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Girne / Kyrenia - zur Geschichte der Stadt

  • Geschrieben von Portal Editor
Girne / Kyrenia - zur Geschichte der Stadt

Wilbrand von Oldenburg, einst Bischof von Paderborn und Utrecht, unternahm zwischen 1211 bis 1212 als Hildesheimer Domherr im Auftrag Kaiser Otto IV. zur Vorbereitung seines Kreuzzugs eine Erkundungsreise durch das Heilige Land, wobei er insbesondere auch Kilikien und Zypern erforschte.

Er hat darüber sehr ausführlich in seinem Itinerarium sancte terre berichtet. Begleitet wurde er von einem Meister des Johanniterordens und dem 1210 ins Amt gewählten Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza.

Wilbrand von Oldenburg nannte die Stadt Girne noch „Schernis“, was der seinerzeitigen Aussprache des griechischen Namens nahe gekommen sein dürfte, dessen Transkription vielfach Cerines oder Cherines lautete. Ins Italienische gelangte daher die Bezeichnung Cerine. Die türkische Bezeichnung lässt sich erst später fassen. Für 1631 und 1738 ist die Variante Gerines überliefert, für 1814 Gerinia, erst später setzte sich der moderne Name Girne durch.

Aber beginnen wir mit dem Altertum, denn schon im 10. bis 9. Jahrhundert v. Chr. wurde Keryneia / Girne eines der neun Stadtkönigreiche auf Zypern. Diewahrscheinlich ursprünglich jungsteinzeitliche Siedlung Ayios Epiktitos Vrysi / Çatalköy lag auf einem kleinen Küstenvorsprung und erweckt den Anschein, als könne sie ins Meer rutschen. Keryneia selbst wurde erstmals im 4. Jahrhundert v. Chr. unter diesem Namen im Periplus des Mittelmeeres bei Pseudo-Skylax erwähnt und ist auch die einzige Überlieferung, welche die Stadt in einen größeren historischen Zusammenhang stellt, nennt darin sogar auch einige Ereignisse aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Damals stand das unabhängige Keryneia unter der Herrschaft eines namentlich nicht bekannten Dynasten, der zusammen mit anderen Stadtkönigen Zyperns im dritten Diadochenkrieg auf der Seite des Antigonos I. Monophthalmos gegen Ptolemaios I. stand. Doch eroberte Seleukos I., Verbündeter des Ptolemaios, im Jahr 315 v. Chr. die Stadt. In dem Dynasten möchte man den bei Johannes Stobaios überlieferten König Themison erkennen, dem Aristoteles um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. seinen Protreptikos gewidmet haben soll.

Im Jahr 312 v. Chr. wurde das dynastische System in Keryneia durch Ptolemaios aufgelöst und die Stadt samt ihrem Gebiet unter die Kontrolle des salaminischen Königs Nikokreon, eines ehemaligen Kampfgenossen Alexanders des Großen vor Tyros und Verbündeten des Ptolemaios, gestellt.

Unter verschiedenen Namensformen – Keraunia, Corinaeum, Cerinia, Cernia – wird die Stadt zwar immer wieder genannt, doch bieten diese Fundstellen keine weiteren Anhaltspunkte zur Geschichte der Stadt. Fragmente griechischer und phönizischer Inschriften aus Keryneia legen es nahe, dass neben der griechischen eine entsprechende, phönizische Bevölkerung dort ansässig war. An Kulten sind solche für Aphrodite und Apollon inschriftlich nachgewiesen, an Bauten wird ein Gymnasion erwähnt.

Die felsige Ebene von Chrysokava wurde in der Römerzeit als Friedhof und danach als Kalksteinbruch genutzt. Unter dem römischen Kaiser Claudius erhielt die Stadt möglicherweise ein Aquädukt; die Stadt wird auch in einer Inschrift aus flavischer Zeit erwähnt. Ob sie den Status einer civitas innehatte, ist nicht gesichert. In frühchristlicher Zeit wurde die Stadt unter dem Namen Kyrenia Bischofssitz.

Bekannt wurde die Stadt unter Archäologen und Althistorikern durch das Schiff von Kyrenia, das sich im Schiffswrack-Museum der namensgebenden Stadt befindet. Das knapp 15 m lange Schiff sank um 300 v. Chr. Es wurde 1965 von dem zyprischen Taucher Andreas Kariolou in 30 m Tiefe entdeckt und ab 1967 durch Michael Katzev von der Universität von Pennsylvania geborgen.

Unter dem byzantinischen Kaiser Alexios I. Komnenos wurde die Burg stark ausgebaut. Nachdem sich die Insel 1185 von Byzanz unabhängig gemacht hatte, eroberte der englische König Richard Löwenherz 1191 die Insel und erbeutete in Kyrenia den Staatsschatz.

Die Venezianer bauten die Befestigungsanlagen der Stadt um 1540 massiv aus, um die Insel gegen die Osmanen verteidigen zu können. Diese eroberten die Insel dennoch 1570 bis 1571. Kyrenia ergab sich, nachdem Efgenios (Zeno der jüngere) Synglitico, Graf von Rocca, der Anführer der venezianischen Truppen, mit seinem Bruder Tommaso, dem Vizegrafen von Nikosia, getötet worden war.

Im 18. Jahrhundert war die osmanische Herrschaft durch Ämterkauf gekennzeichnet, gegen den es zu Aufständen kam. Führer des Aufstandes von 1765 war Khalil Agha, dessen Anhängerschaft sich im Juni angesichts der von Konstantinopel ausgesandten mehr als 5000 Mann aufzulösen begann, so dass ihm bald nur noch 200 Mann zur Verfügung standen. Sie wurden in Kyrenia belagert, Khalil musste aufgeben.

1878 kam die Insel an Großbritannien und wurde 1960 unabhängig. 1946 zählte man in Kyrenia 2373 Griechen, 696 Türken, 233 Briten, 30 Armenier, 9 Maroniten und 154 Sonstige.

1974 begann in der Bucht von Pentemili, 8 Kilometer westlich von Kyrenia, die Operation Atilla mit der Errichtung eines Brückenkopfes (Atilla I). 3.000 türkische Soldaten landeten mithilfe von Landungsbooten am Escape-Strand. Am Ende der Operation Atilla I kontrollierten diese Truppen 3 % der Insel, darunter auch Girne. Die griechische Bevölkerung der Stadt floh in den Inselsüden. Umgesiedelte Zyperntürken aus dem Süden der Insel siedelten sich unter anderem in Girne an. Heute erinnern einige Stätten sowohl an den Brückenkopf als auch an den Vormarsch der türkischen Truppen.

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