Jesus Christ Superstar – Domstufen-Festspiele in Erfurt

Jesus Christ Superstar – Domstufen-Festspiele in Erfurt

Jesus Christ Superstar war der erste große kommerzielle Erfolg des Komponisten Andrew Lloyd Webber und des Texters Tim Rice, noch vor Musicals wie Evita, Cats und Phantom of the Opera.

Dies war der gleichzeitig der Beginn einer traumhaften Karriere, denn Andrew Lloyd Webber ist bis heute der einzige Preisträger aller vier großen Ehrungen der amerikanischen Unterhaltungsindustrie: Emmy-, Grammy-, Oscar- und Tony-Award. Webber hatte Ende der 60er Jahre den Texter Tim Rice kennen gelernt und es entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit, in deren Folge Tim Rice die Texte zu diversen Werken Webbers verfasste, insbesondere die Liedtexte des Musicals Jesus Christ Superstar in Anlehnung an die Evangelientexte der Bibel.

b_450_450_16777215_00_images_kultur_musik_jesus-christ-superstar-erfurt-02.jpgDargestellt werden die letzten sieben Tage Jesus’ von Nazareth in freier Anlehnung an die Bibel, jedoch nicht als Leidensgeschichte, sondern als Geschichte zu Themen wie Revolution, Unterdrückung, Geldgier und natürlich „peace and love“. Klar, denn damals herrschten die Römer in den Regionen Galiläa, Samarien und Judäa mit ihrem Glauben an so zahlreiche Götterfiguren, oftmals von den Griechen übernommen, und somit wurde Jesus als Revoluzzer und Terrorist seitens der Römer betrachtet.

Ein Musical macht Geschichte – Woodstock lässt grüßen

b_450_450_16777215_00_images_kultur_musik_jesus-christ-superstar-erfurt-03.jpgDer von Webber komponierten Musik merkt man an, dass das weltberühmte, klassisch zu nennende Woodstock Rockfestival noch nicht weit zurück lag. 1970 kam eine erste Version von Jesus Christ Superstar auf Schallplatte heraus (noch vor der ersten Uraufführung auf der Bühne), mit dem Deep-Purple-Sänger Ian Gillan als Jesus, Murray Head als Judas und Yvonne Elliman als Maria Magdalena. Jesus Christ Superstar war als Doppel-LP wochenlang in den britischen Charts, bevor die Autoren das Werk Bühnen tauglich machten und es am Broadway herausbrachten. Die Hollywood-Verfilmung von 1973 tat ihr Übriges, um das Werk, trotz einiger christlich-konservativer Proteste, zu einem der erfolgreichsten Musicals, besser vielleicht Rock-Opern, des 20. Jahrhunderts zu machen. Die Uraufführung stieß dann allerdings auf starke Proteste christlich-konservativer Gruppen, die vor allem monierten, dass Judas als sympathische Figur dargestellt wurde. Dennoch wurde die Rockoper ein großer Erfolg und brachte es in der Originalinszenierung auf 720 Aufführungen. Sie war lediglich in Südafrika verboten und wurde sogar im Radio Vatikan gespielt.

Da es von dieser Rockoper drei Fassungen gibt (mit großem Orchester, mit reduzierter Orchesterbesetzung und nur mit Rockband), konnte das Stück sowohl in großen wie auch in kleinen Theatern aufgeführt werden; in Deutschland kamen teilweise jährlich mehrere Produktionen in verschiedenen Städten heraus.

Aufführungen in Deutschland – zunächst Halle Münsterland

b_450_450_16777215_00_images_kultur_musik_jesus-christ-superstar-erfurt-04.jpgIn Deutschland wurde das Musical am 18. Februar 1972 in der Halle Münsterland in deutscher Sprache mit Reiner Schöne in der Hauptrolle uraufgeführt. Am 30. März 1972 hatte es in Berlin Premiere. Im Jahr 2000 wurde eine aktuelle englische Bühnenversion für eine DVD- bzw. Videoversion aufgenommen. In den Hauptrollen sind Glenn Carter als Jesus und Jérôme Pradon als Judas sowie Rik Mayall als König Herodes und Tony Vincent als Simon zu sehen.

2010 brachte die kanadische Electroclash-Sängerin Peaches die Rockoper Jesus Christ Superstar als One-Woman-Show unter dem Titel Peaches Christ Superstar im Berliner Theater Hebbel am Ufer auf die Bühne. Sie spielte und sang alle Rollen selbst und wurde lediglich von Chilly Gonzales am Klavier begleitet.

Jesu Christ Superstar jetzt bei den Domstufen-Festspielen Erfurt

b_450_450_16777215_00_images_kultur_musik_jesus-christ-superstar-erfurt-05.jpgUnd nun ist also Erfurt Spielort der Rockoper Jesus Christ Superstar, noch dazu unter freiem Himmel auf den Stufen zum Dom hinauf – schon allein aufgrund der Dom-Architektur im Hintergrund eine Bühne, die kaum Wünsche offenlässt. Noch dazu kam mit Regisseur Peter Lund ein alter Bekannter als Regisseur an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Vor allem durch seine Rockoper „Jedermann“, für dessen Libretto und Regie er verantwortlich zeichnete, ist er regelmäßigen Theatergästen in der Theaterwelt Erfurts noch bestens in Erinnerung.

Eine ganz besondere Herausforderung der Aufführungen des Theaters Erfurt besteht allein schon in der Musik im Hinblick auf mögliche Wetterkapriolen, denn wo sollen Orchester und Rockmusiker mit all den Musikern und Instrumenten aufgebaut werden, wenn doch die Treppe schon für die Interpreten und Tänzer eng ist.

b_450_450_16777215_00_images_kultur_musik_jesus-christ-superstar-erfurt-07.jpgDie Lösung war dann auch technisch hoch interessant: Das Orchester und die Musiker spielt unter der Leitung von Clemens Fieguth live im 500 Meter entfernten Theater Erfurt, wobei die Musik per Glasfaserkabel vor die Zuschauer „transportiert“ wird. ihre Stücke in der Oper und die Musik wird live auf die Bühne übertragen.

Klar, das es von Anspielungen auf Vergangenes und Denkanstößen für Zukünftiges nur so wimmelt, halt eine absolut zeitlose Geschichte ins Moderne übertragen. Ein lohnender Besuch, wenn noch Karten erhältlich sind.

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