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Nysa in Karien - Buleuterion und Flussüberbauung

Nysa in Karien

- Ein Hauch von Romantik in der antiken Stadt 
Für ergänzende Berichte und Bilder sind wir auf dem Weg nach Izmir und Kusadasi, als wir in Sultanhisar das Hinweisschild auf die antike Stadt Nysa sehen.

Mehrfach sind wir bereits hier vorbei gekommen, jetzt erfolgt ein kurzer Blick auf unseren Terminplan und danach eine schnelle Entscheidung: lass uns hier einen Zwischenstopp einlegen und Nysa anfahren.

Die antike Stadt Nysa in Karien (Kleinasien) an der Grenze zu Lydien liegt 30 km östlich von Aydın, etwa 2 km nordwestlich des heutigen Dorfes Sultanhisar und ist eine berühmte griechisch früh-römische Gründung in Westanatolien. In der Kaiserzeit war Nysa als Zentrum der Gelehrsamkeit bekannt, der Historiker Strabon wurde hier um 50 v. Chr. erzogen. Aus Nysa kamen der Stoiker Apollonios und der Homerphilologe Menekrates. In der Spätantike war Nysa Bischofssitz in der Eparchia Asia. Der bekannte Reisende Strabon von Amaseia belegte die Stadt mit dem Begriff Doppelstadt, wegen ihrer Lage zu beiden Ufern eines Bachlaufes. Die Stadt hatte ihre Blütezeit in der römischen Kaiserzeit erlebt und auch in byzantinischer und osmanischer Zeit war Nysa noch von großer Bedeutung. Seinen Wohlstand in der Kaiserzeit verdankt Nysa dem 4 km westlich gelegenen Heiligtum des Pluton und der Kore in Acharaka mit berühmten Schwefelheilquellen.

Folgende Bauten sind bis heute erhalten geblieben: das Gymnasium, das Stadion, das Theater, die Bibliothek, der Tunnel, drei Brücken, das Buleuterion und die römisch byzantinischen Thermen. Das Pluto- und das Demeter-Heiligtum in Akharaka bei Salavatli liegen etwa 7 Kilometer entfernt westlich vom antiken Nysa.

In den Jahren 1907 und 1909 fanden erste archäologische Untersuchungen durch Leutnant Walther von Diest statt, in den 1960er Jahren Ausgrabungen des Museums von İzmir am Theater und im Buleuterion, 1982–88 durch das Museum von Aydın im Theater. Seit 1990 gräbt in Nysa ein Team der Universität Ankara unter Leitung von Vedat İdil. Seit 2002 wird die Bibliothek von Archäologen der Universität Freiburg unter Leitung von Volker Michael Strocka ausgegraben.

Brücke von Nysa

Im an archäologischen Ruinen reichen Gebiet ist besonders die Brücke von Nysa zu nennen, die als Substruktion für den Theatervorplatz fungierte und als die zweitlängste ihrer Art in der Antike gilt. Die insgesamt 100 m lange, tunnelartige Überbauung der tiefen Bachschlucht des Cakircak aus der späten Kaiserzeit war in der Antike, nach der Brücke in Pergamon, die zweitgrößte ihrer Art.

Die Nysa-Brücke überspannt den quer durch das antike Stadtgebiet verlaufenden Cakircak-Bach auf einer Gesamtlänge von ungefähr 100 m, was ihr im Auge des flüchtigen Betrachters den Charakter einer Röhre oder eines Tunnels verleiht. Trotz des äußeren Anscheins handelt es sich aber bei dem durchgehend übertage errichteten Bauwerk um eine Flussüberbauung, d. h. eine besonders breitgezogene Brücke, die Brücken- und Tunnelelemente in sich vereinigt.

Während die hydraulischen und hydrologischen Eigenschaften einem Tunnel vergleichbar sind, entspricht der auf zwei Widerlagern ruhende Bogen bautechnisch einer Brücke, deren oberirdische Lage die für den Tunnelbau typischen technischen Herausforderungen wie die Bestimmung der Vortriebsrichtung untertage oder die Vorkehrung gegen Decken- oder Wassereinbrüche gänzlich entfallen ließ. Flussüberbauten zur Abdeckung längerer Strecken eines Wasserlaufs dienten in der Antike vor allem zur Vergrößerung der innerstädtischen Fläche. Im Falle Nysas bestand der Bauzweck darin, einen geräumigen Vorplatz für das nahe am Bach gelegene Theater zu schaffen.

Bereits der in Nysa lebende griechische Geograph Strabon (63 v. Chr.–21 n. Chr.) beschrieb einen geheimen, wasserführenden Gang in der Stadt, wobei aber unklar ist, ob damit die heute noch existierende Flussüberbauung gemeint war. Anhand einer in der Nordwand der Röhre unweit des Knickes angebrachten Bauinschrift, die auf einen der Baumeister hindeutet („Werk des Praülos bis hierhin“), wird die Brücke von Nysa in die späte Kaiserzeit datiert.

Die Nysa-Brücke besteht aus einer einzigen, 5,7 m breiten Röhre, die sich am bergseitigen Mundloch auf 7 m vergrößert. Die Stichhöhe des Rundbogens, der ungefähr 3 m über der Gründungssohle ansetzt, beträgt 2,95 m, so dass die Gesamthöhe bei 5,9 m liegt. Das Gewölbe besteht aus unbearbeiteten Steinen im Mörtelverband und ruht auf einem Unterbau aus unterschiedlich groß zugeschlagenen Steinquadern mit einem Format von 0,3-0,9 × 1,0-1,4 m.

Die ursprünglich durchgängige Flussüberbauung ist heute an zwei Stellen eingestürzt: Im oberen Bereich hat sich die geschlossene Überwölbung 75 m lang erhalten, wobei der Tunnel nach 25 m einen Knick macht. Im Anschluss an den überdeckten Abschnitt folgt ein 10 m breiter Versturzbereich, nach dem sich die Überbauung als ein einzelner Bogen fortsetzt, der aufgrund seiner isolierten Lage oft fälschlicherweise als eigenständiger Brückenbau bezeichnet wird. Das talseitige Röhrenende ist ebenfalls eingestürzt, so dass die Gesamtbreite der Brücke wohl 100 m betrug – eine Brückenbreite, die im Altertum lediglich von der Doppelkonstruktion in Pergamon übertroffen wurde. Zum Vergleich: Die Breite normaler, nicht als Substruktionen fungierender Römerbrücken überschritt gewöhnlich nicht 10 Meter.

In seinem weiteren Lauf durch das Stadtgebiet von Nysa durchquerte der Cakircak auch das Stadion, in dem so Wasserwettkämpfe abgehalten werden konnten. Zwei Brücken ober- und unterhalb des Stadions sind in Resten erhalten geblieben.

Das Theater (1. Jahrhundert vor Christus bis 2. und 3. Jahrhundert nach Christus)

Das hufeisenförmige Theater bietet Platz für etwa 12.000 Personen. Das nach Süden ausgerichtete Theater hat zwei Diazomata (Durchgänge) und ist im unteren Teil in 9 Segmente und im oberen Teil in 16 Segmente unterteilt. Das Theater entstand in späthellenistisch-frühaugusteischer Zeit und wurde in zwei weiteren Bauphasen im 2. Jahrhundert n. Chr. erweitert. Das Bühnenhaus ist mit einem Relieffries ausgestattet, der das Leben des Weingottes Dionysos in Nysa darstellt. Die scenae frons ist mit Szenen aus der Kindheitsgeschichte des Dionysos geschmückt.

Das Bouleuterion (Rathaus/Ältestenrat)

Der am besten erhaltene Bau der antiken Stadt Nysa ist das von Strabon als Gerontikon (Haus des Ältestenrates) bezeichnete Bouleuterion (Rathaus). Es ist ein rechteckiges Gebäude, dessen Ratssaal in rechteckiger Form einer Cavea (halbkreisförmig) angelegt ist. Diese Cavea ist durch fünf Treppen in vier Segmente unterteilt und enthält jeweils 12 Sitzreihen. Sie bietet damit Platz für ca. 600 bis 700 Personen.

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