Der Unterschied zwischen Theater und Amphitheater

Theater und Amphitheater

In unseren Artikeln sprechen wir oftmals von antiken römischen und griechischen Theater-Bauwerken, die wir im Rahmen unseres Projekts besucht und beschrieben haben.

So manches Mal führt die Bezeichnung der Bauwerke allerdings auch zu Verwirrungen, weshalb wir gern die folgende begriffliche Klarstellung und deren Hintergründe vornehmen möchten.

Das ursprüngliche, griechische Theater als schauspielerische Tätigkeit entsteht als religiöse Schaubühne aus dem Kult um den Gott Dionysos im 6. Jahrhundert vor Christus, zu dem Chorgesänge, ekstatische Tänze und Maskenumzüge gehörten. Aus der Verbindung von Kult und Spiel entstehen die beiden ersten Formen des Dramas: Tragödie und Komödie, die zweimal jährlich für das Volk bei den Dionysosfeiern in Athen aufgeführt werden. Als Wettbewerb dramatischer Spiele mit Preisverteilungen für die besten Akteure entwickelt sich das Theater zur staatlichen Institution. Unter dem Herrscher Perikles erhalten arme Bürger sogar ein Theatergeld, um ihren Verdienstausfall verursacht durch den Besuch des Theaters zu kompensieren. Schauplatz dieser Aufführungen war zunächst nur das Heiligtum des Dionysos am Südosthang der Akropolis. Aus der Aufführungspraxis des Theaterschauspiels entsteht die spätere Form des griechischen Theaterbaus.

Als Spielfläche dient die Orchestra, der kultische Tanzplatz vor dem Tempel des Dionysos. Auf ihr agiert der Chor mit Gesang und Tanz. Ein leichtes Holzgerüst, die Skene, grenzt die Orchestra gegen die freie Rückseite ab und deutet den Ort der Handlung für die einzelnen Auftritte an. Zunächst für jedes Spiel erneuert, wird später eine dauerhafte Holzkonstruktion erstellt, die eine Bühnenwand mit versetzbaren Elementen erhält. Erst im 4. Jahrhundert entstehen steinerne Bühnengebäude. Der Zuschauerraum, im griechischen mit Theatron, im römischen mit Cavea bezeichnet, umschließt die Orchestra zunächst trapezförmig. Erst später entwickelt sich die typisch halbkreisförmige Struktur mit ansteigenden Plätzen, zunächst auf Holzkonstruktionen. Leider gibt es nur sehr spärliche Dokumentationen zum Theaterbau aus vorchristlicher Zeit, der Blütezeit klassischer Tragödienschreiber. Die wenigen erhaltenen griechischen Theater des fünften Jahrhunderts weisen alle eine rechteckige Form auf.

Als weitgehend wissenschaftlich sicher gelten auch für das fünfte Jahrhundert nur die folgenden Bauelemente:

  • Theatron (zunächst aus Holz, später aus Stein),
  • Skené (hölzernes Bühnenhaus, daher auch "Szene"),
  • Orchestra, die Spielfläche für Chor und Schauspieler,
  • Parodoi, die zwei seitlichen Zugänge zur Orchestra,
  • Ekkyklema, eine Plattform, die aus dem Haus gerollt wurde, um hinterszenische Szenen innerhalb des Hauses in einem Tableau zu vergegenwärtigen,
  • Mechane, ein Kran, mit dem der deus ex machina scheinbar auf die Bühne herabschwebte und in das tragische Geschehen eingriff.

Schnell verbreitet sich das Theaterspiel über die Grenzen Athens hinaus, erste, speziell errichtete Theaterbauten entstehen. Nach vielen negativen Erfahrungen mit Holztribünen werden erste Freilufttheater gebaut, die oftmals in Hanglagen integriert werden und Nord-Süd Ausrichtung erhalten. Ausgehobene Gruben vor dem Orchestra begünstigt die Anlage von ansteigenden Stufen in Ringform für die Besucher. Sie ermöglichen eine gleichmäßige Sicht von allen Plätzen und haben positiven Einfluss auf die Akustik. Die Idealform des Theaters erreichen die Griechen durch Konzentration auf die genannten Hauptelemente und deren Geometrisierung. Um 420 wird in Athen die Orchestra aus dem Zusammenhang mit Tempel und Altar gelöst und eine konzentrische Anlage geschaffen. Fast ein Jahrhundert dauert dann der Ausbau mit Steinmaterial.

Als ein typisches Beispiel antiken griechischen Theaterbaus gilt das wegen seiner Vollkommenheit im 3. Jahrhundert errichteten Theater von Epidauros. Die genutzte Hanglange machte Stützmauern nur im unteren Bereich notwendig. In der Verschmelzung der geometrisch reinen Kunstform mit der freien Landschaft erreicht die griechische Architektur im Theaterbau eine Gegenposition zum monströsen Tempelbau mit seiner Autonomie gegenüber der Natur. Besonders die Römer der Frühzeit übernehmen das architektonische Grundkonzept der Griechen in ihren ersten Theaterbauten.

Bis heute streitet die Wissenschaft darüber, ob die sich dann entwickelnden Amphitheater auf das Zusammenfügen zweier halbkreisförmiger Theater zurückführen lassen, so zumindest beschreiben es ältere Forschungen. Inzwischen gehen Forscher eher davon aus, dass das Amphitheater als Aufführungsstätte von Gladiatorenkämpfen eine vom Theater unabhängige bauliche Entwicklung genommen haben. Nur in der Konstruktion des Zuschauerraums, der cavea, bestehen deutliche Anleihen beim antiken, griechischen Theaterbau.

Im Römischen Reich waren die Amphitheater Schauplätze für Gladiatoren- und Tierkämpfe (munera et venationes), aber auch für große Theateraufführungen und sportliche Wettkämpfe. Mit ihnen wurde nach dem Motto „Brot und Spiele“ das Volk bei Laune gehalten. Amphitheater hatten oft eine ausgeklügelte Bühnentechnik, mit der die Aufbauten in den Untergrund abgesenkt werden konnten oder sie ließen sich sogar komplett mit Wasser füllen.

Zur Zeit Caesars wurden Amphitheater in Rom noch aus Holz gebaut und nach den Wettkämpfen wieder abgerissen. Um etwa 27 n. Chr. stürzte eine solche Tribüne in Fidenae (östlich von Rom) ein, wobei tausende Menschen ums Leben kamen. Dies führte dazu, dass zukünftig Tribünen nur noch auf festem Untergrund gebaut werden durften, bis schließlich zu steinernen Amphitheatern übergegangen wurde. In Kampanien gab es jedoch bereits in der späten Republik Amphitheater aus Stein.

In Pompeji wurde das älteste Theater dieser Art (um 70 v. Chr.) gefunden. Die Bezeichnung mit dem griechischen Wort Amphitheater findet sich zuerst bei Strabo, auch Flavius Josephus erwähnt es im Zusammenhang mit Herodes' Bautätigkeit um 25 v. Chr. Die älteste Nennung des Wortes in griechischer Sprache stammt aus dem libyschen Berenike aus der Zeit um 8 bis 6 v. Chr. Das größte Amphitheater der Antike war das Flavische Amphitheater, später Kolosseum genannt, in Rom, das bis zu 50.000 Zuschauern Platz bot. Die ansteigenden Ränge des Theaters trugen die Bezeichnung Maenianum. Die Zuschauer schlossen hohe Wetten auf ihre Kämpfer ab und engagierten sich sehr für sie. Dadurch kam es oft zu Rivalitäten und Auseinandersetzungen.

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