Vom Torfhaus zum Radau Wasserfall bei sibirischer Kälte

Vom Torfhaus zum Radau Wasserfall bei sibirischer Kälte

Und wenn es doch auch nur ein künstlicher Wasserfall ist, wir haben den Weg vom Torfhaus in Richtung Goslar für einen kleinen Zwischenstopp bei eisiger Kälte, immerhin minus 17° Grad, genutzt, uns auch das Pendant zum Romkerhaller Wasserfall anzusehen.

Die Radau – aus dem Hochmoorgebiet Torfhaus

Der Name basiert auf dem gleichnamigen Flüsschen Radau, das oberhalb des Wasserfalls durch das Radautal in die Aller fließt. Bereits seit Mittelalter wurde die Radau zum Flößen von Baumstämmen und Torf auf hölzernen Paletten genutzt, die im Harz gefällt bzw. gestochen wurden. Um genügend Vortrieb zu haben, staute man das Wasser der Radau mit Hilfe von sechs Flössschleusen auf. Das zu flößende Material, das vorher im Fluss deponiert wurde, trieb nach Öffnung der Schleusen mit dem zusätzlichen Wasserschwall flussabwärts bis an seine Zielorte. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke wurde das Holz auf dem Schienenweg transportiert und die Flößerei aufgegeben.

Die Radau selbst ist ein lediglich 21,1 km langer, rechter Zufluss der Oker im niedersächsischen Landkreis Goslar. Sie entspringt im Oberharz im Ortsgebiet des Altenauer Ortsteils Torfhaus, ihre Quelle liegt im nahe der Lerchenköpfe (821 m ü. NHN) befindlichen Torfhausmoor (auch Radaubornmoor genannt) auf rund 800 m Höhe.

Hochmoor unterhalb des Brocken - Torfhaus

Nur wenige Meter unterhalb ihrer Quelle fließt die Radau in den Nationalpark Harz ein.Übrigens: wer sich für Hochmoore und deren Tier- und Pflanzenwelt interessiert, dem sei das Nationalparkhaus direkt am Parkplatz Torfhaus empfohlen. Im Quellgebiet und im weiteren Verlauf im Radaubruch fließen ihr zahlreiche Hochmoorgräben zu. Mehrfach sind wir in dieser Gegend auf Wandertouren gewesen, die bis hinauf auf den Brocken führen. Ein wunderbarer Pfad ohne zu anstrengend zu sein. Alternativ kann man sich natürlich auch mit der Dampfeisenbahn auf den Brocken bringen lassen und umgekehrt den Weg zurück zum Torfhaus wandern. Auch im Winter eine tolle Tour. Es ist allerdings empfehlenswert, sich auf sehr tiefe Temperaturen einzurichten, was ganz besonders für den Brocken gilt.

Nach Einmündung der von links kommenden Baste, wo sie vom Nationalpark in den Naturpark Harz wechselt, tritt der typische Mittelgebirgsfluss in sein tief eingeschnittenes Radautal ein. Nach den Einmündungen des von rechts heran fließenden Lohnbachs, von wo ab er entlang der Grenze des wenige Meter östlich befindlichen Nationalparks im Osten und des Naturparks im Westen verläuft, und des von links kommenden Tiefenbachs wird aus dem Fluss Wasser zum künstlich angelegten Radauwasserfall übergeleitet.

Der künstliche Radauwasserfall unspektakulär ruhig - da gefroren

Der künstliche Radauwasserfall befindet sich auf dem Westhang des Winterbergs (585,3 m). Zur Speisung des rund 23 Meter hohen Wasserfalls wurde ab einem Punkt etwa 300 Bachmeter nordwestlich unterhalb der Einmündung des Lohnbachs ein rund 1000 m langer Abzweigkanal der Radau angelegt, der „Hanggraben“. Unterhalb des Wasserfalls fließt das Wasser wieder in die Radau ein. Hier hat die Radau bereits 400 Höhenmeter zurückgelegt. Beim darauf folgenden Gabbro-Steinbruch unterquert sie erstmals die Bundesstraße 4.

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_niedersachsen_radau-wasserfall.JPGDer Radaufall samt Hanggraben wurde 1859 auf Betreiben von Philipp August von Amsberg (Gründer der Herzoglich Braunschweigischen Staatseisenbahn) sowie des Staatlichen Badekommissars Hermann Dommes zur Belebung des Fremdenverkehrs eingerichtet und stellt bis heute auch durch seine Lage dicht an der Bundesstraße 4 eine touristische Attraktion dar, ganz besonders auch im winter, wenn die Wassermassen tief gefroren einen mächtigen Eisklumpen ungewöhnlicher Form und Struktur mit vielen Eiszapfen bilden.

Radau – ein weiterer Zufluß zur Aller

Beim Forsthaus Radauberg fließt die Radau in besiedeltes Gebiet und wenig später in das Kurgebiet Bad Harzburgs ein; dabei verlässt sie den Nationalpark und Naturpark Harz endgültig. Im Harzburger Stadtgebiet, wo der Fluss den östlich gelegenen Großen Burgberg (485 m) passiert, ist sein Ufer weitgehend mit Werksteinen befestigt. Nördlich der L 501 (Herzog-Julius-Straße) mündet der zuletzt stark kanalisierte Stübchenbach in die Radau.

Beim Stadtteil Mathildenhütte passiert die Radau die links liegende Ansiedlung Radauanger mitsamt städtischer Kläranlage. Unterhalb des Guts Radau und der Radaumühle, wo der Fluss das Bad Harzburger Stadtgebiet verlässt, hat er nur noch etwa 50 Höhenmeter bis zur Mündung durch ein ausgedehntes Kiesabbaugebiet zurückzulegen. Unterhalb des Abbaugebiets münden der von links aus Harlingerode kommende Teufelsbach sowie im weiteren Verlauf zwei im Radauer Holz entspringende Bäche ein. Hiernach durchfließt die Radau den Goslarer Stadtteil Vienenburg und erreicht nordöstlich davon und kurz vor dem Stadtteil Wiedelah am Ostende des Harly-Waldes auf 130 m Höhe den dort von Westen kommenden Aller-Zufluss Oker.

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