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Die Römische Kinzigtal Straße und ihre Kastelle

  • Geschrieben von Sam Rohlfs

In ihrer Expansionspolitik über die Alpen bildeten der Rhein und die Donau zunächst die Grenzen des Römischen Reichs, womit ein großer Knick in der Grenzlinie durch den Rhein entstand.

Dies bedeutete lange Wege für römische Soldaten und damit zeitliche Verluste im Gefahrenfall und natürlich für den Handel große Umwege. In der Folge rückten die Römer im ersten und zweiten Jahrhundert über Rhein und Donau weiter vor und errichteten Kastelle und weitere Befestigungen. Das wichtigste Ziel bestand für die Römer zu diesem Zeitpunkt aber darin, die Verkürzung der strategisch wichtigen Verbindung zwischen Mainz und Augsburg zu erreichen, was bislang nur entlang des Rheinknies über Basel möglich war. Bereits während des Aufstands der Bataver in den Jahren 69 und 70 nach Christus hatte sich dieser Umweg als ein großes Problem heraus kristallisiert.

Während ihres Vormarsches stießen römische Truppen auch auf das Kinzigtal, dessen Breite, Länge und günstiger Verlauf in Ost-West-Richtung hervorragend für das Anlegen einer Straße geeignet war. Schnell wurde aus ersten Gedanken ein Projekt, das natürlich vorrangig militärischen Zwecken zugeordnet war: eine Militärstraße die das Tal durchquerte und dabei den Weg von Mogontiacum (Mainz) über Argentoratum (Straßburg) nach Augusta Vindelicorum (Augsburg) wesentlich verkürzen sollte. Der regierende römische Kaiser Vespasian griff den Gedanken umgehend auf und so wurde bereits 73 nach Christus mit dem Bau der Militärstraße vom modernen Offenburg durch das Kinzigtal in das zur gleichen Zeit gegründete Arae Flaviae (Rottweil) und weiter nach Tuttlingen begonnen. Bereits ein Jahr später war die Straße fertiggestellt.

Parallel zum Bau der Militärstraße wurden auch Kastelle und Lager zur Befestigung der neuen Grenzlinie angelegt. Neben Rottweil entstand ein Militärlager in Offenburg-Rammersweier, eines in Offenburg-Zunsweier, das Kastell in Waldmössingen, das Kastell Sulz, ein Lager in Geislingen-Häsenbühl sowie die Kastelle in Frittlingen, Lautlingen und Burladingen, die drei letztgenannten dienten allerdings auch zur Absicherung des Alblimes. Bis auf das Militärlager Burladingen, das sich auf rätischem Gebiet befand, waren alle anderen Lager und Kastelle auf obergermanischem Gebiet gebaut worden.

Im Jahr 1975 hatte man in der Nähe der Ortschaft Waldmössingen die Reste eines Fundaments gefunden, die zum Eckturm eines römischen Kastells gehörten. Wenige Jahre später wurden die Grundmauern und Teile der sich anschließenden Mauer nachgebaut. Auch hier wird das Alter des Baus im Zeitraum des Baus der Kinzigtalstraße augenscheinlich.

Als im Jahr 1992 überraschend das Kastell in Frittlingen entdeckt wurde, das nur wenige Kilometer südöstlich vonRottweil liegt, war man sich sicher, dass es noch weitere Kastelle zur Absicherung der Kinzigtalstraße gegeben haben muss. Immer galten exakt bestimmte maximal Abstände zur Befestigung der Grenzen im Römischen Reich. So gehen die Archäologen heute davon aus, dass es mindestens noch ein weiteres Kastell im Kinzigtal gegeben haben muss. Da die Entfernung zwischen den Kastellen in Offenburg und Waldmössingen zu groß ist, um eine sichere Grenze zu gewährleisten, vermutet man weitere ein oder zwei Kastelle, die bislang unentdeckt sind. Ähnliche Vermutungen gibt es auch in Rottenburg, wo ein römisches Kastell bislang nicht gefunden wurde.

Kastelle wurden fast überall im römischen Hoheitsgebiet gleich gebaut. Oftmals waren sie zunächst mit einer Konstruktion aus Holz und Erde in Form einer Mauer umgeben, die dann später durch Steinwände ersetzt wurden. Entlang der Mauern zog sich in der Regel ein breiter und tiefer Lagergraben mit einer Verteidigungsringstraße zwischen Graben und Mauer. Schon vor der Anlage der Mauern waren zunächst die beiden rechtwinklig zueinander verlaufenden Lagerstraßen eingerichtet worden. So ergaben sich auch immer vier Ausgangstore, die meist durch stärkere Türme geschützt wurden. Im Kreuzungspunkt dieser beiden Straßen, also zentral in der Mitte des Lagers, standen das Stabsgebäude, die Befehlszentrale des Lagerkommandanten und auch seine Unterkunft.

Meistens war direkt hier im Zentrum des Lagers auch das Fahnenheiligtum mit dem Bild des Kaisers, das Lazarett, wovon es jeweils eines für Menschen und eines für die Pferde gab, untergebracht. Auch die für das Lager notwendigen Werkstätten der Schmiede, des Waffenmeisters und der Zimmerleute waren im Zentrum angesiedelt. In militärisch exakt ausgerichteter Anordnung wurden dieser Kern von den Mannschaftsbaracken sowie von den Versorgungsspeichern und den Pferdeställen umringt. In großen Kastellen waren bis zu 6.000 Mann nebst 120 Reitern untergebracht.

Durch den weiteren Vormarsch der römischen Truppen entstanden nur wenig später nördlich der Kinzigtalstraße weitere Befestigungen, die alle östlich des Rheins gelegen sind, so in Frankfurt-Heddernheim, Okarben, Groß-Gerau und Ladenburg (Lopodunum). Unklar ist den Forschern bislang noch, ob es sich bei diesen Lagern zunächst nur um Vorposten handelte oder ob sich der Verlauf der Grenzlinie des Römischen Reichs schon zwischen 73 und 98 nach Christus soweit vor verlagert hatte. Auch in Gernsheim, Heidelberg und Baden-Baden (Aquae) sind solche Außenposten gefunden worden. Man vermutet heute, dass etwa ab dem Jahr 98 der gesamte Bereich Südwestdeutschland vom Odenwald bis zum Neckar unter römischer Herrschaft stand. Die für die Römer so wichtige Verbindung zwischenAugsburg und Mainz verkürzte sich durch diese Expansion weiter, womit die Kinzigtalstraße ihre Bedeutung als Militärstraße fast komplett verlor.

Für den Handel blieb die Kinzigtalstraße allerdings auch weiterhin von großer überregionaler Bedeutung. Wo immer es die Landschaft erlaubte, bauten die Römer ihre Straßen schnurgerade. In der Regel zwischen 4 und 5 Meter breit, waren die Straßenoberflächen meist mit Schotter bedeckt, teilweise auch gepflastert. Rechts und links der Straße gab es Gräben für das Regenwasser. Händler nutzten mit Ihren Lasttieren oder Karren gerne die römischen Straßensysteme, sorgten sie doch für schnelles Fortkommen und sicheren Weg. Eilkuriere konnten aufgrund der guten Versorgung mit Raststationen entlang der Strecke etwa 200 Kilometer pro Tag zurücklegen, ein Reisewagen benötigte damals für die Strecke von Mainz nach Rom etwa 10 Tage. Römische Meilensteine wurden an wichtigen Straßenpunkten errichtet und gaben Auskunft über Entfernungen und den Bauherrn der Straße. So wurde durch den Fund eines römischen Meilensteins bei Offenburg auch klar belegbar, dass die Kinzigtalstraße unter Kaiser Vespasian von einem Römer Namens Cornelius Clemens gebaut worden war.

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