Englischer Landschaftspark Schloss Kaartz beim Apfelfest

Englischer Landschaftspark Schloss Kaartz beim Apfelfest
Englischer Landschaftspark Schloss Kaartz beim Apfelfest

Schlossgarten Kaartz – Während das Schlossgebäude selbst heute zu einem Hotel umgebaut ist, hat sich das größte wiederkehrende Fest im Schlosspark unter dem Begriff Apfelfest zu einem Publikumsmagneten entwickelt.

Das weit über die Ortsgrenzen bekannte Apfelfest findet auf der historischen Streuobstwiese des Schlosses statt.

Schlosspark– eine historisch bedeutsame Entwicklung

kaartz apfelfest 03Der Schlosspark des Schlosses Kaartz wurde ursprünglich als englischer Landschaftspark von Carl Ansorge ab 1873 angelegt. Der Schlosspark ist mit seltenen Bäumen und Pflanzen ausgestattet, unter anderem finden sich hier mehrere uralte Eichen, Douglasien und Zypressen. Allein das Betrachten der uralten Bäume lohnt bereits den Besuch.

Im Park stehen, fast wie versteckt, außerdem die neugotische Kapelle der Familie von Bülow sowie das Mausoleum der Familie Hüniken, die im Stile der Neorenaissance erbaut worden sind. Im oberen Teil des Schlossparkes, linksseitig der Straße nach Weitendorf, stand bis 1946 ein kleiner Teepavillon, errichtet in fernöstlichen Baustil.

kaartz apfelfest 02Den gesamten Schlosspark umgab ein Metallzaun. An den Einfahrten zum hochherrschaftlichen Schloss standen in natürlicher Größe verschiedene Tiere auf Steinsockeln. An der Hauptauffahrt aus Richtung Weitendorf zwei kapitale Hirsche, an der Einfahrt vom Gutshof zwei Löwen und am Weg nach Hütthof zwei Füchse. Die Einfahrten waren aus stark verzierten Metalltoren gefertigt.

Der Parkbereich ist für Besucher geöffnet. Während des Apfelfestes wird allerdings ein Eintrittsgeld verlangt. Das Schloss und der Schlosspark liegen in unmittelbarer Nachbarschaft des ausgedehnten Waldgebietes Kaarzer Holz, ein Naherholungsgebiet, dass vor allem Wanderer und Naturliebhaber anzieht.

Zurück zum Apfelfest auf der Streuobstwiese

kaartz apfelfest 04Die Streuobstwiese ist eine traditionelle Form des Obstbaus, die man fast in ganz Europa findet. Auf den so genannten Streuobstwiesen stehen verstreut starkwüchsige, hochstämmige und mit großen Kronen gezogene Obstbäume meist unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten, so dass deren Ernte über einen möglichst langen Zeitraum gestreckt wurde. Bis fast in den Winter hinein konnte so Obst geerntet werden.

Da Obstbäume aufgrund ihres tiefgehenden Wurzelgeflechts den Boden an Hängen vor Bodenerosion schützen können, dienen sie auch dem Erhalt der oberen Humusschichten des Bodens. Extreme Temperaturen werden durch den Luftaustausch zwischen schattigen und besonnten Flächen abgeschwächt, und die Windgeschwindigkeit wird durch die höhere Strukturvielfalt vermindert.

kaartz apfelfest 05Die Bestände der Streuobstwiesen haben europaweit leider bereits ab den 1920er-Jahren stark abgenommen, so gab es früher an fast jedem Bauernhaus auch eine Streuobstwiese. Heute kauft man Obst lieber und fast ausschließlich im Supermarkt, dabei gibt es gerade im Osten Deutschlands Straßenzüge, die von Obstbäumen begleitet sind. Wie schade, das deren Früchte so wenig genutzt werden.

Einmal mehr, es waren  Römer, die die nicht heimischen Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Süßkirschen sowie Walnuss und Edelkastanie einst nach Mitteleuropa und Nordeuropa brachten.

Hier konnten diese bereits im antiken Griechenland kultivierten Obstsorten nur in klimatisch begünstigten Gebieten gedeihen.

kaartz apfelfest 06Aus Kernen dieser Birn- und Apfelbäume gezogene Bäume hatten unterschiedliche Eigenschaften; einige konnten in raueren Lagen angebaut werden. Die Züchtung robusterer und weniger anspruchsvoller Sorten wurde häufig von den mittelalterlichen Klöstern betrieben.

Selektiert wurden spätblühende und frostunempfindliche Sorten für raue Lagen im Gebirge oder am Meer, Dörrobst, lange lagerbare Früchte, Ertrag und Geschmack. Die Anlage von Obstwiesen und Weinbergen wurde durch zahlreiche Edikte gefördert, in der Nähe der Klöster entstanden die ersten größeren Obstwiesen.

Mit ihren unterschiedlichen Wuchsformen, Blühzeiten und -farben und Herbstfärbungen nehmen sie auch eine gestalterische Funktion wahr und werden dadurch von der Bevölkerung gerne in der Freizeit aufgesucht.

kaartz apfelfest 07Auf extensiv bewirtschafteten Streuobstwiesen komplettiert je nach Artenzusammensetzung, Standortfaktoren und Zweitnutzung (Weide, Wiese, Acker) eine artenreiche Tierwelt (Fauna) die Lebensgemeinschaft (Biozönose). Insbesondere ist die Streuobstwiese ein wichtiger Lebensraum für Vögel und Gliederfüßer wie Insekten oder Spinnen. Streuobstwiesen weisen nur zwei deutliche „Stockwerke“ auf: die Kronenschicht der Obstbäume und die aus Gräsern, Kräutern und teilweise niederen Stauden bestehende Krautschicht. Durch den weiten Stand der lichtkronigen Bäume ist die Krautschicht besonnt und sehr vital. Im Unterschied zu Obstplantagen, insbesondere wenn dort auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird, sind Streuobstwiesen wesentlich artenreicher. Dies gilt auch für den Vergleich von biologisch bewirtschafteten Niederstamm-Anlagen, deren Ökologie konventionell oder integriert bewirtschafteten Niederstammanlagen mehr gleicht als Streuobstwiesen

Wir haben den Besuch des Schlossparks Kaartz während des Apfelfestes sehr genossen zumal es an zahlreichen Ständen interessante Köstlichkeiten zum Verzehr gab. Dieser Ausflug war ein wirkliches Erlebnis und kann nur weiterempfohlen werden. Vielleicht auch etwas für Sie, liebe Leser.

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