Yörük – nomadische Hirten im Taurus Gebirge

Yörük – nomadische Hirten im Taurus Gebirge

Schon wenige Kilometer entfernt von den touristisch geprägten  Küstenstädten an dertürkischen Riviera und der türkischen Ägäis ändern sich nicht nur die Landschaft und die Natur grundsätzlich, auch die Bevölkerung ist grundlegend anders.

Meist in kleinen Dörfern lebend und in der Landwirtschaft tätig, findet man die Dörfler an den Wochenmarkttagen in den Städten, um ihre Produkte zu verkaufen. In den heißen Sommermonaten dagegen fliehen viele Bewohner der Küstenregionen in die Berge, um dort den Sommer zu verbringen und im gewissen Rahmen auch Landwirtschaft zu betreiben. Mittlerweile gibt es riesige Siedlungen von Sommerresidenzen auf den Hochebenen im Taurus entlang der Küste. Eine gewisse Mobilität steckt also grundsätzlich sowohl in den Städtern als auch in der dörflichen Bevölkerung, was sich auch in der hohen Zahl der Wanderarbeiter wiederspiegelt, die zu den jeweiligen Erntezeiten in die  Baumwollfelder, die Teefelder oder die Obstanbaugebiete reisen.

Yörük, die letzten echten Nomaden in der Türkei

yoeruek ziegenhirten 3Eine ganz besondere Gruppe unter der mobilen türkischen Bevölkerung sind die noch verbliebenen Yörük, die letzten echten Nomaden in der Türkei.

Trotz erheblicher Mühen während des 20. Jahrhunderts, auch diese Volksgruppe sesshaft zu machen, gibt es nach wie vor Gruppen dieser Wanderhirten, die in ihren Zeltdörfern ganzjährlich im Hochgebirge leben.

Einige unter den Yörük Gruppen haben zwar mittlerweile in den strengen Wintern auch einen festen Wohnsitz in der Ebene und ziehen erst in den Sommermonaten mit ihren Tieren in die Berge.

Diese Gruppen zählen aber nicht mehr zu den Yörük, sondern werden als Halbnomaden bezeichnet.

Scheinbar autark von der sonstigen Bevölkerung getrennt

yoeruek ziegenhirten 1Die Yörük leben scheinbar autark von der sonstigen Bevölkerung getrennt. Sie stellen fast alle Dinge des täglichen Lebens selbst her, worunter Lebensmittel, Kleider und Teppiche (Kelims) fallen.

In der Regel sehr entgegenkommend und gastfreundlich, bilden Sie eigene Gemeinschaften weit weg von jeglicher Zivilisation.

Sie haben gelernt, an ihrer Freiheit festzuhalten, die vor allem im Winter, ein entbehrungsreiches Leben bedeutet.

Ein wichtiger Bereich im Rahmen dieser Freiheit ist auch die Religion, denn die Yörük zählen zu den Alevi. Im Gegensatz zu den überwiegend türkischen Sunni-Moslems sind die Nomaden Schiiten, die, allerdings völlig anders als die Schiiten im Iran, ihren Glauben leben.

Schamanismus als Geisterbeschwörung

yoeruek ziegenhirten 4Bei den Yörük gibt es noch zahllose Züge von Schamanismus als Geisterbeschwörung, die sich noch heute auch bei Indianern und Mongolen wiederfindet.

Diese Art der Religion stammt noch aus der ursprünglichen Heimat derTürken in Zentralasien und ist während derWanderung nach Kleinasien mit dem Islam vermischt worden.

Die Yörük halten die gewöhnlichen, moslemischen Rituale wie das fünfmalige Beten am Tag, nicht ein.

Sie haben eigene religiöse Zeremonien in ihren Zelten, während dessen gesungen, getanzt und gespielt wird. So kann man fast sagen, dass es in hohem Maße Alevi sind, die die völkische,  türkische Musik und Poesie überliefert haben.

Kulturelle Vielfalt ist weltweit ein Kulturgut

yoeruek ziegenhirten 5Es ist heute schwer zu verstehen, dass die Vorfahren dieser Gruppen im elften Jahrhundert in der Lage waren, nach Kleinasien einzuwandern und es gar einzunehmen.

Gegen eine byzantinische Kultur, die als Basis auf der griechischen und römischen Kultur aufbaute und doch fast komplett zerstört wurde.

Die Geschichte zeigt also immer wieder konkret an Beispielen, das auch hochentwickelte Kulturen verfallen, wenn man es versäumt, sie zu verteidigen, was allerdings nicht gleichbedeutend mit kriegerischen Auseinandersetzungen zu verstehen ist. Kulturelle Vielfalt ist weltweit ein Kulturgut, das es zu erhalten gilt.

Und wer, aus welchen Gründen auch immer, Kulturgut zerstört, der zerstört damit auch sein eigenes Sein und die Möglichkeit aus vergangenen Fehlern zu lernen.

Gäste zu ihren Wanderungen

yoeruek ziegenhirten 6Die ursprüngliche Kultur der Yörük findet man heute fast nur noch in den Museen. Hier ist vor allem das Freilichtmuseum in Kemer und die Museen von Antalya undAnamur zu nennen.

Ob das allerdings, auch übertragen auf weitere Bereiche unseres Lebens, eine Perspektive sein kann, bleibt fraglich. Erst in kleinen Schritten weiß man die kulturelle Vielfalt als etwas sehr Positives zu sehen, das es zu erhalten gilt.

So gibt es mittlerweile auch unter den Nomaden einige Yörük-Gruppen, die auch Gäste zu ihren Wanderungen mitsamt der Herde einladen.

Vierzehn Tage hoch oben auf der Yaila, in den typischen Zelten der Yörük, wird versucht, das Leben dieser Nomaden möglichst authentisch einer kulturell interessierten Gruppe von Besuchern zu präsentieren.

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