Limyra - das antike Zemuri bei Finike

Limyra - das antike Zemuri

Von Olympos kommend befuhren wir die Küstenstrasse nach Finike und folgten dann nach rechts abbiegend der Landstrasse 635 Richtung Elmali.

Nur etwa fünf Kilometer nach dem Ortsausgang von Finike folgt man dann den Hinweisschildern in östlicher Richtung zur antiken Stadt Limyra. Nach weiteren 4 Kilometern erreicht man das antike Theater, die Akropolis und einige der Nekropolen, die nördlich der Strasse gelegen sind.

Der antike Ort Limyra zeigt noch deutliche Spuren der verschiedenen zeitlichen Epochen, so liegt der römische und der byzantinische Teil der Stadt überwiegend im Süden. Die ältesten Funde (spätgeometrisches Keramikmaterial) reichen bis in das 8. Jahrhundert v. Chr. zurück, jedoch lassen sie keine Aussagen zu Struktur und Ausdehnung der dadurch angezeigten Niederlassung zu.

Der lykische Name von Limyra, Zimuri, läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf das hethitische Wort „zumarri“ in aufgefundenen Texten des 2. Jahrtausends vor Christus zurückführen, doch wurden bis heute keine Schichten einer derart frühen Bauperiode freigelegt. Bei den ältesten Funden handelt es sich um Keramiken aus dem frühen 7. Jahrhundert vor Christus. Wie Reste der Hausarchitektur bezeugen, existierte spätestens ab dem 6. Jahrhundert vor Christus im Nordbereich der Weststadt eine erste Siedlung. Die erste Hochblüte erlebte Limyra im 4. Jahrhundert vor Christus, als die Stadt unter dem Dynasten Perikle, der von etwa 380 – 360 vor Christus regierte, zur Residenzstadt ausgebaut wurde. Im griechischen Staatswesen wurden diejenigen mit Dynasten bezeichnet, welche sich durch einen Gewaltakt der Regierung bemächtigt hatten, z. B. die 30 Tyrannen in Athen.

Auch über das archaische und frühklassische Limyra sind nur wenige Informationen verfügbar. Zemuri war jedoch im 5. Jahrhundert v. Chr. Prägeort der Münzen des xanthischen Dynasten Kuprilli und dürfte eine bedeutende Stellung innerhalb der regionalen Siedlungshierarchie eingenommen haben.

In der fortgeschrittenen Dynastenzeit wurde in Limyra ein umfassendes Bauprogramm durchgeführt, im Zuge dessen ein rund 25 ha umfassender Mauerring und eine Gipfelbefestigung errichtet wurden. Zwei hoch aufragende, bergfriedartige Turmbauten überragten diese Zitadelle. Sie sollten wohl von der Macht und der Bedeutung ihres Bauherren künden. Damals entstand auch das monumentale Heroon der ostlykischen Dynastie. An diesem amphiprostylen Podiumsbau, dessen vor gelagerte Hallen von Karyatiden getragen wurden und dessen Seitenwände mit Friesen militärischer Thematik geschmückt waren, wird die Vermischung von lokaler Bautradition mit griechischem Einfluss deutlich. Weitere Monumentalgräber dienten wohl als Begräbnisstätten einer aristokratischen Oberschicht. Hervorzuheben ist hier das zweigeschossige Grabmal des Xantabura, dessen Reliefschmuck neben einer Opferszene auch eine Apobaten- und eine Gelageszene, also zentrale Themen der klassisch lykischen Ikonographie, umfassen.

Ausgedehnte Nekropolen, in denen sich zahlreiche Reliefs und Inschriften in lykischer Sprache und Schrift erhalten haben, säumten die Niederlassung und bildeten das größte Ensemble lykischer Felsgräber. Besonders eindrucksvoll ist die am Eingang des Arykandostales in eine hochaufragende Felswand gearbeitete Nekropole I. Ein schlichtes Felsgrab in der Grabstiftung der Xuwata in Nekropole II ist mit einem Relief verziert, das einen Zweikampf nach der Vorlage des berühmten Schildes der Athena Parthenos des Phidias wiedergibt. An einem anderen Grab lässt sich Tebursseli als siegreicher Held abbilden, wie er mit seinem König Perikle den Feldherren Arttumpara im Xanthostal besiegt. Am Doppelgrab des Artimas in Nekropole V zeugt eine der wenigen aramäischen Inschriften Kleinasiens von den Verbindungen Lykiens zu den Kerngebieten des Achämenidenreiches. Aus dem hochklassischen Denkmalbestand von Limyra lässt sich ein ausgeprägter Philhellenismus der politischen Führungsschicht der Dynastenzeit ablesen, die Semantik der lykischen Kultur dieser Periode war jedoch in hohem Maße von der Zugehörigkeit zu einer orientalischen Lebenswelt bestimmt. Die unabhängigen Dynastenherrschaften fanden im Anschluss an die Niederschlagung des Satrapenaufstandes durch die Perser ein abruptes Ende, und Lykien wurde dem Herrschaftsgebiet der karischen Hekatomniden zugeschlagen.

Bereits im Jahre 1969 begannen die ersten Ausgrabungen unter Jürgen Borchhardt im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts (Zweigstelle Istanbul) und in der Folge wurden diese von 1984 bis 2001 als österreichisches Projekt durch das Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien (IKA) fortgeführt. Erst durch Jürgen Borchhard konnte  nachgewiesen werden, das auch der einflussreiche Fürst Perikles von hier aus regierte. Perikles herrschte hier in der ersten Hälfte des 4. Jh.v.Chr. eigenständig und versuchte ganz Lykien zu kontrollieren, obwohl er eigentlich dem persischen Satraphen von Sardes unterstand. Es heißt, dass Perikles sich um 366 v. Chr. sogar am letztendlich niedergeschlagenen Satraphenaufstand beteiligte. Aus dem Jahr 350 v. Chr. stammt der Sarkophag seines Bruders Xantabura. Im 3. Jh.v. Chr. gehörte Limyra zum ägyptischen Reich unter den Ptolemäern. Als das römische Reich 167 v. Chr. Lykien wieder die Eigenständigkeit zusicherte, gehörte Limyra mit sogar 3 Stimmrechten zum jetzt wieder erstarkenden lykischen Städtebund. Gaius Caesar, der Enkel, Adoptivsohn und designierte Nachfolger von Augustus stirbt im Jahr  4 n. Chr. in Limyra. Ihm zu Ehren wird in Limyra ein Kenotaph errichtet. Mit den Spendengeldern, mit denen der Mezän Opromoas von Rhodiapolis die lykischen Städte nach dem Erdbeben von 141 n. Chr. unterstützte, wird das Theater von Limyra neu aufgebaut. In byzantinischer Zeit wird Limyra um einen neuen Stadtteil erweitert, der auch Kirchen enthält, doch machen Überschwemmungen des Flusses Limyros die Stadt immer mehr unbewohnbar. Die Perikles-Entdeckung im Jahre 1966 rückten Limyra wieder in den Mittelpunkt des archäologischen Interesses, sodass ab 1969 wieder regelmäßige Ausgrabungen stattfinden.

Prachtbauten in der Unterstadt, etwa das hellenistische Ptolemaion und das Kenotaph für Gaius Caesar, dem im Jahre 4. n. Chr. in Limyra verstorbenen Adoptivsohn des Augustus, zeugen von der Bedeutung der Niederlassung auch in späteren Perioden. Das Theater, eine Thermenanlage, ein Torbau und Säulenstraßen verdeutlichen die urbanistische Blüte Limyras während der Kaiserzeit. Die Stellung Limyras als Bischofssitz wird durch die Bischofskirche sowie weitere christliche Kultbauten veranschaulicht. Von unruhigen Zeiten zeugen die gewaltigen nachantiken Stadtmauerringe von Ost- und Weststadt. Mit dem im 16. Jh. gegründeten Tekke des Kâfi-Baba, dem ältesten Bektaschi-Kloster der türkischen Südküste, verfügt Limyra auch über ein bedeutendes Monument der islamischen Geschichte.

Ca. 3,2 km östlich der Ruinen von Limyra befindet sich die kaum beachtete römische Brücke bei Limyra. Das vernachlässigte Bauwerk ist eine der ältesten Segmentbogenbrücken der Welt. Sie ist mehr als 500 Meter lang und ruht auf insgesamt 26 Segmentbögen.

Noch heute sind die Stadtteile an einigen Stellen mit Wasserläufen durchzogen und dadurch etwas sumpfig, aber trotzdem einfach zu begehen. Die Begehung der Ostnekropole erfordert etwas Geschick und Kondition. Für das recht unübersichtliche Gelände empfiehlt sich ein Führer, um die interessanten Gräber zu finden. Das 'Heroon des Perikles' und die Akropolis liegen etwas mehr als 200 Meter über dem Theater und sind mit etwas Kondition über einen alten Pfad gut erreichbar. Es sollte aber die Mittagszeit gemieden werden, da der Südhang ohne Schatten ständiger Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Für die Akropolis, das Theater, die Nekropolen und alle anderen Teile von Limyra, die nördlich der Straße liegen, ist kein Eintrittspreis zu bezahlen.

Bis heute führt das Österreichische Archäologische Institut in Limyra Grabungen durch.

Koordinaten: 36°20'35.1"N 30°10'13.8"E  (direkt zur Karte)

Bitte lesen Sie auch:

Die Römische Brücke bei Limyra

Nikolaus - erster Bischof von Myra

Weitere Informationen auch in den praktischen Reiseführen hier:

Türkei Mittelmeerküste (10. Auflage 2015)

Michael Bussmann, Gabriele Tröger

Michael Müller Verlag, 504 Seiten, 10. Auflage 2015, farbig, 22,90 EUR (D), 23,60 EUR (A), 33,90 CHF, ISBN 978-3-89953-975-2

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