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Lorbeerbüsche säumen den Weg am Oymapinar Damm

  • Geschrieben von Website Editor
Lorbeerbüsche säumen den Weg

Wieder einmal war es soweit. Unser lieber Freund und Wanderführer Ömer hatte uns zu einer weiteren Exkursion durch das küstennahe Taurusgebirge bei Manavgat oberhalb des Oymarpinar Damms eingeladen.

Am frühen Vormittag ging es zunächst mit dem Auto von Manavgat in Richtung Oymapinar Damm, dann nach links auf kurvenreicher Piste hinauf in den Taurus bis zum Dorf Avasun, das fast wie ausgestorben wirkte.

Mitten auf dem Dorfplatz stellten wir das Fahrzeug ab, das, wie wir nach der Rückkehr feststellen sollten, dann doch nicht so verlassen war. In schülerhafter Schrift war dort notiert: Wasche mich! Recht hatten die Schüler-Autoren in jedem Fall, aber die Piste war auch wirklich zu staubig gewesen.

Ömer führte uns jetzt zunächst über relativ flaches Gelände, das von den Bauern hier oben im Rahmen kleiner Felder, die mit Steinmauern umgeben waren und zur Bepflanzung mit Getreide und Hülsenfrüchten genutzt wurden. Noch deutlich war die teilweise uralte Trennung zwischen Fußwegen und Feldern durch die aufgestapelten Steinmauern zu erkennen. Kümmerlich dagegen die Errichtung einer modernen Betonumzäunung, die auf fast 70 Metern durch schlechte Fundamentierung einfach umgefallen war.

Noch am Dorfrand machte uns Ömer auf das wichtigste Produkt dieses Dorfes aufmerksam, das in großen Bündeln von Buschwerk auf einigen Flächen lagerte: Echter Lorbeer, teilweise auch mit Edler Lorbeer oder Gewürzlorbeer bezeichnet. Wir kennen den echten Lorbeer in der Verwendung als Gewürzpflanze, denn die aromatischen Blätter des Lorbeerbaums eignen sich hervorragend zur Verwendung als Würze bei Suppen, bei Eintöpfen, auch bei Fleischgerichten oder zum Fisch. Häufig wird der zu grillenden Forelle ein Lorbeerblatt eingefügt. Uns fiel auf Ömers Rückfrage auch noch die Verwendung bei eingelegten Gurken oder Heringen ein, ja auch bei der Sülzherstellung werden häufig Lorbeerblätter hinzugefügt.

Noch heute verwenden die Bergbauern die Früchte des Lorbeerbaums, die mit Fructus Lauri bezeichnet werden, als Antiparasitika, um Läuse oder Krätzmilben los zu werden. Auch in Europa waren diese Anwendungen zumindest bekannt bis man aufgrund der häufig als Nebeneffekt auftretenden, allergischen  Kontaktdermatitis auf die Verwendung verzichtete. In der Behandlung von Milchvieh bei Euter-Erkrankungen wird noch heute auch Fructus Lauri eingesetzt. Dazu werden die Lorbeerfrüchte ausgepresst, wodurch man eine butterartige, grünliche Masse gewinnt, die zu etwa 95% aus fetten Ölen und etwa 5% ätherischen Ölen besteht, das Oleum Lauri. Fast wie eine Creme dient Lorbeeröl so medizinisch zum Einreiben bei Prellungen, Verstauchungen sowie bei rheumatischen Beschwerden. Überall auf der Welt findet man Pflanzenarten mit aromatischen Blättern, die oftmals auch mit Lorbeer bezeichnet werden. Meist haben diese Blätter jedoch geschmacklich kaum eine Ähnlichkeit mit echtem Lorbeer, werden auch nicht als Heil- oder Gewürzpflanze so effektiv eingesetzt.

Während all der Beschreibungen und Erklärungen haben wir die Dorfumgebung längst verlassen. Treffen dann am Wegrand auf erste Lorbeerbüsche, deren "Bearbeitung" durch Menschenhand gut erkennbar ist. Normalerweise ist der Echte Lorbeer ein immergrüner Strauch oder Baum, der bis zu 10 Meter hoch werden kann. Unser erstes Exemplar ist dagegen nur 3 Meter hoch. Gleich ist auch Ömer wieder zur Stelle und erklärt den Sachverhalt. Die Bergbauern schneiden die jungen Triebe und Zweige samt Blätter vom Stamm ab, die dann zu Büschen gebündelt ins Dorf getragen werden. Hier werden dann in gemeinsamer Aktion der Dorfbewohner die Blätter von den Zweigen und Trieben "gepflückt". Tonnenweise liegen dann Lorbeerblätter auf den Flächen im Dorf, so das die ledrigen, an der Oberseite glänzenden Laubblätter einen aromatischen Duft über das ganze Dorf verteilen.

Lasst Eure Nahrungsmittel Eure Heilmittel sein und Eure Heilmittel Eure Nahrungsmittel.                                                                                                      

Der berühmteste Mediziner in der Antike, der griechische Arzt Hippokrates von Kos, empfahl bereits im 5. Jahrhundert vor Christus diese Regel.

Vielen von uns ist wohl auch seit den Geschichten um Asterix und die Römer der Lorbeerkranz ein bekannter Begriff. Die altgriechische Bezeichnung für Lorbeer war "daphne" (im Türkischen "defne"), so das man in der Mythologie auf folgenden Zusammenhang trifft: um den Nachstellungen Apolls zu entgehen, verwandelte sich die Nymphe Daphne in einen Lorbeerstrauch. Von nun an trug Apoll zum Zeichen seines Kummers um die nicht erwiderte Liebe zu Daphne einen Zweigen gewundenen Lorbeerkranz. Wie immer, wenn es um Themen aus der Mythologie geht, weiß man wenig über die Quellen oder die Herkunft der Geschichten. Ob es sich vielleicht gar um die Auswirkung der Blätter des Echten Lorbeers handelt, die in größeren Mengen genossen, zu Trance und Bewusstseinsstörungen führen, ist zumindest möglich. So vermuten die Historiker nicht ganz ohne Hintergrund, das die Visionen der Priesterinnen des Orakels von Delphi auch auf den Genuss von Lorbeer zurück zu führen sind.

Unter den Römern wurde beim Einzug in die Stadt Rom der Feldherr mit Lorbeer bekränzt. Der Corona Triumphalis wurde mit dem Übergang zum Kaiserreich auch zum offiziellen Schmuck beim Auftritt in der Öffentlichkeit. Später erhielten auch die Sieger bei den Spielen oder Wettkämpfen einen Kranz aus Lorbeerblättern als besondere Auszeichnung.  Noch heute gilt der Lorbeerkranz als Symbol des Ruhmes oder Sieges, aber auch als Symbol des Friedens.

Mittlerweile hatten wir längst den Übergang zu den Kiefernwäldern erreicht und Ömer führte uns entlang von Ziegenpfaden immer höher hinauf in die Bergwelt. Weiter oben stießen wir auf ein Lager von Holzfällern, einem Camp bestehend aus familiären Unterkünften einfachster Bauart, wo türkische Holzfäller zusammen mit ihren Frauen lebten. Üblicherweise gingen die Frauen ihrer Tagesbeschäftigung wie Wäschewaschen und Kochen nach, während die Männer vorher gekennzeichnete Bäume fällten. Recht entspannt konnten wir so die im Schnellbau errichteten "Einzimmerhäuser" begutachten, die uns ohne Scheu als sauber und wirklich ordentlich aufgeräumt vorgestellt wurden. Überhaupt begegneten uns die Menschen äußerst freundlich und entspannt. Auf einen Pick-up lagerten Unmengen von Fladenbrot, die zum Verkauf im nächsten Dorf mit Markt und zum Eigenverzehr vorbereitet worden waren. Absolut überrascht waren wir, als wir fast verdeckt von all dem Brot, auf ein doch sehr modernes Gut unserer "zivilisierten" Welt stießen: Photovoltaik Zellen. Sieh mal an, war unser Gedanke. So weit entfernt jeglicher modernen Lebensstils, aber Strom in der Hütte. Es ist manchmal faszinierend, wie man sich doch bei all seinen Vorurteilen immer wieder einmal selbst überrascht.

Ömer drängte schon wieder zum Aufbruch, denn nur etwa 500 Meter weiter gab es ein weiteres Highlight unserer heutigen Tour, den Blick von weit oben auf den Oymarpinar Stausee. Unbeschreiblich. So brauchten wir doch eine ganze Weile, um allein diesen phänomenalen Blick zu verarbeiten: der blau schimmernde Stausee mit den tiefgrünen Wäldern darum herum, im Hintergrund die schneebedeckten 3.000er des Taurusgebirges. Es war wirklich wunderschön, so das wir eine Zeit verweilten. Überhaupt wurde uns gerade hier wieder klar, wie unbeschreiblich angenehm das Klima zum Aufenthalt in der Natur geeignet war. Etwa 18 - 20° waren es in der Sonne allemal. Und selbst im Schatten der Bäume war es in der Outdoor Jacke noch zu warm.

Nun ging es weiter den Berg hinauf, denn Ömer hatte schon unterwegs den Berggipfel erwähnt, der von der hiesigen Bevölkerung mit Adlerhorst beschrieben wird. Hier gab es auch kaum noch Ziegenpfade, die man zur Begehung nutzen konnte. Buschwerk versperrte teilweise unseren Weg, aber immer wieder fand Ömer eine Passage zum weiteren Aufstieg. Schon waren auch erste massive bearbeitete Steine zu erkennen, die noch in Mauerresten deutlich auf eine Bebauung aus frühester Zeit hinwiesen. Wir fanden auch einige Reste von Tonscherben die an Hand ihrer Form als Karaffengriffe oder bauchige Gefäße einzuordnen waren, auch Teile von Dachpfannen waren darunter. Auch aus Ton. Allein der Gedanke an den mühseligen Transport hierher lies auf eine römische Siedlung oder Befestigung schließen. Auch die Kannelierungen einiger Steine scheinen unsere Vermutung zu bestätigen. Vielleicht war dieser Ort aber auch bereits viel früher von Menschen besiedelt. Nachforschungen diesbezüglich, hat es unserem Kenntnistand entsprechend nie gegeben.

Auf der dem Stausee abgewandten Seite machten wir uns an den Abstieg. Deutlich waren die von Menschenhand angelegte Terrassen zu erkennen, manchmal nur wenige Quadratmeter groß. Hin und wieder wirklich exakt bearbeitete Steinquader, die zu Mauern aufgestellt waren, um Anbauflächen zu vergrößern. Soviel Mühe haben sich nachfolgende Völker nie gemacht. Das wurde uns immer klarer.

Weiter unten stießen wir erneut auf Ziegenpfade, die wir jetzt dankbar zur Nutzung annahmen. Unterwegs stießen wir auf eine große, frei grasende Ziegenherde, die sich vor allem für die vielen Kräuter zwischen den Kiefern interessierten. Völlig ohne Aufsicht konnte man manchmal nur die Glöckchen der Ziegen im dichten Buschwerk hören. Erst weiter unten in Richtung Dorf stießen wir auf das Gehöft des Ziegenbauern und wurden mit entsprechend lautstarkem Gekläffe von seinen Hunden begrüßt. Warum die Hunde nicht bei der Herde waren, konnten wir im anschließenden Gespräch mit dem Ziegenbauern allerdings nicht erfahren.

Nach einigen weiteren Kilometern hatten wir unser Ausgangsdorf wieder erreicht. So ging es zurück in die Zivilisation, wo wir aufgrund unseres einsetzenden Hungergefühls einige Forellen vorbereiteten, dazu Salat herrichteten und Bulgur kochten. Ein köstliches Mal nach herrlicher Wanderung durch den Taurus, natürlich mit einigen Lorbeerblättern im Fisch. Lecker.

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