdem mir immer wieder über die schwierige Lage der Christen berichtet wurde, möchte ich mir selbst ein noch genaueres Bild von der Situation machen. Meine Reise ist ein Zeichen der Unterstützung für die christlichen Minderheiten. Besonders freut mich, dass ich von Vertretern der beiden großen christlichen Kirchen begleitet werde."

Erste Station der Reise ist Istanbul. An diesem Montag stehen dort ein Besuch im ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel sowie Treffen mit verschiedenen Kirchenvertretern auf dem Programm. Thema wird vor allem die Religionsfreiheit in der Türkei sein. Im Gespräch mit Vertretern der chaldäisch-katholischen Kirche wird sich der Fraktionsvorsitzende sich auch über die Lage der Christen im Irak informieren und mit Flüchtlingen über deren Situation in der Türkei sprechen.

Ziel des zweiten Tags ist der Besuch des in Südostanatolien gelegenen Klosters Mor Gabriel, wo die Delegation auch übernachten wird. Zunächst wird Kauder aber durch den Landesteil Tur Abdin reisen, der Heimat der syrisch-orthodoxen Christen, deren Zahl in den vergangenen vierzig Jahren dramatisch abgenommen hat.

Das von einer beeindruckenden Mauer umgegebene Kloster Mor Gabriel wurde bereits 397 n.Chr. gegründet und ist eines der letzten intakten christlichen Klöster in der Türkei. Es ist das geistliche Zentrum in der Provinz Mardin. Das Kloster ist aber heute durch das Verhalten der lokalen Behörden in seiner Existenz bedroht. Im Gespräch mit Erzbischof Samuel Aktas will die Delegation auch über die anhängigen Gerichtsverfahren sprechen. 

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