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Kruja - Zentrum im Kampf um Freiheit gegen die Osmanen

  • Geschrieben von Portal Editor
Kruja - Zentrum des Freiheitskampfes gegen die Osmanen

Nach unserem Besuch in Durres waren wir an Tirana vorbei zum Bergstädtchen Kruja gefahren, wo heute ein monumentales Museum an den albanischen Freiheitskämpfer Skanderbeg erinnert und zunehmend für touristisches Interesse auch aus dem Ausland sorgt.

Im frühen Frühmittelalter, zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert, entwickelte sich Kruja von einer mittelgroßen Burgsiedlung zu einem urbanen Zentrum, weit vor der Entwicklung Tiranas. Artefakte aus dieser Zeit, die in Gräbern gefunden wurden, zeugen von der einstmaligen Bedeutung der Stadt und dem hohen gesellschaftlichen Status sowie dem Reichtum, der in den Gräbern der Beigesetzten aufgefunden wurde. Im 9. Jahrhundert war die Stadt Sitz eines Bischofs namens David, der als Teilnehmer am Vierten Konzil von Konstantinopel urkundlich bezeugt ist.

Wir fahren, immer den Serpentinen folgend, bis hinauf zur Burganlage. Die Ortsdurchfahrt ist teilweise etwas eng, da sich auch einige Reisebusse hinauf zur Festung quälen und oftmals mit entgegen kommenden Bussen den Weg selbst blockieren. Man versucht bereits mit einigem Aufwand, die Busse aus dem Ortskern heraus zu halten, indem Kleinbusse als Shuttle eingesetzt werden.

1190 begründete Progon das Fürstentum Arbanon mit der Burg Kruja als Herrschaftszentrum. Es war das erste von einem albanischen Adligen beherrschte Fürstentum. 1415 wurde Kruja durch die von Sultan Mehmed I. geführten osmanischen Truppen erobert. In der Mitte des 15. Jahrhunderts eroberte Skanderbeg mit seiner Liga von Lezha die Stadt zurück und verteidigte von der Festung aus Albanien mehrere Jahrzehnte gegen die vordringenden Osmanen. Diese griffen die Burg danach wiederholt an, so zum Beispiel bei der monatelangen, aber erfolglosen Ersten Belagerung im Jahr 1450. Erst nach dem Tod von Skanderbeg konnten die Türken 1478 Kruja und ganz Albanien vollständig besetzen und danach mehr als 400 Jahre beherrschen.

Kurz unterhalb der Festung gibt es diverse Parkplätze für PKW, von denen auch einer von uns gewählt wurde. Geringe Parkgebühr, wie fast überall in Albanien. Sehr zuvorkommende Parkwächter, die auch beim Ein- und Ausparken helfen. So geht es dann hinauf in den ersten Burghof der Festung Kruja, die für die albanische Nation ein historisches Heiligtum ist.

Das Skanderbeg-Museum innerhalb der Festungsmauer, in dem an den Kampf der Albaner unter Skanderbeg und seiner Liga von Lezha erinnert wird, wurde von der Architektin Pranvera Hoxha, der Tochter von Enver Hoxha, konzipiert und soll den Anschein einer mittelalterlichen Trutzburg erwecken. Innerhalb der Festungsmauern befindet sich weiterhin die kleine Dollmatekke der Bektaschi, ein Ethnographisches Museum und ein Türkisches Bad. Im unteren Teil der Festung befinden sich zahlreiche kleine Wohnhäuser, in denen noch immer Familien leben. Am Fuße des Burghügels liegt eine restaurierte Basarstraße, deren Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stammen und die typische Architektur der Berggegend widerspiegeln.

Für hier verweilende Touristen, welche die Sehenswürdigkeiten der Stadt besuchen, gibt es einige Hotels, Cafés, Bars und zahlreiche Souvenirstände wie sonst noch kaum in Albanien. Die meisten Besucher reisen für ein paar Stunden aus Tirana oder Durrës an oder machen kurz auf der Durchreise Halt. Seit neuestem werden aber auch Stadtführungen angeboten.

Von unserem Begleiter erfahren wir im Laufe der Besichtigung weitere Details zur Umgebung von Kruja, so liegt auf dem Berg oberhalb der Stadt eine der mutmaßlichen Grabstätten Sari Saltiks, eines Heiligen des Bektaschi-Ordens, in einer Höhle. An einer Bergkette weiter östlich befindet sich der Nationalpark Qafë Shtama. Am Fuß des Berges unweit von Fushë-Kruja befinden sich die Ruinen der illyrischen Stätte Zgërdhesh.

Bei Laç befindet sich eine alte Pilgerstätte: Das über der Stadt in den Bergen gelegene Kloster, das dem heiligen Antonius von Padua gewidmet ist, wird von Angehörigen verschiedener Religionen besucht. Seit dem Ende des von den Kommunisten verordneten Religionsverbots versammeln sich wieder zahlreiche Katholiken am 12. Juni beim Kloster.

Kruja war ein Zentrum des Bektaschismus. Ein Heiligtum auf dem Mali i Krujës oberhalb der Stadt ist eine der mutmaßlichen Grabstätten Sari Saltiks

In der Erzen-Schlucht Gryka e Skronës südlich von Tirana befindet sich eine große Höhle, die in der Altsteinzeit bewohnt wurde. Am Dajti weisen Funde auch auf Besiedlung in der Altsteinzeit und in der Eisenzeit hin, welche durch den Fluss Ishëm hin zur Adria entwässert wird.

Der Ort selbst sowie auch seine Umgebung hatte unser Interesse für Albanien schnell größer werden lassen, besonders auch vor dem Hintergrund sich anbietender Wanderungen in der noch fast unberührten Natur Albaniens. Alle Begegnungen mit Einheimischen verliefen bislang mit größtem Respekt und Hochachtung, weit entfernt von den Vorurteilen, die so landläufig immer wieder auftauchen.

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