Menu

alaturka

Chios – griechische Insel vor den Toren von Çeşme

  • Geschrieben von Website Editor
Chios – griechische Insel

Schon seit geraumer Zeit war der Besuch der griechischen Insel Chios ganz weit oben auf meiner Liste von Besuchszielen, für die es lediglich noch einen triftigen Anlass brauchte.

Diesen Grund bot jetzt meine Freundin Belgin, die am Wochenende einen kurzen Ausspannungstrip nach stressreicher Arbeitswoche zur Insel Chios vorschlug. Mit großer Vorfreude ging ich auf ihren Vorschlag ein, wenn es zunächst auch nur ein Tagesbesuch sein würde. So verabredeten wir uns für den Ostersonntag und fuhren von Izmir über die Autobahn zum Hafen von Çeşme.

Pünktlich zur Ablege Zeit der Fähre waren wir im Hafen von Çeşme angekommen. Wir hatten zunächst mit dem Gedanken gespielt, auch das Auto mit auf die Insel zu nehmen. Dies war jedoch nicht möglich, da wir die grüne Versicherungskarte des Fahrzeugs nicht dabei hatten. Schnell zeigte sich, dass die Zeitdauer des Aufenthalts für Exkursionen mit dem Auto ins Innere der Insel sowieso nicht gereicht hätte, denn uns blieben letztendlich nur etwa 6 Stunden auf der Insel. Also blieb das Auto in Çeşme am Hafen zurück und wir zahlten nur die Personenpauschale.

Trotz der unmittelbaren Nähe zum türkischen Festland, es sind lediglich zwischen 7 und 13 Kilometer zwischen Çeşme und Chios, gehört Chios  gemeinsam mit der Inselgruppe Inousses sowie einigen weiteren kleinen unbewohnten Inseln der Ost Ägäis zu Griechenland. Bis zur Halbinsel Çeşme sind es von Inousses sogar lediglich 3 Kilometer. Mit einer Fläche von rund 842 Quadratkilometern ist Chios die fünftgrößte Insel Griechenlands und die zehntgrößte Insel im gesamten Mittelmeer. Die wohl im Bereich Tourismus bekanntere Insel Lesbos liegt etwa 48 Kilometer in nördlicher Richtung, Ikaria ist sogar etwa 58 Kilometer entfernt. Mit seinen etwa 25.000 Einwohnern ist die Stadt Chios nicht nur Haupthafen der Insel sondern auch Anlaufhafen der Fähren vom anatolischen Festland sowie auch von den Nachbarinseln. Allerdings gibt es eine Vielzahl kleinerer Häfen und Buchten, die besonders auch als Ankerplätze von Touristenschiffen genutzt werden. Relativ geschützt durch die Nähe des anatolischen Festlands und die hohen Berge auf der Insel Chios selbst, empfiehlt sich die Ostküste als Paradies für Freizeitkapitäne. Die Nordküste selbst ist recht steil, die Nordostküste bietet mit der Bucht von Marmoro  und der Bucht von Kolokythia bei Langada allerdings zwei ebenfalls geschützte Häfen. Im Südosten folgen die Buchten von Megas Limionas und von Kalamoti und an der Südspitze ist der Küstenverlauf durch zahlreiche Hafenbuchten und Kaps stärker zergliedert. Es ist also durchaus als Empfehlung zu betrachten, die Insel vom Boot aus durch die Buchten und Häfen zu erkunden.

Schon der Blick hinüber von der Fähre zeigte eine sehr gebirgige Insel, die im Norden von zwei Bergmassiven dominiert wird: dem Pelinneo mit einigen Gipfeln von mehr als 1.000 Metern Höhe sowie dem Profitis Ilias, der mit seinen stolzen 1.297 Metern auch der höchste Berg von Chios ist. Die Berge der Amani im Nordwesten von Chios erreichen „nur“ Höhen von etwa 800 Metern. Wir waren jetzt ganz froh, zunächst ohne Auto gekommen zu sein, denn wir hatten noch keine Vorstellung hinsichtlich der Straßenqualität auf der Fahrt ins Innere der Insel, die in ihrer Mitte nur etwa 13 Kilometer breit ist. In der Längsrichtung vom Kap Masticho im Süden bis zum Kap Epanochoro im Norden sind es immerhin 51 Kilometer, die von der Stadt Chios kommend in beide Richtungen einige Serpentinen an den Bergen erwarten lässt.

Nach dem Festmachen des Fährschiffes führte uns der erste Weg in die Stadt Chios, deren Straßen geschäftiges Leben und viel einheimische Kultur bot. Umgehend nahmen wir in den engen Gassen den sehr fruchtigen Geruch war, der als so typisch für Chios  gilt. "Citrus fruits are one of the most characteristic features of Chios, and hence the reason that the island is also called "myrovolos" (fragrant); since the moment you arrive to the island, the aroma of the oranges and tangerines' orchards will welcome you from the leafy green fields all around the island," so die Aussage eines Leitspruchs der Insel.

Auf dem Weg stießen wir auch auf das wohl am häufigsten fotografierte Objekt der gesamten Insel: die Windmühlen. Es ist aber auch wirklich zu schön, das Ensemble der Mühlen, auch wenn ohne die weißen Segel, am Ufer stehen zu sehen.

Wir konnten den Bummel ausgiebig nutzen, auch die kleinen Geschäfte zogen uns magisch in ihren Bann. Ist halt doch ein auf Tourismus ausgerichtetes Städtchen, das gerade wieder aus seinem Dornröschenschlaf des Winters erwacht. Freundlich und offen waren Ladenbesitzer und Passanten, so dass wir auch etwas über die Historie der Insel erfahren konnten. Seit einigen Jahrtausenden bewohnt, hatten wir ja bereits über eine der Besonderheiten der Insel, der Anlage von Plantagen mit Mastix Bäumen berichtet, die in derGeschichte der Insel eine so entscheidende Rolle spielten und noch heute spielen.
Funde in den Höhlen von Agios Gala lassen Rückschlüsse auf menschliche Besiedlungsgeschichte bis etwa 3.000 vor Christus zu, der erste König war Amphialos oder Amphiklos, der von einem Orakel nach Chios geschickt worden war. Wenig später waren dann Ionier aus Kleinasien Siedler auf der Insel, die in der Folge um 700 vor Christus zur Seemacht aufstieg und sich somit als Zentrum von Kultur und Handel etablierte. Leider, so muss man aus heutiger Sicht sagen, basierte der erfolgreiche Handel zum großen Teil auf dem Sklavenhandel, der noch bis zur Neuzeit betrieben wurde. Laut Niederschriften des Historikers Theopompos waren es Griechen auf Chios, die den ersten Sklavenmarkt eröffneten. Dies führte zu einer Blütezeit der Insel, die dann auch über die reichsten Bewohner verfügte.

Im Zuge der persischen Eroberungen wurde im Jahr 512 vor Christus auch Chios erobert und besetzt. Aufgrund der verlorenen Schlachten bei Salamis und Platäa wurden allerdings wenig später die persischen Statthalter von Chios auch wieder vertrieben. In der Zeit des Attischen Seebundes erlebte Chios eine zweite Blütezeit, die erst mit dem Peloponnesischen Krieg endete. Jetzt löste sich Chios von Athen und schloss sich Sparta an. Mehr und mehr verlagerte sich das Machgefüge weg von der Insel hin zum Festland, trotz weiterer Bündnisse mit den Athenern, Alexander dem Großen und den Römern. In den Jahren 1304 bis 1329 und von 1346 bis 1566 war Chios eine genuesische Kolonie, die erst ab 1566 von den Osmanen erobert werden konnte. Immer spielte auch der Mastix-Anbau aus wirtschaftlichem Interesse eine große Rolle, selbst unter der Herrschaft der Sultanin genoss Chios aufgrund des Mastix besondere Vorrechte.

Nach so vielen geschichtlichen Informationen und dem ausgiebigem Stadtbummel hatte sich bei uns der Hunger eingestellt, so dass wir beschlossen, eine typisch griechische Taverne aufzusuchen, um ein leichtes Mittagessen zu genießen. Schnell fanden wir ein entsprechendes Plätzchen, fragten nach lokalen Besonderheiten, die man uns dann wenig später auch brachte. Lecker, so war bereits der erste Eindruck, nachdem der griechische Salatteller angeliefert worden war. Es folgte ein köstlicher Käseauflauf und gegrillter Mastelo Käse, der uns besonders mundete und als die Spezialität der Insel schlechthin gilt. Und selbstverständlich gab es einen zünftigen Ouzo dazu.
Auf eine weitere Besonderheit wies uns der Wirt der Taverne noch hin, die früher immer ein gewichtiger Grund zum Besuch der Insel war: Der (sogenannte) Raketenkrieg von Chios.

Aufgrund eines alten Brauchtums, das auf dem Verbot des Osterfestes durch die Osmanen basierte, beschossenen sich zwei Gemeinden gegenseitig mit Feuerwerksraketen. Es handelte sich bei diesen Aktivitäten um ein rituelles Ereignis aus dem 19. Jahrhundert, in dem die beiden Gemeinden so taten, als ob sie im Krieg lägen. Diese Handlung sollte dazu dienen, die osmanischen Besatzer zu erschrecken und zur Aufgabe der Insel zu zwingen, so das zukünftig wieder das Osterfest gefeiert werden könnte. Immerhin wurden zu diesem Zweck mehr als 60.000 Feuerwerksraketen abgefeuert.

Nach unserem köstlichen Essen war dann auch schon die Zeit gekommen, den Rückweg zur Fähre anzutreten. Wir waren froh, trotz der nur wenigen Stunden Zeit, die zur Verfügung standen, den Trip auf die Insel Chios getan zu haben. Gerne kommen wir noch einmal wieder (diesmal mit dem Auto), um auch das Inland zu erkunden. Wir werden beizeiten berichten.

Geographische Koordinaten:    38° 24′ N, 26° 10′ O

Bitte Lesen Sie auch:

Cesme - Springbrunnen in der Altstadt

Die Halbinsel von Karaburun

Deutschland

Kultur

Leben | Outdoor

Aktuell sind 423 Gäste und keine Mitglieder online