Eurymedonbrücke über den Köprücay bei Aspendos

Eurymedonbrücke über den Köprücay bei Aspendos

Vielleicht zunächst etwas verwirrend hinsichtlich der modernen Namensgebung, aber in der Geschichte spielte der heute mit Köprücay bezeichnete Fluss ein bedeutende Rolle, damals allerdings unter dem Namen Eurymedon.

Grundsätzlich waren Flüsse oder Gebirge bis zur Neuzeit wichtige Grenzlinien zwischen den Völkern, ehe man mit Hilfe von Brücken oder Tunneln auch diese natürlichen Begrenzungen problemlos und stetig überwinden konnte. Und einmal mehr waren es die Römer, die mit ihren Konstruktionen den Fortschritt hinsichtlich des Brückenbaus maßgeblich beflügelten. Die jetzt zu beschreibende Eurymedonbrücke zum Beispiel, war eine Brücke bestehend aus neun Segmentbögen aus römischer Zeit über den Fluss Eurymedon bei Aspendos im antiken Pamphylien.

Wir haben schon einzelne Brückenkonstruktionen römischer Ingenieurskunst (Cendere Brücke / Anatolien) aufgesucht und darüber berichtet. Immer war uns auch die Einbindung in die Umgebung bzw. die Rückschlüsse aus der umgebenden Bebauung dabei sehr wichtig, um Konzeption und Konstruktion zu verstehen. Die zeitliche Einordnung der Eurymedonbrücke muss in enger Verbindung mit dem bekannten Aquädukt im nahe liegenden Aspendos gesehen werden, da ein Teil des Baumaterials dem Aquädukt entnommen wurde, was sicherlich nicht während des normalen Betriebs geschah. So sind allein in der Außenverschalung der Brücke rund 250 Lochsteine der Aspendos-Druckwasserleitung als Spolien wieder verwendet worden. Da die Wasserleitung nachweislich bis in das 4. Jahrhundert n. Chr. in Betrieb war, kann die antike Straßenbrücke über den Eurymedon nicht vor dieser Zeit errichtet worden sein. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass an ihrer Stelle bereits früher eine ältere Römerbrücke stand. Möglicherweise wurde diese gemeinsam mit dem Aquädukt von Aspendos beim großen Erdbeben von 363 n. Chr. zerstört, was die Zweitverwendung der nunmehr unbrauchbar gewordenen Rohrsteine beim Wiederaufbau erklären könnte.

Gestalt und Verlauf der römischen Brücke wurden im Rahmen eines Projekts am Computer rekonstruiert. Grundlage für das Computermodell waren die heute noch vorhandenen Bauwerksreste, nämlich Teile der Rampen, die Widerlager auf beiden Uferseiten sowie ein Pfeilerfundament. Zahlreiche weitere, verstreut im Flussbett und an beiden Ufern herumliegende Brückenpartien blieben bei der Rekonstruktion unberücksichtigt. Aus den Plänen der rekonstruierten Brücke ergaben sich Abmessungen eines 259,50 m langen und 9,44 m breiten Bauwerks mit neun Rundbögen. Es querte den Eurymedon im rechten Winkel, wobei die ansonsten geradlinig verlaufende Fahrbahn im rechten Uferbereich, kurz vor der Rampe, einen leichten Knick nach links machte. Einen wichtigen Anhaltspunkt für die Höhe der antiken Brücke liefert die Steigung der beiden Anrampungen, die mit 12,3 % am linken bzw. 12,2 % am rechten Flussufer während des Simulation am Computer ermittelt wurden. Der Steigungsverlauf endete bereits im Uferbereich, so dass die Brücke den Fluss auf einem gleich bleibenden Niveau überspannte, das rund 4,1 m höher als beim seldschukischen Nachfolgebau lag.

Im horizontalen Mittelteil standen sechs Bögen, die im Rampenbereich zur Hochwasserentlastung durch drei kleine Durchlässe – einer auf der rechten (5,11 m lichte Weite) und zwei auf der linken Flussseite – ergänzt wurden. Der Eurymedon lief bei Normalwasser unter den drei größten Brückenbögen in der Flussmitte entlang, beidseitig eingezwängt durch doppelkeilförmige Uferbefestigungen, die an den flussnächsten Pfeilern ansetzten und eine Unterspülung der Brückenfundamente verhindern sollten. Diese Ufermauern wurden – soweit anhand des archäologischen Befunds auf der rechten Flussseite erkennbar – gegen den Strom mit 8,15 m deutlich weiter vorgezogen als auf der Unterwasserseite (4,76 m). Als zusätzliche Sicherungsmaßnahme wurden sowohl flussauf- als auch flussabwärts spitzförmige Wellenbrecher errichtet, die aber nicht bei allen Pfeilern auf beiden Seiten zu finden sind. Die lichten Spannweiten der drei Hauptbögen ließen sich anhand der Brückenüberreste auf 23,52 m für den Mittelbogen und jeweils 14,95 m für die beiden flankierenden Tonnengewölbe berechnen. Die Stärke der beiden Pfeiler des zentralen Bogens betrug jeweils 9,60 m.

Der hohe technische Stand des antiken Brückenbaus wird auch durch den Fund eiserner Spannanker dokumentiert, bei denen es sich um 1,5 m lange Eisenstangen handelt, die mit Haken und Ösen miteinander verbunden zur Verstärkung der Brückenfundamente in den unteren Quaderlagen verlegt wurden. Der Brückenkörper bestand aus römischem Beton, der sich bei mindestens einem seldschukischen Pfeiler noch als Fundament wieder findet.

Auf den Fundamenten des antiken Bauwerks ruht heute die Köprüpazar Köprüsü, eine seldschukische Spitzbogenbrücke mit römischen Spolien, die – den römischen Pfeilerresten im Flussbett folgend – einen markanten Versatz in der Mitte aufweist. Die, vermutlich bei einem schweren Erdbeben eingestürzte, spätantike Brücke, wurde wohl unter dem Seldschukensultan Alaaddin Kaykubat (1219–1237) durch den jetzigen Flussübergang ersetzt. Dabei wurde bei der Trassenführung so weit wie möglich auf die noch vorhandene römische Bausubstanz zurückgegriffen, wobei auch die durch die Kraft des Flusses verschobene Bauwerkspartien einbezogen wurden, so dass die heutige Brücke über dem Mittelpfeiler in der Flussmitte den Versatz erhielt. Dieser Zick-Zack-Verlauf gibt der Köprüpazar Köprüsü genauso wie die durchgängige Verwendung von Spitzbögen ein ganz eigenes, von den sonstigen Römerbrücken sehr verschiedenes Gepräge.

Im Vergleich zum antiken Vorgängerbau besitzt die Seldschukenbrücke stark verkleinerte Dimensionen, was den Vorteil bot, die antiken Baureste im vollen Umfang nutzen zu können. So konnten z. B. dank der Verringerung der Brückenbreite um die Hälfte auch nur halb erhaltene antike Pfeilerfundamente in den Neubau integriert werden. In der Höhe besaß die mittelalterliche Brücke einen um 4,1 m niedrigeren Bogenscheitelpunkt. Die Länge war derart reduziert, dass die neue Brückenrampe am rechten Flussufer erst an der Stelle ansetzte, an der die Fahrbahn des römischen Vorgängerbaus schon in die Horizontale übergegangen war.

Das Hauptbaumaterial der seldschukischen Brücke besteht aus Steinquadern. Auch die bereits in der spätantiken Brücke verbauten Lochsteine vom Aspendos-Aquädukt wurden in der Rampe der Seldschukenbrücke erneut verarbeitet, so dass man von einer Drittverwendung dieses Materials sprechen kann. Die baufällige Brüstung wurde Ende der 1990er Jahre restauriert, wobei einige alte Inschriftensteine in griechischer und arabischer Sprache wieder verwendet wurden, die bereits in der alten Brüstung als Spolien vermauert waren.

Ein lohnenswertes Zwischenziel während des Aufenthalts an der türkischen Riviera.

Koordinaten: 36° 54′ 51,2″ N, 31° 9′ 46,8″ O

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