Schloss Strünkede und seine Parkanlage

Schloss Strünkede und seine Parkanlage

Schloss Strünkede - Das Schloss ist ein so genanntes Wasserschloss im Stadtteil Baukau der Ruhrgebietsstadt Herne inmitten eines ausgedehnten Parkareals, wie Beispielsweise auch das Wasserschloss Neustadtgödens, dessen Name auf das mittelhochdeutsche Wort „strunk“ für „gerodeter Baum“ zurück geht.

Schloss Strünkede – Von Wassergräben umgeben

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_nordrhein-westfalen_struenkede-wasserschloss-02.jpgAn der Stelle, an der heute das Schloss Strünkede steht, befand sich im Mittelalter eine Burg. Ihre Erbauer waren die Herren von Strünkede, die urkundlich erstmals 1142 genannt wurden. Sie waren Ministerialen der Grafen von Kleve und später der Herzöge von Kleve-Mark und wurden 1636 zu Reichsfreiherren erhoben. Die Burg wird 1243 zum ersten Mal erwähnt. Ihren ursprünglichen Wohnsitz, einem auf einem künstlichen Hügel errichtetem Wohnturm, hatten die Herren von Strünkede mehrere Jahrzehnte zuvor aufgegeben.

Im 13. Jahrhundert bestand die Burganlage aus der Hauptburg, einer südlich vorgelagerten Vorburg und der Kapelle. Schriftliche Quellen erwähnen für die Hauptburg „Turm und Tor“, vermutlich ein Verteidigungs- und Wohnturm und ein Torhaus. Nach und nach kamen weitere Gebäude hinzu, denn den Ergebnissen archäologischer Untersuchungen zu Folge war der heutige Schlosshof im Mittelalter ganzseitig umbaut und an der Nordwestecke durch einen weiteren Turm gesichert. Umgeben war die Anlage von wassergefüllten Gräben, den Gräften, die feindlichen Annäherungen erschweren sollten.

Umbauten zum Schloss Strünkede

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_nordrhein-westfalen_struenkede-wasserschloss-03.jpgAls Folge zahlreicher Auseinandersetzungen der Herren von Strünkede mit ihren Lehnsherren, mit adligen Standesgenossen und der Stadt Recklinghausen war die Burg Strünkede zwischen dem 14. Und 16. Jahrhundert mehrfach Belagerungen und Zerstörungen ausgesetzt, die ihre Bausubstanz stark beeinträchtigt haben müssen. Jobst von Strünkede, der „gelehrte“ Jobst, begann 1591 schließlich mit dem Umbau der mittelalterlichen Anlage zu einem repräsentativen Schloss. Als sein Enkel Gottfried 1664 das Werk seines Großvaters vollendete, zeigte sich Strünkede als herrschaftliche Anlage mit umgebautem Ost- und Westflügel, einem Torhaus mit geschweiften Giebeln und zeitgenössischer Außen- und Innenausstattung. Markante äußere Veränderungen ließ Johann Conrad von Strünkede vornehmen, als er um 1700 den südöstlichen Eckturm mit einer geschweiften Dachhaube versehen ließ. Der repräsentative Charakter der Schlossanlage wurde durch einen nach französisch barockem Vorbild gestalteten Garten unterstrichen. Ihr angegliedert waren ein Obst- und Gemüsegarten mit einem Taubenturm.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts präsentiert sich das Schloss in seinem heutigen Erscheinungsbild als zweiflügelige Anlage. Im Jahr 1900 veräußerten die letzten Besitzer, die Familie von Forell, das Schloss an die Harpener Bergwerks-AG. In der Folgezeit wurde es als Restaurant, Lazarett, Polizeigebäude, Unterkunft für die Hitler-Jugend und Kindererholungsheim genutzt. Seit 1948 beherbergt es die Sammlungen des Emschertal-Museums der Stadt Herne.

Zur Gründungszeit der Burg im frühen 13. Jahrhundert gehörten die Gräften zu den Verteidigungsanlagen des Militärstützpunktes Strünkede. Sie verstärkten den natürlichen Schutz, den die Emscher mit ihren jahreszeitlich bedingten Geländeüberflutungen der Burg bot.

Das von den Herren von Strünkede errichtete Gräften System bestand aus teilweise bis zu 7 hintereinander liegenden Wassergräben. Die einzelnen Gräben, bis 7 Meter breit und 2 Meter tief, umgaben die gesamte Burganlage und wurden vom Strünkeder Bach gespeist. Sie erschwerten den Zugang zur Burg erheblich und boten einen zuverlässigen Schutz vor feindlichen Angriffen.

Wassergräben als archäologische Fundstellen

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_nordrhein-westfalen_struenkede-wasserschloss-04.jpgArchäologische Untersuchungen legten eine Zweitnutzung der Gräften offen: Es landete alle im Wasser der Gräften, was die Bewohner der Burg loswerden wollten: zerbrochenes Küchen- und Tafelgeschirr ebenso wie eine durchgescheuerte Schuhsohle, zahlreiche Knochenreste der Mahlzeiten, Ofenkacheln, einen Knochen, den man als Schlittschuh benutzt hatte, oder Reitersporen.

Die Gräften mussten nicht nur als Mülldeponie, sondern auch als Abwasserkanäle herhalten. Eine heute noch in der ehemaligen Schlossküche befindliche Abortanlage zeigt den Entsorgungsweg, der die Fäkalien durch einen Schacht direkt in die Gräfte führte. Als Waschplatz für die Wäsche oder gar als Trinkwasserreservoir fielen die Gräften damit aus.

Heute sind sie geschützter Lebensraum für Wasservögel. Ihre Verteidigungs- und Entsorgungsfunktion haben die Gräften verloren, als Sicherung für die Fundamente von Schloss Strünkede sind sie aber nach wie vor von Bedeutung.

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_nordrhein-westfalen_struenkede-wasserschloss-06.jpg2008 wurde der gesamte Schlosspark gärtnerisch neugestaltet. So wurde das Wohn- und Garagenhaus gegenüber der Villa Forell aus den 1920er Jahren abgerissen und die alte Sichtachse – von der Landstraße von Bochum nach Recklinghausen (heute: Bahnhofstraße) – wiederhergestellt.

Von Oktober 2009 bis Juni 2010 erfolgte eine grundlegende Renovierung des Schlossgebäudes. Zeitgleich fanden umfangreiche bauhistorische Forschungen statt, und die Dauerausstellung des Emschertal-Museums wurde umfassend erneuert. Deren Wiedereröffnung zum Thema Das Haus, seine Geschichte, seine Menschen fand am 13. Juni 2010 statt. Weitere Renovierungen schlossen sich bis Mitte 2011 an.

Zum Schloss Strünkede gehörende Kapelle

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_nordrhein-westfalen_struenkede-wasserschloss-05.jpg1948 wurde die kleine Kapelle zusammen mit dem Schloss Eigentum der Stadt Herne. Nach einer gründlichen Restaurierung, bei der auch die durch Brandbomben zerstörten, gotischen Gewölbe wiederhergestellt und eine neue Fensterverglasung vorgenommen wurden, dient sie bis heute neben Konzerten, Trauungen und Taufen dem Gottesdienst kleinerer Glaubensgemeinschaften.

Der Backsteinbau mit dem polygonalen 3/8-Chor weist an seiner südlichen Seite mit den Werksteineinfassungen die ältesten Spuren auf, die vielleicht noch vom Gründungsbau von 1272 stammen könnten. Der übrige Teil wurde wohl im 14./15. Jahrhundert nach den Zerstörungen von Strünkede errichtet. Der jetzige Dachreiter aus der Nachkriegszeit ersetzt eine kleine Barockhaube. Der zweijochige Saal besitzt ein Kreuzrippengewölbe, dessen Schlussstein die Wappen der Familie von Strünkede und ihrer Lehnsherren, der Herzöge von Kleve, zeigt. Einbahnige Spitzbogenfenster, die im Chor zweibahnig sind, sorgen für die Beleuchtung des kleinen Sakralbaus. Die Fensterlaibungen im Chor zeigen vereinfachte, spätgotische Rankenmalerei. An den Wänden befinden sich alte Herner Grabsteine, so auch der von Margaretha von Asbeck, der 1587 verstorbenen Ehefrau des „tollen Jobst“.

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